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„Die Festung“: Ein Jugendroman mit Tiefgang

Der sechste Band der Jugend-Romanthriller-Reihe „Benjamin Coleman“ bietet Drama, Action und christliches Heldentum.
Benjamin Coleman
Foto: Sally-Jo Durney | Der Romanheld in der Folterfestung: Quasimärtyrer Benjamin Coleman muss im sechsten Band der Thrillerserie für Jugendliche Einiges erleiden. Sein Glaube hilft ihm dabei.

Die Romanreihe „Benjamin Coleman“, geschrieben von der österreichischen Autorin Veronika Grohsebner, handelt von einem jungen, bemerkenswerten Mann Anfang zwanzig, der rücksichtsvoll und aufmerksam in seiner Arbeit als „Special Trooper“ Jugendlichen in Brennpunkten begegnet. „Special Trooper“ – unter diesem Namen verbirgt sich eine von der Autorin frei erfundene Spezialeinheit der Exekutive in den Vereinigten Staaten für Jugendkriminalität. Dabei werden fließend und authentisch diskutierte Fragen thematisiert, die für Katholiken von Bedeutung sind. Anfang März dieses Jahres erschien nun der sechste Band: „Die Festung“.

Finstere Tage, Flucht in die Kirche, wo das Kreuz wartet

Was ist bisher geschehen? Ben ist 14 Jahren alt, da stirbt sein geliebter älterer Bruder, sein Vorbild und der Lieblingssohn des Vaters, an den Folgen einer verunreinigten Droge. Für die ganze Familie ein vernichtender Schlag. Ben, der von seinem Vater immer nur als „Looser“ und „Weichei“ bezeichnet wird, flüchtet sich in jenen finsteren Tagen in die Kirche, die er sonst nur zu den großen Feiertagen von innen sieht. Der Schmerzen ertragende Mann am Kreuz berührt ihn. Ben verspricht Jesus, ihm ein Freund zu sein und ihn zu trösten, ihn nicht alleine zulassen.

Nach der Highschool entscheidet sich Ben, bei den „Special Troops“ einzutreten. Im Verlauf seiner Ausbildung stößt er auf verschiedene Wespennester finsterer Gestalten, in die er hineinstolpert und die er zusammen mit seinem Ausbilder-Team und vielen Kollegen, Freunden und Unterstützern auszuheben versucht. So stößt er im zweiten und dritten Band auf eine Organisation, die Harvester genannt wird. Harvester, also Erntearbeiter? Ja, richtig! Die Arbeit dieser illegalen und bis dahin unbekannten Gruppe ist grausam und menschenverachtend.

Organentnahme unter unermesslichen Schmerzen

Bei „Safaris“ werden Schwarze, Latinos und andere Nichtweiße aus den Ghettovierteln entführt und ausgeweidet, das bedeutet, ihnen werden die Organe entnommen. Sie „ernten“ die Organe anderer Menschen und töten sie unter unermesslichen Schmerzen.

Für die Autorin ist das typisch: Sie schreckt nicht vor schwierigen und heiklen Themen wie Drogen, illegaler Organspende, Rassismus, Vater-Sohn-Beziehung, Theodizee und so weiter zurück. Durch ihren natürlichen, fließenden Schreibstil taucht der Leser in diese Welt ein und erfährt echte Freundschaft inmitten von Verrat; Vergebung inmitten von Hass; Humor, Freude und Leid. Gleichzeitig kann der Leser dabei zusehen, wie der unsichere, junge Mann reift und Licht ins Dunkel bringt. Wohin er auch kommt, andere werden von seinem Leuchten angesteckt und beginnen selbst zu strahlen. Spätestens im jüngsten Band wird die geheime Lichtquelle von Ben deutlich klar.

Der fünfte und sechste Teil hängen eng zusammen: Im fünften Band „Der Verrat“ ist Benjamin Coleman undercover als Mathestudent unterwegs (tatsächlich ist er ein hochbegabter Mathematiker und hegt eine innige Liebe zu dieser Wissenschaft). Von seinen Vorgesetzten wird er an einer Uni eingeschrieben, wo Studenten verdächtigt werden, in Verbindung mit den Harvestern zu stehen. Er schafft es, das Vertrauen jener Studenten zu gewinnen. Alles läuft gut – bis Ben aus den eigenen Reihen verraten wird und seine Deckung auffliegt. Die Harvester entführen ihn. Man kann sich denken, dass Ben, der Mann, der diese Organisation entdeckt hat und durch seine Undercover-Ermittlungen an brisante Informationen gelangt ist, kein schönes Ende erwartet… Damit endet der fünften Band: Der junge Protagonist einsam, verraten und in den Händen seiner größten Feinde.

