Die Frage nach Gott

Eine gelungene Einführung in das Denken des heiligen Thomas Von Alexander Riebel

Existiert Gott, weil er vollkommen ist und deswegen auch existieren müsse, wie Descartes meinte? Dass es nicht so ist, hatte zuvor schon der heilige Thomas von Aquin gezeigt. Aus dem Wissen über Gott können wir noch nicht gleich schließen, dass er auch existiert, denn solch ein Wissen hätten wir gar nicht von Gott. Vielmehr müssten alle Dinge, die von Natur aus nicht existieren, von etwas abgeleitet werden, was von Natur aus existiert.

So stellt es Brian Davies dar, Professor für Philosophie an der Fortham University in New York. Sein Band „Thomas von Aquin – Eine kurze Einführung“ ist im Stil angelsächsischer Wissenschaft geschrieben. Und weil die wesentlich essayistisch verfasst wird, eignet sich das Buch hervorragend als Einführung.

Davies zeichnet die Hauptlinien der thomistischen Philosophie nach für Leser, denen das gedankliche Gerüst des Philosophen und Theologen noch neu ist. Die elegante Übersetzung aus dem Amerikanischen von Rafael Hüntelmann erleichtert das Verständnis der Abhandlung zusätzlich. Das Buch ist in zwei Teilen konzipiert, in die Geschichte und das Vermächtnis Thomas von Aquins. man erfährt, wie Thomas gegen den entschiedenen Widerstand der Familie – sie setzte ihn ein Jahr unter Hausarrest fest – dann doch Dominikaner wurde. Unter Leitung von Albert konnte er dann bald in Köln sein Studium beginnen. wenn es auch zuweilen verschiedene Meinungen darüber gibt, ob Thomas mehr Philosoph oder Theologie war – nach Brian Davies hat er eindeutig die Bibel als verbindlichen Leitfaden anerkannt bei dem, was wir über Gott sagen können. Thomas ging von der Annahme aus, die Bibel und die Konzilien könnten uns eine Offenbarung geben, insofern könne man Thomas durchaus als Theologen bezeichnen. Philosoph sei er gewesen, insofern er auch sagte, man könne einiges aus der Bibel und den Konzilien verteidigen, ohne an die Offenbarung zu glauben. Sein Hauptinteresse war jedoch Gott. „Wir können nicht wissen, was Gott ist“, meinte Thomas, was bedeutet, dass wir ihn nicht wirklich verstehen. Dennoch gebe es einige Wahrheiten über Gott, die sich begründen ließen. Zu diesen Wahrheiten könnten wir gelangen, wenn wir die richtigen Einsichten in die Welt überhaupt bekommen. In Schriften wie „De Principiis Naturae“ oder in „De Ente et Essentia“ hat er Grundbegriffe dargelegt, wie wir uns dieser Frage annähern können: Substanz, Wesen, Form, Materie, Akt, Potenz. Die göttliche Substanz übersteigt wiederum jede Form, die unserem Intellekt möglich sei. Je mehr wir erkennen, wie sich Gott von den Dingen unterscheide, je näher kommen wir ihm.

Anders als manche Kritiker meinen, steht der christliche Gott natürlich für Thomas im Mittelpunkt. Die Dreifaltigkeit und die Inkarnation untersucht er leidenschaftlich in der Überzeugung, dass sie von Gott offenbart wurden. Allen diesen Fragen geht Davies nach, auch warum Gott Mensch wurde und worin dessen Tugenden und Laster bestehen. Ein Ausblick auf die Rezeption bis ins 21. Jahrhundert und ein Glossar zu den wichtigsten Schlüsselbegriffen beenden die gelungene Einführung in das Denken und Glauben des Thomas.

Brian Davies: Thomas von Aquin. Eine kurze Einführung. Edition Scholasticae, Neunkirchen-Seelscheid 2019, 119 Seiten, ISBN-13: 978-

386838-214-3, EUR 14,90

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