Karrierewunder

Taylor Swift reflektiert mit neuem Album ihre christliche Prägung

Die Sängerin und Songwriterin Taylor Swift bricht mit ihrem neuen Album „Midnights“ Chart-Rekorde. Dabei reflektiert sie auch die christlichen Prägungen ihres Lebens.
Taylor Swift in Paris
Foto: dpa | Ganz lässig und leicht lasziv: Auf ihrem neuen Album läuft Pop-Lyrikerin Taylor Swift zu Höchstform auf.

Es muss mehr sein als ein Hype. Das neue Album „Midnights“ der amerikanischen Sängerin und Songwriterin Taylor Swift bricht gleich mehrere Rekorde: Innerhalb von 24 Stunden ist „Midnights“ das bislang meistgekaufte Album des Jahres. Nur wenige Tage nach Erscheinen des Albums besetzt Swift mit ihren neuen Songs die ersten zehn Plätze der Charts in Amerika: Eine historische Leistung. Keiner hat es vor ihr geschafft. In dem Album bringt Swift auch zum ersten Mal ihre christlichen Wurzeln zur Sprache.

„Sie verkörpern Lektionen, mit denen sie sich versöhnt hat.
Das spricht die Leute an. Swift gelingt es,
trotz ihres schier entrückt wirkenden Lebensstils bodenständig zu bleiben“

Dabei muss man wissen: Swift hat mit ihren 32 Jahren bereits zehn Studio-Veröffentlichungen hinter sich und nennt elf „Grammys“ ihr eigen. Mit 14 Jahren war sie die jüngste Künstlerin, die von dem Musiklabel Sony/ATV unter Vertrag genommen wurde. Mit 17 Jahren machte sie ihr Debüt mit dem Country-Album „Taylor Swift“. Ihren ersten Song „Tim McGraw“, die den gleichnamigen Country-Sänger und sein Werk zum Symbol macht, performte Swift in Cowboystiefeln. Mittlerweile hat Swift sich in vielen Genres ausprobiert und Alben im Indie- oder Hip-Hop-Stil veröffentlicht.

Das neue Album fällt in die Pop-Sparte. Aber noch immer lebt Swifts Musik bis heute von dem, was das Country-Genre ausmacht: Von guten Geschichten, von Romantik, Nostalgie, von Americana – Western- und Ostküstenromantik, Kleinstadtchristentum und Metropolträumen – und von einer starken Dichter- beziehungsweise Sängerpersönlichkeit, die das alles auf sich bezieht und dem Zuhörer erzählt.

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Swift arbeitet ihr Leben auf

Was Swift in ihrem neuen Album erzählt, geht bis an ihre künstlerischen Anfänge zurück. In „You‘re On Your Own, Kid“ (Du bist auf dich allein gestellt, Kleines) versetzt sie sich in ihre Teenagerzeit zurück, als sie ihr normales Leben im mittleren Westen für den Traum von der Bühne zurücklassen musste. Doch damals folgte schnell die Desillusionierung: Die junge Taylor erlebte Cliquenbildung, Mobbing und das Ringen darum, zu den „Beliebten“ dazuzugehören. Das gibt es, wie sich ihr schon bald zeigte, nicht nur auf dem Schulhof, sondern auch an der Spitze der Musikindustrie.

Aber nach ihren Jahren im Showgeschäft beginnt Swift, umzudenken. Die Frage „Was brauche ich wirklich, damit ich mit meinem Leben zufrieden bin?“ durchzieht jedenfalls das ganze Album. Es ist die Suche nach inneren Werten, um frei zu werden von dem auf die Dauer ungesunden Hunger nach äußerer Anerkennung. Kein einfacher Prozess. In „Midnight Rain“ reflektiert Swift eine zerbrochene Beziehung, die sie zurückließ, um sich ihrer Karriere zu widmen. Reue ist hier vielleicht nicht der richtige Begriff – eher hadert sie mit der Person, die sie damals war. War es richtig, eine glückliche Beziehung zu beenden, um sich an der Anerkennung eines Weltpublikums abzuarbeiten? Und zu wem hat diese Entscheidung sie gemacht?

 

 

Selbst- und Fremdwahrnehmung liegen im Kampf

Mit der aktuellen Single-Auskopplung „Anti-Hero“ treibt Swift diese Frage auf die Spitze. Sie stellt sich darin einem bedrohlichen Selbstbild, das teils von inneren Zweifeln, teils von Angst um die Fremdwahrnehmung geprägt ist. Sie thematisiert ihren Umgang mit ihrem extrem öffentlichen Leben, das sie selbst gewählt hat und die Folgen. Nicht nur für sie, sondern auch für eine spätere Familie.

