Bonn

Schon sehr früh Wahrheit schenken

Ein neues „Messbuch für Kinder“ erklärt anschaulich, was die Messe bedeutet und wie man sie feiert.
Elevation
Foto: KNA

Es ist kein Geheimnis, dass auch in katholischen Kreisen nicht mehr selbstverständlich gewusst wird, was eigentlich die Messe bedeutet. Wenn selbst Priester nicht mehr wissen, dass auch eine vor wenigen Mitfeiernden zelebrierte Sonntagsmesse nichts von der Gnadenfülle nimmt, die das Messopfer bewirkt und wodurch sich jeder dieser Gottesdienste in die Weltgemeinschaft der Eucharistiefeier verbindet, dann ist es gut, dass bereits kleine Christen einen Zugang zum gefeierten Kern dessen bekommen, was Kirche ist und warum es sie gibt.

Eucharistie, Kommunion, Opfermahl und Mahlgemeinschaft. Darüber herrscht offenbar immer wieder Verwirrung, die vor allem aus Unkenntnis erwächst. Anders kann man zum Beispiel kaum erklären, warum auf der Kinderseite einer Augsburger Zeitung neulich über die Messfeier zu lesen war: „Oft wird dort gemeinsam ein bestimmtes Brot gegessen: die Hostie.“ Ein bestimmtes Brot? Aber das kommt vielleicht davon, wenn man im Kommunionunterricht – wenn überhaupt – vom heiligen Brot spricht, den Kindern aber verschweigt, dass dieses äußerlich so wahrgenommene „Brot“ nichts Geringeres ist als der Eucharistische Herr, Gott selbst, Jesus Christus, der sich in der heiligen Kommunion tatsächlich und ganz real existierend empfangen lässt.

Mit Kompetenz, Ehrlichkeit und Achtsamkeit den Glauben erklärt

Da ist es geradezu ein Segen, wenn der Augsburger Dominus-Verlag jetzt ein „Messbuch für Kinder“ herausbringt, das nicht nur schön bebildert ist, sondern auch mit wunderbaren, einfachen und sehr verständlichen Texten jeden Schritt und jede Symbolik der Messe erklärt. Die Autorin Valérie van Nes ist Mutter von sieben Kindern und weiß, wie man die Neugier der Jüngeren einerseits weckt und andererseits bedient. Mit Kompetenz, Ehrlichkeit, Achtsamkeit und aus dem tiefen Glauben der Anbetung heraus. Hier liegt eine richtig schöne Einladung zum Staunen und zur Ehrfurcht vor. In seinem Lesehinweis an die Eltern schreibt Verlagschef und Theologe Peter C. Düren: Die heilige Messe ist für Kinder zunächst eine geheimnisvolle Welt – ein Buch mit sieben Siegeln. Es gibt viele Riten und Begriffe, viele Handlungen und Redeweisen, die nicht der Alltagswelt der Kinder entsprechen.

"Nicht die Eucharistie soll kindgemäßer,
sondern die Kinder sollen sozusagen eucharistischer werden.
Behutsam werden den Kindern hier
die Handlungen und Begriffe der heiligen Messe nahegebracht."

Daher versuchen viele, die Messe kindgemäßer zu gestalten. Dabei besteht jedoch die Gefahr, dass wesentliche Inhalt verlorengehen und der Gottesdienst zu einem gewöhnlichen Geschehen profaniert wird. Wir versuchen, es mit diesem Buch anders zu machen: Nicht die Eucharistie soll kindgemäßer, sondern die Kinder sollen sozusagen eucharistischer werden. Behutsam werden den Kindern hier die Handlungen und Begriffe der heiligen Messe nahegebracht.“ Zunächst werde es genügen, wenn das Kind vor dem Kommunionalter die Bilder anschaut und lernt, dass die heilige Messe einem festen Ablauf folgt. Das Kommunionkind kann dann schon die Überschriften lesen und die Antworten mitsprechen. Das Kind im Ministrantenalter wird dann Stück für Stück lernen, auch die Begriffe der heiligen Messe zu verstehen. So könne „dieses Buch die Kinder viele Jahre lang begleiten und ihnen den Ritus der hl. Messe erschließen: die ,Quelle und den Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens‘ (II. Vat., LG 11).“

