Lieben bis nach Treblinka

Er war Arzt, Pädagoge, Schriftsteller, hinterließ ein umfangreiches Werk an Romanen, Essays und wissenschaftlichen Werken. Doch berühmt ist Janusz Korczak vor allem für die Geste, mit der der Leiter des Waisenhauses im Warschauer Ghetto 1942 bis zur letzten Konsequenz seinen Überzeugungen treu blieb: Obwohl er als Arzt als unabkömmlich galt und sein Leben hätte retten können, stieg er mit „seinen“ rund 200 Kindern in die Viehwaggons, die sie in das Vernichtungslager Treblinka transportierten, in den sicheren Tod. Heute jährt sich zum 125. Mal sein Geburtstag.

Der Sohn einer liberalen polnisch-jüdischen Familie, 1878 in Warschau geboren, hieß eigentlich Henryk Goldszmit. Das Pseudonym Janusz Korczak legte er sich während seines Medizinstudiums zu, als er zugleich an seiner literarischen Karriere arbeitete. Bereits in einem seiner ersten Bücher, „Kinder der Straße“, dessen Handlung in den Slums von Warschau spielte, galt sein Engagement den in Elend lebenden Kindern. Obwohl er als Arzt häufig in den Elendsquartieren unterwegs war, entschloss er sich früh, seine Praxis aufzugeben und übernahm 1910 die Leitung eines Waisenhauses, in dem er seine Ideen einer fortschrittlichen Pädagogik umsetzte. Eine „Kinderrepublik“, in der die Kinder bei Verfehlungen ein eigenes Gericht organisierten und sogar über den Verbleib von Erziehern entscheiden konnten. Korczaks utopischer Roman „König Hänschen“ war in Polen eines der populärsten Kinderbücher.

In seinen pädagogischen Werken, etwa „Wie man ein Kind lieben soll“ oder „Das Recht des Kindes auf Achtung“ plädierte er für Respekt vor den Jüngsten der Gesellschaft und forderte mehr Rechte für Kinder. „Die Welt zu reformieren bedeutet, die Erziehung zu reformieren“, lautete einer seiner Grundsätze. Vor dem Zweiten Weltkrieg war Korczak in Polen einer der bekanntesten Pädagogen, auch wenn mancher seine „Kinderdemokratie“ als utopisch und realitätsfern kritisierte. Mit der deutschen Besatzung begann für ihn ein Kampf um das Überleben seiner Waisen, den er am Ende verlor. Zunächst außerhalb des Ghettos untergebracht, musste das Waisenhaus 1940 auf das Ghetto-Gelände verlagert werden. Immer weniger konnte Korczak seine Kinder vor Hunger, Elend und Existenznot im Ghetto schützen. Am 6. August 1942 kam die Anordnung zur Deportation der Waisenkinder.

Im September soll an der Stelle, an der das Waisenhaus stand, der Grundstein für ein Denkmal Korczaks gelegt werden. Die geplante Bronzeskulptur stellt den Arzt und Pädagogen so dar, wie ihn überlebende Augenzeugen auf dem Umschlagplatz vor dem Abtransport nach Treblinka in Erinnerung haben: Ein Kind auf dem Arm, ein anderes an der Hand, eine Gruppe von Kindern hinter ihm. Als sie in die Waggons stiegen, so erinnerte sich ein Augenzeuge, herrschte eine „schreckliche, müde Stille“.

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