Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Buchrezension

Vater Engel von Damaskus

Der heilige Engelbert Kolland opferte sein Leben für die Christen im Heiligen Land.
Katholische Franziskanerkirche oder Kirche Zu Unserer Lieben Frau oder Liebfrauenkirche, ehemals Kirche des Franziskaner
Foto: IMAGO/imageBROKER/Thomas Robbin (www.imago-images.de) | Das Franziskanerkirche in Salzburg, wo der heilige Engelbert Kolland in den Orden eintrat.

Im Oktober 1926 wurden elf Märtyrer seliggesprochen, die bei einer blutigen Christenverfolgung in Damaskus im Jahre 1860 ihren Glauben mit dem Leben bezahlt hatten. Vor zwei Jahren sprach Papst Franziskus die acht Franziskaner und drei Maroniten am Weltmissionssonntag heilig. Das reich illustrierte Büchlein „Den Esel also mache ich!“ erzählt die Lebensgeschichte und das Martyrium des heiligen Pater Engelbert Kolland, der einer von ihnen ist. Das Esel-Zitat stammt aus einer Notiz des Paters, in der er sein enormes Arbeitspensum im christlichen Viertel in Damaskus schildert und sich mit dem Lasttier vergleicht – doch ohne einen Ton der Klage. Er übte den Dienst am Nächsten mit Freude und Hingabe an Jesus Christus aus und wurde deswegen von den Gläubigen seiner Pfarrei „Abuna Malak“ – „Vater Engel“ genannt.

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Für die Grußworte im ersten Kapitel des Buches haben die Autoren, Pfarrer Johannes Laichner und Pater Volker Stadler OFM, mehrere Persönlichkeiten gewinnen können, die in besonderer Weise mit der Heimat und den Ausbildungsstationen des Tiroler Missionars verbunden sind. So etwa Franz Lackner, Erzbischof von Salzburg, wo der zwanzigjährige Kolland in den Franziskanerorden eintrat. Einen einführenden Text hat auch Ivo Muser, Bischof von Bozen-Brixen, verfasst: In Bozen hatte Pater Engelbert einst studiert – vor allem Fremdsprachen, um sich auf seine Missionstätigkeit vorzubereiten.

Standhaft bis in den Tod

Fritz Wenigwieser, Provinzial der Franziskaner in Österreich, erinnert in seinem Grußwort daran, dass der Märtyrer in den Stunden seiner Prüfung zunächst einem sehr menschlichen Impuls folgte und zu fliehen versuchte. Als seine Verfolger ihn jedoch umzingelten, erwies sich Pater Engelbert als umso standhafter in der Verteidigung seines Glaubens, indem er mehrmals wiederholte, ein Diener Christi zu sein. Mit einer Axt wurden ihm daraufhin beide Arme abgeschlagen – als der Missionar dennoch an seinem Bekenntnis festhielt, tötete man ihn schließlich.

Pater Engelbert wurde als Michael Kolland 1827 in Ramsau, einem Dorf im österreichischen Zillertal, geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Die Eltern, die dem protestantischen Glauben anhingen, mussten aufgrund religiöser Spannungen in der Region gemeinsam mit anderen „Geheimprotestanten“ ihre Heimat verlassen und wanderten 1837 in die Steiermark aus. Die Söhne Michael und Florian ließen sie in der Obhut einer Verwandten zurück. Beide Brüder entschieden sich als junge Erwachsene, Priester zu werden, und traten in den Franziskanerorden ein. Im Jahre 1851 empfing Pater Engelbert in Trient die Priesterweihe. Da er sehr sprachbegabt war – er lernte in kurzer Zeit Arabisch –, schickte ihn der Orden 1855 als Missionar ins Heilige Land.

Wirken und Martyrium in Syrien

Nach einem kurzen Dienst in der Jerusalemer Grabeskirche wurde Pater Engelbert nach Damaskus versetzt, wo er als Seelsorger im Christenviertel wirkte. Er erteilte Religions- und Sprachunterricht in der Klosterschule, trat als Streitschlichter auf und war als Beistand für Arme, Kranke und Sterbende hochgeschätzt.

Im dritten Jahr seines Aufenthaltes verschärfte sich die Situation der Christen in Syrien, das Land war zu damaliger Zeit eine osmanische Provinz. Die Übergriffe von Seiten der Türken nahmen zu, aber Pater Engelbert blieb frohen Mutes und schrieb in einem Brief nach Hause: „Ich bin schon zweimal in der Stadt mitten unter den Türken gewesen, ohne im Mindesten beunruhigt zu werden. Sie schauten mich mit großen Augen an, ohne jedoch ein Wort zu sagen. Nur vor wenigen Tagen, als ich auf einem Spaziergang einigen türkischen Frauen begegnete, sagte eine (…) ‚Gott bewahre uns vor diesem Teufel!‘ Ich lachte und ging meines Weges.“

Im Juli 1860 drangen Banden bewaffneter Türken und Drusen in das Christenviertel ein, zerstörten die Häuser und töteten 12.000 Christen. Die Patres wurden im Pauluskloster niedergemetzelt, in der dortigen, wiederaufgebauten Kirche ist Pater Engelbert begraben.

In der Biografie, die anlässlich der Heiligsprechung entstand, sind auch kurze Predigttexte des Missionars nachzulesen und ein Gebet zum heiligen Engelbert Kolland, der vor allem bei Nerven-, Hals-, Ohren- und Augenleiden wie auch bei Gerichtsangelegenheiten und Schulprüfungen angerufen werden kann.


Pater Volker Stadler und Pfarrer Johannes Laichner: Den Esel mache ich! Der heilige Engelbert Kolland – Missionar aus Leidenschaft, Edition Missio, Be&Be Verlag, 114 Seiten, EUR 9,80

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