Glaube als psychologisches Experiment

Doch zum Glück geht es weiter. Im sechsten Band, „Die Festung“, ist Ben – wie der Titel schon vermuten lässt – an jenem höchstgeheimen Zufluchtsort der Harvester. Dort, wo viele Menschen durch Organentnahme und Experimente den Tod finden, wo Frauen als Leihmütter benutzt und Menschen gefoltert und misshandelt werden.

Der „Doktor“, wie der Kopf der Organisation und Herr der Festung genannt wird, hat großes Interesse an Ben. Er betrachtet ihn als psychologisches „Experiment 47“. Er stellt Ben vor die Wahl: Entweder spuckt Ben auf das Kruzifix und schwört den Glauben an Gott ab – dann würde er eines schnellen Todes sterben. Oder er steht treu zu Christus und nimmt viele qualvolle Torturen auf sich. Dafür würden die anderen Gefangenen besser behandelt werden. Das Ganze gilt natürlich nur solange, wie Ben alias „Experiment 47“ am Leben bleibt.

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Ben küsst das Kreuz. Damit ist seine Entscheidung klar. Von nun an wird er misshandelt, gefoltert – physisch wie psychisch. In seiner kleinen Zelle, während der Gefangenschaft und auch danach ringt Ben oft mit Gott. Wie kann er nur das Leid zulassen? Häufig betet er die Psalmen und bittet Gott um Kraft. Hin und wieder bringt er es über sich, für seine Peiniger vor Gott zu bitten.

Während Ben in der Festung langsam zu Tode gemartert wird, arbeiten seine Vorgesetzten, Ermittler vom FBI und ein Privatdetektiv im Geheimen an einem Plan für seine Befreiung und die der anderen Menschen. Nach über einem Jahr ist es endlich so weit. Die Festung wird eingenommen. Der an der Schwelle des Todes stehende Ben kann nach einigen Operationen, künstlichem Tiefschlaf und viel Zeit ins Leben zurückgeholt werden. Es schien fast unmöglich zu sein, aber wie durch ein Wunder kam es so, und Ben bleibt am Leben.

Den Teufelskreis der Gewalt durchbrochen

Alle Gefangenen in der Festung kommen frei. Sie werden befragt und berichten von den Erlebnissen. Dabei stellt Jonah, einer der gefangenen Gangmitglieder aus der Festung, fest: „Ben hat das Böse irgendwie... aktiv... absorbiert und da hat es aufgehört. Wie ist so etwas möglich?“

Father Alan, ein ehemaliger „Special Trooper“, der Priester geworden war (seine Geschichte kann in der Alan Jason-Trilogie derselben Autorin nachgelesen werden), erklärt: „Der Teufelskreis der Gewalt wurde am Kreuz durchbrochen. Was Benjamin hier tat, tat er zusammen mit Jesus.“

Und das ist wahr: Ben begegnet dem Hass mit Liebe. Zu dieser Liebe war er allein durch Jesus fähig, mit dem er eine natürliche, treue Freundschaft pflegt – wie mit einem echten Freund eben. Er ist Bens geheime Lichtquelle.
Der sechste Band endet mit der Versöhnung von Coleman Senior mit Coleman Junior: Mit Frieden zwischen Vater und Sohn. Langsam genesend betet Ben am Abend im Bett liegend die Psalmen. Er weiß noch nicht, wie seine Zukunft aussieht, aber Jesus weiß es ganz sicher, er wird ihn leiten und ihm helfen, seinen Weg zurück ins Leben zu finden. Damit endet „Die Festung“. Ein katholischer Thriller, der in staunenswerter Weise ganz natürlich die Theodizee-Frage behandelt und anhand seines sanftmütigen, zurückhaltenden, liebenswürdigen Hauptcharakters, Benjamin Coleman, ein wunderbares Beispiel für Gottvertrauen und Nächstenliebe gibt.

Veronika Grohsebner: Die Festung – Benjamin Coleman 6. Ein katholischer Thriller. Verlag Veronika Grohsebner, Wien 2024, broschur, 405 Seiten,  ISBN 9783200095243 EUR 17,40

 

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