Der emeritierte Weihbischof von Salzburg beschreibt zu Beginn, wie man mittels dieses Messbuches das größte Geheimnisses der Kirche erahnen kann. Man könne hören und glauben, was die eigentlich sei: „Jesus, der nach seiner Auferstehung in den Himmel zurückgegangen ist, bleibt bei uns Menschen! Man sieht und hört ihn nicht, wie man andere Menschen sehen und hören kann, aber er ist auf geheimnisvolle Weise da, er wohnt bei uns, ist unser Gast und bringt sich selbst als Gastgeschenk mit. Weil sie das glaubt, nennt die Kirche die heilige Messe das Größte, das sie zu geben hat, und feiert überall auf der Erde die heilige Messe.“

Die Kinder werden eingeladen, „das Geheimnis“ zu verstehen, indem sie auf die Worte, die gesagt werden, lauschen, schauen, was der Priester tut, und sich erklären lassen, was es bedeutet! Gut, dass es jetzt dieses Messbuch gibt. Es hat eine weite Verbreitung und eine intensive Nutzung verdient. Hier wird Kindern kindgerecht und richtig schön erschlossen, worauf es wirklich ankommt und was die Quelle aller Gnaden ist, ja, warum Gott so groß und so nah ist und jeden Einzelnen liebt, weshalb er jedem Einzelnen – und erst recht den Kindern – begegnen möchte.

Valérie van Nes:
Messbuch für Kinder.
Wie der Priester mit der Gemeinde die heilige Messe feiert.

Dominus-Verlag Augsburg 2019, gebunden, zwei Lesebändchen,
107 Farbfotos, 256 Seiten, EUR 19,95
bestellung@dominus-verlag.de

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Themen & Autoren
Martin Lohmann Christen Eucharistie Geistliche und Priester Gottesdienste Heiligtum Jesus Christus Kirchen und Hauptorganisationen einzelner Religionen

Weitere Artikel

Der Kölner Weihbischof Dominik Schwaderlapp zieht eine Bilanz seines Afrika-Aufenthalts und beschreibt, warum er noch heute eine Gänsehaut bekommt, wenn er sich an die tiefgläubigen ...
30.10.2022, 09 Uhr
Regina Einig
Wie das äußere Muss des Sonntagsgebots durch eine innere Sehnsucht abgelöst werden kann, beschreibt Kardinal Kurt Koch in einem Beitrag der kommenden Synodalbeilage „Welt&Kirche“
19.10.2021, 10 Uhr
Vorabmeldung

Kirche

Der Ton bei Kirchens wird rüder. Nun verschärft das Internetportal katholisch.de seine Netiquette und stellt Kriterien auf, über die man streiten kann.
03.12.2022, 11 Uhr
Regina Einig
Die Gruppe, die zum kontinentalen europäischen Vorbereitungstreffen der Weltsynode nach Prag fahren soll, repräsentiert die deutschen Katholiken in keiner Weise.
02.12.2022, 11 Uhr
Dorothea Schmidt
Nach russischer Empörung wurden die Internetseiten des Heiligen Stuhls attackiert. Auffällige Parallelen zum Hacker-Angriff auf das Europäische Parlament.
01.12.2022, 12 Uhr
Meldung
Deutsche Stimmen zum römischen Einspruch: Wie soll es weitergehen nach den Referaten der Kardinäle Luis Ladaria und Marc Ouellet?
01.12.2022, 13 Uhr
Redaktion
Mit fremden Menschen auf der Straße über den Glauben sprechen ist das „Back to the roots“ der Evangelisierung.
30.11.2022, 11 Uhr
Franziska Harter