Öffentlich-rechtlicher Rundfunk

Beim rbb gibt es Aufbruch und Ärger

Mit einem crossmedialen Newscenter reagiert der Rundfunk Berlin-Brandenburg auf den Trend, sich immer stärker in den Sozialen Medien zu informieren. Gleichzeitig sorgen angebliche Mauscheleien für Zündstoff.
RBB stellt crossmediales Newscenter vor
Foto: dpa | Der rbb möchte zwar mit seinem „Crossmedialen Newscenter“ (CNC) den digitalen Herausforderungen begegnen, befindet sich jedoch in der Krise.

Wie informieren sich heute insbesondere junge Menschen? Mehreren Studien der letzten Jahre zufolge spielen die Sozialen Medien eine immer größere Rolle als Quelle für Nachrichten, vor allem für junge Erwachsene. Darauf weisen sowohl der „Reuters Institute Digital News Report“ vom Juni 2020 als auch die bundesweite Studie des Projekts „#UseTheNews“ vom April 2021 hin, die von dpa und der Hamburger Behörde für Kultur und Medien beim „Leibniz-Institut für Medienforschung“ in Auftrag gegeben wurde. Ihr Tenor: Journalistische Angebote seien nur noch eine von vielen genutzten Informationsquellen.

„So sollen unter anderem Wolfs Geschäftspartner Beraterverträgefür den geplanten Bau des
Digitalen Medienhauses in Berlin und weitere Immobilienprojekte erhalten haben:
Dabei ist die Rede von sechsstelligen Honoraren“

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Viele Zeitungen reagieren hierauf, indem sie über eigene Twitter-, Facebook- und Instagram-Accounts ihre Print-Artikel verlinken, obwohl die eigentlichen Print-Beiträge nicht immer frei zugänglich sind, sondern sich oft hinter der sogenannten „Bezahl-Schranke“ befinden.

Auch der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) stärkt nun seine digitale regionale Berichterstattung. Um Nachrichten „fürs Netz, fürs Radio und für das Fernsehen“ gemeinsam zu produzieren, hat die Landesrundfunkanstalt für die Länder Berlin und Brandenburg ein „Crossmediales Newscenter“ (CNC) in Berlin eröffnet. In neu gestalteten Räumen des Berliner Fernsehzentrums entstehen regionale Nachrichten und Beiträge „für alle Ausspielwege“.

Die digitale Herausforderung wird angenommen

Der Kern des CNC ist der 400 Quadratmeter große crossmediale Newsroom. Für das CNC waren ein kompletter Umbau und die Erneuerung der 6. und 7. Etage mit insgesamt rund 2 400 Quadratmetern erforderlich – zur Verfügung stehen nun rund 170 Arbeitsplätze, mehrere multifunktionale Schnitt- und Grafikarbeitsplätze, ein eigenes „smartes News-Studio“ sowie verschiedene Besprechungsräume. Dazu führte rbb-Intendantin Patricia Schlesinger aus: „Das CNC ist unsere neue Werkstatt, in der wir journalistische Exzellenz und plattformgerechte Aufbereitung verbinden können. Davon profitieren alle aktuellen Programme.“

Um für viele „Ausspielwege“ produzieren zu können, entwarf Set-Designer Jürgen Bieling von der Münchener Agentur Billionpoints das CNC-Studio in einem fensterlosen Bereich im 7. Obergeschoss. Im CNC können klassische Fernsehnachrichten genauso wie Livestreams fürs Netz oder Social-Video-Formate produziert werden. Im 70 Quadratmeter großen Studio nimmt ein Kameraroboter auf Schienen das Bild auf – in der automatisierten Regie sind nur zwei Personen fürs Dirigieren aller Sendungen zuständig. Das Studio-Design zitiert bereits das geplante Digitale Medienhaus, das in unmittelbarer Nähe bis 2026 entsteht. Die im CNC gewonnenen Erfahrungen sollen in das Konzept für das Digitale Medienhaus einfließen.

Nicht nur gute Nachrichten aus dem Funkhaus

Das Crossmediale Newscenter führt verschiedene Bereiche zusammen, die bisher räumlich getrennt arbeiteten. Die räumliche Nähe im CNC ermöglicht nun eine direkte Abstimmung und schnelle Verfügbarkeit von Informationen und Inhalten. Auch rbb-Chefredakteur David Biesinger betont die Vorteile der Zusammenführung: „Im CNC planen wir nun konsequent crossmedial, denken digitale Ausspielwege von Anfang an mit und setzen die Themen unserer Region Berlin und Brandenburg. Das CNC führt viele Menschen im rbb zusammen, die bisher weit verteilt saßen. Aus vielen kleinen Inseln wird hier ein crossmediales Netzwerk. Das journalistische Profil des rbb können wir so weiter schärfen.“

Doch es gibt nicht nur gute Nachrichten beim rbb zu vermelden: Denn beinahe zeitgleich mit der Einweihung des neuen crossmedialen Newscenters berichtete das Online-Portal „Business Insider“ über Vorwürfe gegenüber rbb-Intendantin Schlesinger sowie der gesamten Geschäftsführung des Rundfunks Berlin-Brandenburg.

Herrscht beim rbb ein „Klima der Angst“, gibt es „Vetternwirtschaft“?

So soll Schlesinger regelmäßig Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur zu vermeintlichen Geschäftsessen in ihre Berliner Wohnung eingeladen und diese von den Beitragszahlern bezahlt lassen haben – obwohl es sich bei den Geschäftsessen möglicherweise in Wahrheit um private Feiern gehandelt habe. Zudem sollen Dokumente, die dem „Business Insider „ vorliegen, belegen, dass RBB-Verwaltungschef Wolf-Dieter Wolf Schlesingers Ehemann lukrative Aufträge zugeschustert hat. So sollen unter anderem Wolfs Geschäftspartner Beraterverträge für den geplanten Bau des Digitalen Medienhauses in Berlin und weitere Immobilienprojekte erhalten haben: Dabei ist die Rede von sechsstelligen Honoraren.

Angesichts der im Raum stehenden Vorwürfe hat Patricia Schlesinger eine umfassende Prüfung angekündigt, die "falls nötig, auch externe Expertise“ hinzuziehen soll. Und diese ist anscheinend auch für einen Großteil der beim rbb beschäftigten Redakteure unabdingbar: Denn wie die „Welt“ erfahren haben will, brodelt es rbb-intern gewaltig. In einem Brief rechnen laut „Welt“ der Personalrat und die Redaktion mit Schlesingers Krisen-Kommunikation ab und sprechen von einem senderinternen „Klima der Angst“.

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