Würzburg

Internationale Zeitschriftenschau am 06.08.2020

Der wahre Joe Biden - Die Vergangenheit von Planned Parenthood ist auch seine Zukunft - China schränkt christliche Filme ein
The Spectator - 1. August 2020
Foto: tzrtz | Titelbild - The Spectator - 1. August 2020

Der wahre Joe Biden

 Der britische Spectator widmet sich einer möglichen Präsidentschaft des vorläufigen Kandidaten der Demokratischen Partei, Joe Biden, denn in knapp 100 Tagen wird in den Vereinigten Staaten der nächste Präsident gewählt. Freddy Gray ist dem „wahren Joe Biden“ auf der Spur. Dessen Aussichten steigen in Wahlumfragen immer mehr. Doch das Wahlkampfteam von Trump pocht darauf, dass „je näher der November rückt und die Wähler sich auf den (noch immer vorläufigen) demokratischen Kandidaten konzentrieren, umso mehr werde sich die Dynamik des Rennens zu ihren Gunsten verlagern“. Denn „wenn sich der prüfende Blick der Medien verstärkt, werden Bidens Schwächen als Kandidat unübersehbar werden – seine beginnende Demenz, die peinlicherweise allzu offensichtlich ist“. Biden sei als „Teflon-Kandidat“ bezeichnet worden, an dem alle Angriffe abprallten, doch dies werde, so meint Gray, seiner „slipperiness“, seinem einschmeichelnden Auftreten, nicht ganz gerecht. Er gleiche eher einer Sphinx: Sein wenig sichtbarer Wahlkampf bedeute, dass er sich gegenüber den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen jeweils etwas anders repräsentieren könne: „Für die weiße Arbeiterschaft ist er der normale Joe, der irisch-katholische Junge aus Scranton. Für die schwarzen Wähler ist er Barack Obamas loyaler Vizepräsident, der stets das Clintonsche Talent besaß, einfühlsam zu klingen. Für die in den Vororten lebenden Frauen ist er der ,elder Statesman‘, der in das Oval Office wieder Anstand bringen wird. Für frühere Republikaner und Unabhängige ist er nicht Donald Trump.“ Bidens Prioritäten im Bereich der Gesetzgebung seien ähnlich schwer fassbar. Seine Ankündigungen klängen radikal, ohne sich auf irgendetwas Kontroverses zu verpflichten. Im Juli habe er versprochen, „die Wurzeln des systematischen Rassismus aus diesem Land herauszureißen“ und „dieses Land zu transformieren“. Doch wie er das schaffen will, sagt er nicht. Auf seiner Webseite weise der Bereich „Joes Vision“ mehr als 40 „Pläne“ oder „Agenden“ auf. Dazu gehörten „Der Biden-Plan für den Klimawandel“, „Der Biden-Plan zur Beendigung der Gewalt gegenüber Frauen“ sowie „Joe Bidens Agenda für die katholische Community“. Doch wirkliche Sorgen machten sich Konservative und Gemäßigte darüber, dass „Präsident Biden ein trojanisches Pferd für die ganz Linken“ sein könnte: „Er ist so alt, dass es unwahrscheinlich scheint“, dass er mehr als eine Amtszeit, geschweige denn zwei, als Präsident durchstehen könne. Schon habe Biden die demokratische Abgeordnete – das 30-jährige Aushängeschild des amerikanischen Progressismus – Alexandra Ocasio-Cortez gebeten, ihm bei der Ausarbeitung seiner politischen Handlungsstrategien zu helfen. Was jedoch sicher ist: „Biden ist bereit, Unmengen an Bundesgeldern auszugeben. Die Trump-Administration hat bereits sechs Milliarden Dollar für die COVID 19-Krise ausgegeben. Biden will noch sehr viel mehr. ,Was auch immer es kostet‘, sagt er. Außerdem hat er vor, die Ausgaben für das staatliche Gesundheitswesen drastisch zu erhöhen, und seine Antwort auf den Rassismus ist: mehr Steuerminderungen für schwarze Kleinunternehmer plus ein Einhundertmilliarden-Fonds für erschwingliche Wohnungen für Afroamerikaner.“ Einige Beobachter seien über „Bidens Zahlenverständnis besorgt. Vor kurzem behauptete er, Amerika habe ,mehr als 120 Millionen Tote durch COVID‘; bei einer Diskussion zu Beginn des Jahres sagte er, 150 Millionen Amerikaner seien durch Waffenkriminalität getötet worden“.

