Herzblut für Europa

Deutsch-tschechische Versöhnung: Buchvorstellung in Prag über das Wirken Anton Ottes. Von Markus Bauer
Monsignore Anton Otte
Foto: Vyšehrad | Monsignore Anton Otte.

Wenn Monsignore Anton Otte am 15. August 80 Jahre alt wird, kann er auf ein wechselhaftes Leben zurückblicken. Dies und damit sein Einsatz vor allem für die deutsch-tschechische Versöhnung ist nun im Buch „Fernes Europa?“ dokumentiert, das kürzlich in Prag vorgestellt wurde. Per Interviews, die der Publizist Josef Beránek mit Otte führte, wird Ottes Vita nachgezeichnet. Unterstützt wurde die zweisprachige Publikation von Renovabis und dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds.

Schon die vielen Gäste aus Deutschland, Tschechien und Österreich belegten die große Wertschätzung für Otte. Auf dessen Bezüge zum Königlichen Kollegiatskapitel der Heiligen Peter und Paul auf dem Vyšehrad – hier fand die Präsentation statt – wies Propst Aleš Opatrný in seiner Begrüßung hin. Denn Otte hatte von 2011 bis 2015 selbst dieses Amt inne. Ebenso erinnerte Opatrný an einige historische Ereignisse. „Nach Leiden kommt Versöhnung“, schloss er seine Einführung.

Für den Vyšehrad-Verlag sprach Filip Outrata ein Grußwort. Angesichts einer weitverbreiteten Angst vor der Zukunft sei Versöhnung notwendig, so der Verlagsvertreter. Der Inhalt des Buches wie auch Ottes Leben könne mit „Versöhnung“ umschrieben werden.

Den Aspekt „Versöhnung“ stellte auch Josef Beránek ins Zentrum. „Ein gemeinsames Europa kann nicht ohne gemeinsame Geschichte existieren. Das Leben Anton Ottes ist so eine Geschichte. Zum Zusammenleben in Europa müssen wir die Verständigung und Versöhnung suchen. Auch der Glaube hilft uns dabei“, brachte es der Interviewer auf den Punkt. „Wir Christen sind die Bauer Europas“, stellte Toni Otte fest. Er ging sogar noch tiefer: „Die einzige Heilung, das einzige Medikament, um Barbareien wie im Zweiten Weltkrieg zu vermeiden, ist der europäische Gedanke.“

Seine Freude über das Buch drückte der Präsident der Tschechischen Christlichen Akademie Professor Tomáš Halík aus. Er wertete diese Dokumentation als sehr gute Möglichkeit der Geschichtsvermittlung. Selbst erinnere er sich gut an die 30 Jahre Partnerschaft mit Otte und lobte dessen Art und Weise des Heilens von Wunden zwischen Menschen, Völkern und Staaten.

Ähnliche Kindheitserinnerungen wie Otte schilderte Daniel Herman, der Vorsitzende der Sdružení Ackermann-Gemeinde. Besonders aber hob er „lebendige Brücken“ hervor – Menschen, die Brücken bauen. „Einer ist Toni Otte, der Brücken baut. Dank seines Lebens konnte ich viel verstehen“, so Herman.

An einen von Otte stets betonten Aspekt erinnerte der Bundesvorsitzende der Ackermann-Gemeinde Martin Kastler – das Beten für Europa. Deshalb lud Kastler zur Europa-Wallfahrt Anfang Mai nach Mariazell ein und dankte Otte „für die vielen Jahre im Dienst der Ackermann-Gemeinde, besonders aber für das investierte Herzblut für Europa“.

Für die Stadt Neuburg an der Donau sprach der zweite Bürgermeister Rüdiger Vogt ein Grußwort. Die Stadt Neuburg unterhält freundschaftliche Beziehungen zum Heimatbund Weidenau-Großkrosse e.V. und zu den Gemeinden Vidnava (Weidenau) und Velka Kras (Großkrosse) sowie eine Städtepartnerschaft mit Jeseník (Freiwaldau). Von da rührt auch die Verbindung zu Anton Otte, der in Weidenau geboren wurde.

Als wichtigste Botschaft seines Buches sieht Otte die Tatsache, dass Europa immer wieder auf neue Herausforderungen reagieren müsse. „Europa steht immer als unsere Aufgabe vor uns“, schloss er seine Ausführungen und erinnerte an Politiker wie Konrad Adenauer oder Charles de Gaulle, für die besonders das Gebet wichtig war.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Themen & Autoren
Charles de Gaulle Martin Kastler

Weitere Artikel

Vor 50 Jahren starb der visionäre Vordenker des vereinten Europas, Richard Coudenhove-Kalergi. Sein philosophisches Werk ist vergessen, sein politisches Erbe brandaktuell.
27.07.2022, 14 Uhr
Stephan Baier
Der 99-jährige Nestor der internationalen Diplomatie hat ein Buch über „Staatskunst“ geschrieben. Vor allem Merz, Söder & Co sollten hineinschauen.
22.07.2022, 18 Uhr
Sebastian Sasse

Kirche

Nach dem Rom-Besuch spricht der Augsburger Bischof Bertram Meier über das eigentliche Ziel des Synodalen Weges und stellt die Gewissensfrage: Wollten die Bischöfe in Rom hören oder sich ...
30.11.2022, 18 Uhr
Dorothea Schmidt
Mit fremden Menschen auf der Straße über den Glauben sprechen ist das „Back to the roots“ der Evangelisierung.
30.11.2022, 11 Uhr
Franziska Harter
Der hohe Wert von Wahrheit und Freiheit – Nächste Folge der losen Serie über die „Köpfe des Konzils“: Bischof Karol Wojtylas Akzentsetzung beim Zweiten Vatikanum.
29.11.2022, 19 Uhr
Christoph Münch