Es ist wahr: Taylor Swift zeigt sich auf „Midnights“ angreifbarer als zuvor. Sie übernimmt Verantwortung für Entscheidungen, die sie vielleicht so nicht mehr treffen würde. Ein Fan-Liebling ist deshalb der Bonus Track „Would‘ve, Could‘ve, Should‘ve“. In dem Song beklagt sie den Verlust ihres „Mädchenseins“ und ihrer Religion durch die Beziehung als 19-Jährige mit einem dreizehn Jahre älteren Songwriter namens John Mayer.

Enttäuschte Liebe und der Bruch mit der Religion

Es geht in diesem Song um mehr als nur eine frühreife Beziehung. Mayer erscheint in Swifts lyrischer Retrospektive als der Verführer, der Swift vom rechten Weg abbringt. Als nun selbst 32-jährige, die ihre eigene Naivität mit ihrer Entscheidungsfähigkeit abwägt, kann sie das Gefühl neu formulieren, damals etwas Zentrales, Unwiederbringliches verloren zu haben. Swift räumt ein, dass sie in die Verführung eingewilligt hat – aber wagt auch die These, dass sie die Situation damals in ihrer Jugend und Unerfahrenheit nicht einschätzen konnte.

Das Lied ist nicht nur eine Klage an einen Ex-Freund, sondern verarbeitet die bittere Erkenntnis, dass Beziehungen nachhaltige Konsequenzen haben können – gerade auf der körperlichen Ebene. Es drückt die Frage aus, ob legale Volljährigkeit ein Freifahrtsschein ist – vielleicht auch, ob ein gesellschaftliches Klima der sexuellen Freiheit zu Swifts Unglück beigetragen hat. Taylor macht sich auf diese Weise auch zum Sprachrohr vieler Frauen. Doch: Wie schon auf früheren Alben gibt sich Swift auch heute wieder Rache-Fantasien hin: In „Vigilante Shit“ gibt sie in Sachen Selbstjustiz der Frau eines schmierigen Steuerhinterziehers inkriminierende Beweise weiter.

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Sie wehrt sich gegen „männliche Ausbeutungs-Muster“

Das Stück ist auf Scooter Braun gemünzt, der gegen Swifts Wunsch 2016 die Rechte an ihren Studioaufnahmen von Swifts Ex-Manager Scott Borchetta aufkaufte. Doch auch hier hat sie einen Weg gefunden, um sich aus dem männlichen Ausbeutungs-Muster zu befreien: Swift nimmt Lieder, an denen sie mindestens mitgeschrieben hat, nun sukzessive wieder neu auf. Die Verkaufszahlen ihrer neu eingespielten Alben sprechen für sie.

Wie wird es für Taylor Swift weitergehen? Der Aufstieg vom Popstar zur ernstzunehmenden Künstlerin war Swift bereits 2020 mit ihren Alben „folklore“ und „evermore“ gelungen. Auf diesen Indie-Alben schildert sie die Schicksale von historischen Persönlichkeiten wie auch von fiktiven Personen. Darin flicht sie unaufdringlich Zitate von Autorinnen und Dichtern wie den Brontë -Schwestern oder dem US-Dichter Miller Williams mit ein.

Neue innere Stärke in ihrer Beziehung gefunden

Als Quelle einer neu gefundenen inneren Stärke hat Swift übrigens ihren Partner Joe Alwyn identifiziert. Vielleicht ist es deshalb kein Zufall, dass das neue Album mit einer Ode an diese Beziehung beginnt. Titel: „Lavender Haze“. „Lavender Haze“ (Lavendeldunst) ist ein Begriff, den Swift der Serie „Mad Men“ entliehen hat. Er beschreibt den „Flitterwochen-Zustand“ einer Beziehung. Die Sängerin spinnt den Gedanken weiter: Ihr „Lavendeldunst“ ist ein Schutzschild, der sich über die Beziehung legt und die Meinungen von Außenstehenden überlagert. Seit sechs Jahren hat Swift eigene Worte für ihre Beziehung mit Alwyn gefunden – und niemand soll ihr da hineinreden.

Fazit: Taylor Swifts Geister lassen sie nicht los. Aber sie verkörpern Lektionen, mit denen sie sich versöhnt hat. Das spricht die Leute an. Swift gelingt es, trotz ihres schier entrückt wirkenden Lebensstils bodenständig zu bleiben. Jeder kann verstehen, wovon sie singt, und das katapultiert ihre Songs in die Charts. Das ist ihr Talent und ihr Kapital. Und das dürfte nicht vergehen, sondern weiter reifen.

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Sally-Jo Durney Christentum

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