Tagesposting

Kirche kann vom Politikum zum Faszinosum werden

Wie man als praktizierender Katholik von der Basis soweit sattelfest im Glauben werden, dass man katechetisch mitwirken kann: in der Jugendarbeit, der Ministrantenrunde, bei der Kommunion- und Firmvorbereitung - ein Erfahrungsbericht
Weltjugendtag - Vigil auf dem Marienfeld
Foto: Jörg Carstensen (dpa) | Sie verbreiten das Licht der Welt: Mit einer fundierten Hinführung zum Glauben und seriöser Unterrichtung in der Lehre, werden junge Menschen zu „junge Katechisten“ - engagierte Laien helfen ihnen dabei.

Ich freue mich auf das letzte Maiwochenende. Und wissen Sie warum? Weil ich an diesem Wochenende etwa 30 junge Leute treffe, die für Jesus und die Kirche brennen. Lassen Sie mich erzählen! Vor einigen Jahren war ich eingeladen zu einem der legendären Katechistenkurse von Pater Buob. Mehrere hundert Leute haben diese himmlischen Crashkurse durchlaufen – alle bezeugen den Effekt: intimes Verstehen der Geheimnisse Gottes, fugenlose Identifikation mit der Kirche (ohne ihre Wunden und den innerkirchlichen Verrat zu ignorieren), missionarische Dynamik und pure Glaubensfreude.

„Ja, Ihr müsst im Glauben noch viel tiefer verwurzelt sein als die Generation Eurer Eltern,
um den Herausforderungen und Versuchungen dieser Zeit
mit Kraft und Entschiedenheit entgegentreten zu können.“

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In Hochaltingen also entstand die Idee: Warum machen wir das nicht mit jungen Leuten? Gesagt, getan: Hochaltingen, Jugend 2000 und YOUCAT taten sich zusammen. Wir beteten für die „Richtigen“ – und die Richtigen kamen zu YOUNG MISSIO. Zwei gingen wieder: einer ins Priesterseminar, eine junge Frau ins Kloster. Wir setzten den Kurs auf anderthalb Jahre an, nicht ahnend, wie sehr uns Corona ins Kontor schlagen würde.

Was müsste man jungen Leuten mit auf den Weg geben, damit sie „junge Katechisten“ sind, bei der Erstkommunion- und Firmvorbereitung helfen könnten, Glaubenskurse geben können usw.? Wir dachten: Sie müssten einfach ein Katechumenat wie in der alten Kirche durchlaufen. Den Prozess einer tieferen Integration in Gott, Kirche, Glauben, Gebet. „Ihr müsst wissen, was Ihr glaubt“, hatte Papst Benedikt dem YOUCAT ins Stammbuch geschrieben, „Ihr müsst Euren Glauben so präzise kennen wie ein IT-Spezialist das Betriebssystem eines Computers. Ihr müsst ihn verstehen wie ein guter Musiker sein Stück. Ja, Ihr müsst im Glauben noch viel tiefer verwurzelt sein als die Generation Eurer Eltern, um den Herausforderungen und Versuchungen dieser Zeit mit Kraft und Entschiedenheit entgegentreten zu können.“

Vier Schwerpunkte

Also setzten wir vier Schwerpunkt:

1. Eine Gebetsschule: Du kannst in der Kirche nichts verstehen, wenn du nicht im Gebet und in lebendiger Fühlung mit Gott bist.
2. Eine Glaubensschule: Du kannst dich im Glauben nicht entwickeln, wenn du nicht weißt, was Gott uns sagen will. Deshalb Heilige Schrift und Katechismus!
3. Eine Lebensschule: Du kannst kein missionarischer Jünger sein, wenn du so bleiben willst, wie du bist. Deshalb persönliches Coaching durch erfahrene Gläubige. Lernziel: Identität, Berufung, persönliches Charisma finden. Ungelöste, unheile Momente in der Biographie heilen lassen. Freude am eigenen Wachstum finden.
4. Eine Missionsschule: Neuevangelisierung lernen; entdecken wie man auf andere zugehen, wie man vom Glauben gewinnend erzählen kann. So hatten wir's uns vorgenommen, wurden aber nicht einmal bei der Hälfte durch COVID ausgebremst; also verlegten wir uns aufs Internet, ehe wir uns wieder physisch trafen.

Und jetzt stehen wir vor der Vollendung unseres im Krisenmodus leider nur fragmentarisch durchführbaren Pilot-Projektes – irgendwie glücklich und dankbar. Mag die halbe Welt die Kirche für ein Politikum halten. Mag sie sagen: Kommen Sie mir nicht mit Gott. Wir waren dort, fanden es so schön wie nirgends. Ein Politikum? Ein Faszinosum!

 

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