Die Vergangenheit von Planned Parenthood ist auch seine Zukunft

Die New Yorker Zweigstelle von „Planned Parenthood“ hat angekündigt, den Namen der Gründerin Margaret Sanger wegen deren eugenischen Bestrebungen von ihrem Hauptgebäude in Manhattan zu entfernen. Dies ist eine Reaktion auf einen offenen Brief der Angestellten der weltweit größten Abtreibungsorganisation, wie der National Catholic Register berichtet. Darin heißt es: „Planned Parenthood wurde von einer rassistischen weißen Frau gegründet.“ Die Unterzeichner beschuldigen die Organisation nicht nur, dass sie in Feindseligkeit gegenüber Farbigen gegründet worden sei, sondern diese rassistische Haltung bis in die Gegenwart hineintrage: „Wir wissen, dass Planned Parenthood eine Geschichte und eine Gegenwart hat, die von der Überlegenheit der Weißen [white supremacy] durchdrungen ist, und wir, die Mitarbeiter, sind motiviert, die für eine Verbesserung notwendige schwierige Arbeit zu leisten.“ Der Register ist jedoch nicht davon überzeugt, dass diese Botschaft das Wirken von Planned Parenthood grundlegend verändern werde. Es sei zwar „ein Namens-, aber kein Kurswechsel“. Denn fast 80 Prozent der chirurgischen Abtreibungseinrichtungen befänden sich in Wohngegenden, in denen viele Afroamerikaner leben: „Da ist es kein Wunder, dass die Abtreibungsrate schwarzafrikanischer Frauen dreimal so hoch wie bei Weißen liegt, und dass in New York City jährlich weit mehr schwarze Babys abgetrieben als geboren werden.“ Die Abtreibungsorganisation werde auch weiterhin aggressiv werben: „Die Vergangenheit von Planned Parenthood ist, so stellt sich heraus, seine Gegenwart und höchstwahrscheinlich auch seine Zukunft.“ Sangers rassistische Einstellung sei nichts Neues, dennoch habe PP die Gründerin jahrzehntelang „als Wegbereiterin im Kampf um die Reproduktionsrechte gepriesen“, obwohl man gewusst habe, dass ihre Überzeugung, bestimmte „unerwünschte“ Elemente der Bevölkerung auf geringem Niveau zu halten, ein zentrales Ziel ihrer Organisation gewesen war. Planned Parenthood hat nun auch um die Entfernung des Namens seiner Gründerin von der Straße gebeten, für deren Benennung als „Margaret Sanger Square“ sie sich selbst einst eingesetzt hatte. Doch was geschieht eigentlich mit den „einstmals stolzen früheren Preisträgern des Planned Parenthood's Margaret Sanger Award? Zu ihnen gehören Hillary Clinton (,Ich bewundere Margaret Sanger außerordentlich‘) und die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi. Werden sie aufgefordert, sich von ihrem Award zu distanzieren?“ Es wäre an der Zeit.

China schränkt christliche Filme ein

Die kommunistischen Behörden in China haben neue Sendeverordnungen für Filme erlassen, die, so meldet The Tablet, einigen Katholiken in den Medien zufolge, christliche Programme stark einschränken werden. Die „National Administration of Radio and Television“ hat die Filmproduktion von 20 inhaltlichen Kategorien verboten, darunter Filmmaterial über heilige Reliquien und Wunder. Der Drehbuchautor Liu Ming sagte, die neuen Regeln werden „der gesamten Film- und TV-Industrie einen schweren Schlag versetzen“. KS

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