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Corona macht's möglich

Kubas Kommunisten erlauben erstmals Ostermessen im TV

Es ist ein durchaus bemerkenswerter Vorgang: Die kubanische Regierung räumt der katholischen Kirche Kubas für die Ausstrahlung der Osterfeierlichkeiten landesweit Sendezeit im staatlichen Radio und Fernsehen ein. Ein entsprechender Antrag der Konferenz der Katholischen Bischöfe Kubas (COCC) an die Kommunistische Partei Kubas (PCC) wurde überraschend genehmigt. Seit dem ersten Aprilwochenende werden die Botschaften der Bischöfe in den jeweiligen Provinzsendern sowie im staatlichen Rundfunk ausgestrahlt.

So konnten die kubanischen Katholiken am Sonntag (5. April) die Bibelverfilmung „Jesus von Nazareth“ von Franco Zefirelli im Abendprogramm des Bildungskanals sehen. Am Morgen war bereits die Heilige Messe aus dem Nationalheiligtum der Barmherzigen Jungfrau von Cobre live im Fernsehen gezeigt worden. Auch am Ostersonntag und „an den folgenden Sonntagen wird die Messe um neun Uhr im Fernsehen übertragen“, schrieb die Bischofskonferenz in einem Facebook-Eintrag. Am Karfreitag wird darüber hinaus die Via Crucis von Papst Franziskus aus dem Vatikan übertragen und auch jeden Sonntag nach Ostern werden die Papstmessen im landesweiten Bildungskanal sowie halbstündige Nachrichten der kubanischen Bischöfe in den jeweiligen Lokalsendern zu sehen sein – „bis die Isolierung aufgrund des Coronavirus vorüber ist“.

Die Osterfeierlichkeiten sind in diesem Jahr auf Kuba, wie in vielen anderen Ländern, von den Einschränkungen durch Maßnahmen gegen die Coronavirus-Pandemie betroffen. In einem am 24. März herausgegebenen Kommuniqué hatten Kubas Bischöfe die Aussetzung aller öffentlichen Feierlichkeiten in katholischen Kirchen und Gemeinden sowie die Aussetzung der Katechese für Kinder und Erwachsene, die Schließung der Ausbildungszentren, Diözesan- und Pfarrbibliotheken und Kindergärten auf der ganzen Insel angekündigt. Die Gläubigen wurden angehalten, den Anweisungen und Vorgaben der Gesundheitsbehörden Folge leisten. In dem offenen Brief baten die Bischöfe um Gelassenheit und Glauben angesichts des Gefühls der Verletzlichkeit, das durch die Pandemie verursacht werde. Sie empfahlen das gemeinsame Gebet und Lesen des Wortes Gottes in der Familie: „Das Vertrauen, das aus dem zum Leben erweckten Glauben entspringt, hilft uns, die Angst aus unserem Geist und Herzen zu entfernen.“ In derselben Erklärung baten sie die Regierung um Sendezeit.

Dass diese nun bewilligt wurde, war keineswegs zu erwarten. Laut dem digitalen Kirchenportal Vida Nueva sind die Ostersendungen die größte Medienpräsenz seit 60 Jahren, die die kubanische Regierung der katholischen Kirche gewährt. Die Bischofskonferenz dankte den Behörden und rief die Gläubigen auf, die Sendungen zu verfolgen, die während der Osterwoche und in den darauffolgenden Wochen geplant sind. Auch die evangelische Kirche erhält Sendezeit. Das kubanische Fernsehen wird in der Karwoche täglich 15-minütige Nachrichten von verschiedenen evangelischen Pastoren des Landes senden, berichtet das Online-Portal Evangélico Digital.

Seit Jahren bemüht sich die katholische Kirche Kubas um mehr Zugang zu den staatlichen Medien. In den vergangenen Jahren hat sie ihren Handlungsspielraum auf der Insel spürbar erweitert. Das oft schwierige Verhältnis zwischen Staat und Kirche hatte sich bereits seit Mitte der 1980er Jahre gewandelt. Nach der Revolution kam es zum Konflikt zwischen Kirche und neuer Regierung. Vor allem die Verstaatlichung der Bildungseinrichtungen traf die Kirche hart. Einen Wendepunkt im Verhältnis von Staat und Kirche markierte 1986 der 1. Nationale Kirchentag. Mit der Verfassungsänderung 1992 erklärte sich Kuba fortan zu einem laizistischen Staat. Zwar sind fast zwei Drittel der rund elf Millionen Einwohner Kubas katholisch, aber nur zwei Prozent gehen regelmäßig zur Sonntagsmesse. Atheisten und Anhänger afrokubanischer Kulte stellen die größeren Gruppen. Die katholische Kirche aber ist heute die einzige zivilgesellschaftliche Institution auf der Insel mit flächendeckender Infrastruktur und der wichtigste zivilgesellschaftliche Gesprächspartner der Regierung. Nun zudem erstmals seit der Revolution mit nennenswerter Sendezeit im staatlichen Fernsehen.

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