Den Ausgangspunkt des Buches bildet Donald Trumps Wahlkampfversprechen, den Ukrainekrieg innerhalb von 24 Stunden zu beenden, womit er bekanntlich gescheitert ist. „Kriege zu beginnen ist offensichtlich leichter, als sie zu beenden“, fasst Autor Rolf Steininger treffend zusammen. Der Zeithistoriker nennt anfangs die drei Möglichkeiten, einen Krieg zu beenden: Sieg einer Partei, wie der des Deutschen Reiches 1870/71 über Frankreich, Kompromiss, wie der Wiener Kongress 1815 nach den Napoleonischen Kriegen, oder gegenseitige Erschöpfung, wie nach dem Dreißigjährigen Krieg 1648. Wie endeten die modernen Kriege seit dem Ersten Weltkrieg?
Anhand der wichtigsten kriegerischen Auseinandersetzungen seit 1914 präsentiert das Buch die unterschiedlichsten Friedensschlüsse und Waffenstillstände. Der Verfasser, der jahrzehntelang in Innsbruck und Bozen lehrte, gilt zu Recht als Experte für das Thema. Er legte eine Vielzahl an Büchern über die Geschichte und Kriege des 20. Jahrhunderts vor. Das vorliegende Buch basiert auf älteren eigenen Beiträgen in diversen Zeitungen und Werken.
Dem historisch interessierten Leser dürften viele Friedensschlüsse – gerade nach den beiden Weltkriegen – ein Begriff sein. Steininger blickt aber erfreulicherweise auch auf im deutschsprachigen Raum unbekanntere Ereignisse, wie den Frieden von Sèvres 1920 mit dem Osmanischen Reich oder den Ablauf der japanischen Kapitulation 1945. Am Beispiel Italiens nach dem Zweiten Weltkrieg lässt sich gut erkennen, wie zukünftige politische Absichten einen Frieden verändern können. Aus Angst vor einem kommunistischen Italien verbesserten die USA die Nachkriegsbedingungen für den Mittelmeerstaat. Dass ein Frieden aber häufig nicht in die Zukunft denkt, zeigt der Versailler Vertrag – in den zukunftsweisenden Worten von Frankreichs Marschall Ferdinand Foch, die er 1919 aussprach: „Dies ist kein Frieden. Es ist für 20 Jahre ein Waffenstillstand.“
Aus der Geschichte lässt sich zudem lernen, dass ein Frieden zwischen willigen Kriegsparteien teilweise von außen verzögert werden kann. Das tat Stalin im Koreakrieg – er sah den Konflikt als „eine nützliche Form der Erziehung“, die außer Menschen wenig koste. Erst nach dem Tod des sowjetischen Diktators kam es 1953 zum Waffenstillstand und zur bis heute andauernden Teilung des Landes.
Das Kapitel zu den Balkankriegen in den 1990er-Jahren ist relativ knapp, während die Kriege im Fernen, Mittleren und Nahen Osten ausführlicher behandelt werden. Das ist gerade vor dem Hintergrund des aktuellen Irankriegs und dem seit 2023 anhaltenden Krieg in Israel und Gaza spannend zu lesen. Für eine dauerhafte Lösung des Nahostkonflikts, der immer wieder neu entflammt, brauche es in den Augen Steiningers einen palästinensischen Staat.
Der letzte im Buch behandelte Krieg, der einen Abschluss fand, ist der sogenannte „Zwölftagekrieg“ zwischen Israel und dem Iran im Juni 2025. Der Krieg endete in einer Waffenruhe, nachdem entscheidende Anlagen des iranischen Atomprogramms nach Angaben der USA, die in den Krieg eingegriffen hatten, „komplett zerstört“ worden waren. Mit einem Zitat des israelischen Generalstabschefs Ejal Zamir („der Einsatz gegen den Iran ist noch nicht vorbei“) deutet Steininger bereits an, was mittlerweile geschehen ist. Der Waffenstillstand war nicht von Dauer. Die Vorgeschichte der Konfliktparteien, die bis zum CIA-Putsch im Iran 1953 zurückreicht, verdeutlicht dem Leser, dass dieser Krieg kein einfaches Ende finden konnte. Das gilt auch für den „Krieg gegen den Terror“, den US-Präsident George W. Bush nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ausrief. Das offizielle Ziel lautete, die „Welt vom Bösen“ zu befreien. Es wurde „ein Krieg ohne Ende, ohne Sieger, ohne Waffenstillstand“, wie Steininger passend resümiert.
Etwas enttäuschend ist das kurze Kapitel zum Ukraine-Krieg, das den Kriegsursprung sehr einseitig behandelt. Hier hätte man einen geopolitischeren Blick erwartet, der auch die Rolle der USA und der NATO kritischer diskutiert. Nach Steininger werde der „KGB-Mann“ Putin in diesem Krieg die „Entscheidung auf dem Schlachtfeld“ suchen. Dem Fazit des Buches ist dagegen zuzustimmen. Steininger zeigt die begrenzten Handlungsmöglichkeiten der Vereinten Nationen durch die Großmächte auf und stellt fest, dass die Organisation sich nicht „zum Frieden stiften“ eignet.
Insgesamt liefert der emeritierte Historiker ein übersichtliches Buch mit zahlreichen schwarz-weiß Abbildungen, das vor allem als kompaktes Nachschlagewerk dienen kann. Neue Thesen zur Vergangenheit oder gar die Lösung, wie man einen Krieg in Zukunft beenden kann, bietet das Buch jedoch erwartungsgemäß nicht.
Rolf Steininger: Wie Kriege endeten. Vom Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart. Reinbek: Lau Verlag, 2026, 296 Seiten, gebunden, EUR 26,–
Der Rezensent ist promovierter Historiker.
Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.











