Würzburg

Kurz vorgestellt am 18. Juli

"Die berauschte Gesellschaft" geht dem Phänomen Alkohol und seinen gesundheitlichen Folgen nach, "Pracht und Anmut" lässt historische Handschriften erzählen: die Kurzrezensionen der Woche.
Eine Frau steht vor einem Bücherregal.
Foto: dpa | Kurz vorgestellt: Aktuelle Kurzrezensionen in der Tagespost.

Alkohol und seine Auswirkungen auf die Gesellschaft

Wir wissen heute, schreibt Helmut K. Seitz, dass Alkohol für über 200 Krankheiten und Organschäden verantwortlich und dass er krebserregend ist. Dennoch wird dem Missbrauch der Droge Alkohol immer noch nicht wirksam begegnet. Der Direktor des Alkoholforschungszentrums in Heidelberg wartet mit den neuesten Studienergebnissen auf. Erschrecken muss der hohe Prozentsatz an Kindern (bis zu fünf Prozent), die an Organ- und geistigen Schäden aufgrund eines fetalen Alkoholsyndroms leiden, weil ihre Mütter während der Schwangerschaft Bier, Wein oder auch härtere Sachen konsumierten.

Der Fokus liegt nicht nur auf den gesundheitlichen Folgen des Problemtrinkens. Seitz beschreibt eindrücklich die gesellschaftlichen Faktoren, die zu einem schädlichen Alkoholkonsum führen, und zeigt andererseits dessen Auswirkungen auf die Gesellschaft.

Als effektive Maßnahmen empfiehlt er ein Verbot der Werbung für Alkohol, wie vor einigen Jahren beim Zigarettenkonsum – mit Erfolg – geschehen: „Angesichts der geschätzten 73.000 Menschen, die in Deutschland jährlich durch riskanten Alkoholkonsum oder durch die Kombination Alkohol und Tabak sterben“, wäre das schon ein Anfang. Weitere Maßnahmen wären höhere Preise sowie eine eingeschränkte Verfügbarkeit. Eine wichtige Publikation zu einem drängenden Problem.

Helmut K. Seitz, Ingrid Thoms-Hoffmann: Die berauschte Gesellschaft: Alkohol – geliebt, verharmlost, tödlich. 176 Seiten, Kösel-Verlag 2018, EUR 19,–


 

Handschriften erzählen lassen

Kurz vorgestellt

Christopher de Hamel ist einer der renommiertesten Experten für Paläografie. Ab 2000 war er als Bibliothekar der Parker Library am Corpus Christi College in Cambridge tätig. In seinem neuesten Werk führt er in zwölf herausragende Handschriften des Mittelalters ein. Seine reichen Kenntnisse über iluminierte Manuskripte verbindet er mit seiner lebendigen Art des Erzählens, so dass man ihm bei seinen Streifzügen gerne folgt.

De Hamel geht es darum, die Handschriften selbst zu befragen, was diese zu erzählen haben und worin ihre Bedeutung liegt. Manuskripte sind für ihn keine toten Gegenstände aus einer dunklen, fernen Zeit, sondern vielmehr persönliche Gesprächspartner, denen es Geheimnisse zu entlocken gilt. Das ist ihm prächtig gelungen.

Der über 700-seitige Band in einer handlichen und mit farbigen Illustrationen wunderschön gestalteten Ausgabe führt den Leser zu bekannteren als auch zu weniger prominenten Preziosen. Das Book of Kells, das Stundenbuch der Johanna von Navarra sowie das Spinola-Stundenbuch sind hier ebenso vertreten wie das Augustinus-Evangeliar aus dem späten 6. Jahrhundert und der Hengwrt-Chaucer aus dem frühen 15. Jahrhundert, der die Canterbury-Tales von Geoffrey Chaucer enthält.

Christopher de Hamel: Pracht und Anmut – Begegnungen mit zwölf herausragenden Handschriften. 752 Seiten, C. Bertelsmann Verlag 2018, EUR 48,–

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