Mittags um zwölf pflegte Mrs Hawkins ein stilles Angelus zu beten, auch mitten in einem anstrengenden Telefonat. Die junge Kriegswitwe, Ich-Erzählerin in Muriel Sparks (1918–2006) wieder aufgelegtem Roman von 1988, arbeitet in den frühen 1950er Jahren in einem dem Untergang geweihten Verlagshaus und verkörpert in der von Rationierung und Unannehmlichkeiten geprägten Nachkriegszeit schon mit ihrer äußeren, füllig ausladenden Erscheinung Ruhe, Verlässlichkeit, Überfluss und Kompetenz. Sie ist aber auch von einer gnadenlosen Ehrlichkeit, deren erwartbare Probleme sie mit Nonchalance meistert.
Literarische Gewissensprüfung
Die zum Katholizismus konvertierte Autorin Muriel Spark stellt sich in ihrem Werk immer wieder der Realität des Bösen. Nun ist „Weit weg von Kensington“ neu aufgelegt worden.
