Höhepunkte der Filmgeschichte

„Ist das Leben nicht schön?“ - Filmklassiker für Christen

„Ist das Leben nicht schön?“ (1947) von Frank Capra – Teil 1 der Serie Höhepunkte der Filmgeschichte. In der neuen „Tagespost“-Reihe kommt eine Auswahl Filme aus der mehr als 100-jährigen Filmgeschichte zur Sprache, die auch und besonders für Christen Bedeutung haben. Sie dürften in einer gutsortierten DVD-Sammlung nicht fehlen. Von José García
Filmszene mit James Stewart aus „Ist das Leben nicht schön?“
Foto: IN | James Stewart in „Ist das Leben nicht schön?“

Capras bekanntester Film „Ist das Leben nicht schön?“ („It's a Wonderful Life“, 1947) gehört inzwischen zu jedem Weihnachts-Fernsehprogramm. Zu Recht, weil darin die Bezüge auf den christlichen Glauben insofern ganz und gar explizit werden, als sein Protagonist nach einem Selbstmordversuch durch göttliches Eingreifen seine „Wiederauferstehung“ erlebt.

Es beginnt mit einem regelrechten „Prolog im Himmel“, wo die Gebete erhört werden, die am Heiligabend die Anwohner einer amerikanischen Kleinstadt namens Bedford Falls für George Bailey (James Stewart) sprechen. Der Oberengel Joseph bietet Clarence (Henry Travers), einem noch flügellosen Engel zweiter Klasse, die Chance, sich durch eine gute Tat für einen Menschen seine ersehnten Flügel zu verdienen. Dieser dramaturgische Kunstgriff ermöglicht es dem Regisseur, in einer Rückblende das Leben des George Bailey Revue passieren zu lassen.

So erfährt der Zuschauer vom aufopferungsvollen Leben eines Menschen, der als Kind seinen Bruder vor dem Ertrinken rettete und dabei eine Ohrverletzung erlitt, von seinen Träumen, die große, weite Welt zu sehen, die aber nie realisiert wurden. Stattdessen übernahm er die kleine Bank seines Vaters, die er zwar vor dem Konkurs bewahren konnte. Als aber sein Onkel eine größere Summe Geld verliert, steht er vor dem Bankrott. In dieser verzweifelten Lage beschließt Bailey, seinem Leben ein Ende zu setzen. Als er auf einer Brücke steht, um sich in den Fluss zu stürzen, erscheint ihm Clarence. Der noch flügellose Engel zeigt Bailey, wie das Leben in seiner Stadt aussehen würde, hätte er nie gelebt.

Mit dieser originellen Drehbuch-Wendung bringt Frank Capra seine tiefste Überzeugung zum Ausdruck, dass das Leben „Gottes höchstes Geschenk“ ist. Dass im Leben alles einen Sinn hat. Dies verleiht dem Film eine ungebrochene Aktualität etwa bei der Diskussion um die Sterbehilfe: „Mein Leben gehört nicht mir“.

Die Mischung aus Tragödie und Komödie vor dem Weihnachts-Hintergrund rückt Capras Film einerseits in die Nähe der großen Erzählungen von Charles Dickens. Sie verleiht ihm andererseits einen eigenwilligen „capraesken“ Anstrich. Das inzwischen in der Filmwelt fest verankerte Eigenschaftswort „capraesk“ (englisch „capraesque“) bezeichnet die inneren Werte naiver Helden, die sich gegen Geldgier, Hedonismus und den Hang zur Macht durchsetzen müssen. Frank Capras Filmkarriere hatte noch in der Stummfilmära begonnen, ehe er im Jahre 1928 von Harry Cohn für Columbia unter Vertrag genommen wurde. Bei Columbia blieb Frank Capra bis 1941. Für das Hollywood-Studio drehte er den Film, mit dem der Regisseur nicht nur seinen ersten Oscar gewann und einen großen Publikumserfolg feierte, sondern auch den Stil der sogenannten „Screwball“-Komödie prägte: „Es geschah in einer Nacht“ („It happened one night“, 1934). Den Begriff „capraesk“ begründeten vier weitere Spielfilme, die Capra für Columbia drehte: „Mr. Deeds geht in die Stadt“ (1936), „Lebenskünstler“ (1938) sowie „Mr. Smith geht nach Washington“ (1939) und „Hier ist John Doe“ (1941): Gary Coopers Mr. Deeds oder Jimmy Stewarts Mr. Smith wurden zum Inbegriff des einfachen, „guten“ Menschen, der sich gegen die rücksichtlosen Reichen und Mächtigen durchsetzen. Laut dem Filmhistoriker Neil Gabler entwarf Frank Capra in diesen Filmen „gleichsam eine Theologie der Komödie, einen säkularisierten Ersatz für die Christus-Geschichte, deren Held ein einfacher Mann ist, der gesegnet mit einem guten Herzen und gesundem Menschenverstand, alle Hindernisse, Versuchungen und sogar Verrat überwindet, um in seinem Leben Erlösung und Triumph zu erreichen“.

Mit „Ist das Leben nicht schön?“ hatte Frank Capra indes seinen Zenit bereits überschritten. Im Jahre 1961 drehte er mit „Die unteren Zehntausend“ („Pocketful of Miracles“, mit Bette Davis und Glenn Ford) eine letzte Komödie. Dann zog er sich aus dem Filmgeschäft zurück. Frank Capra starb 94-jährig 1991.

Ist das Leben nicht schön? („It's a Wonderful Life”), USA 1947, Regie: Frank Capra, 125 Min., EAN: 404-256417-834-0, EUR 6,99

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