Regensburg

Für die Musikgeschichte war sein Rauswurf aus der Armee eine gute Sache.

Jimi Hendrix. hatte nur vier Jahre seines Lebens, um zu zeigen, was klangtechnisch alles aus einer Gitarre herauszuholen ist. Am 18. September vor 50 Jahren verstarb der Ausnahmemusiker.
Jimi Hendrix
Foto: imago stock&people via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Ein Ausnahmetalent an der Gitarre, der wie kaum ein anderer das Potential seines Instruments auszuschöpfen verstand: Jimi Hendrix. er starb am 18. September 1970 in London an Drogen.

Es gibt unzählige Gitarrenlegenden – aber nur einen Jimi Hendrix. Denn ganz egal, wie sehr man die musikalische Genialität von Seitenvirtuosen wie Eric Clapton, Jimmy Page, Eddie Van Halen oder Steve Vai auch zu Recht bewundern darf: In nur vier Jahren und auf ebenso vielen Musikalben zeigte der am 18. September vor 50 Jahren verstorbene Ausnahmemusiker, was klangtechnisch alles aus einer Gitarre herauszuholen ist. Der „Rolling Stone“ krönte Jimi Hendrix noch Jahrzehnte nach seinem Tod im Jahr 2010 zum „besten Gitarristen aller Zeiten“ und die „Rock and Roll Hall of Fame“, deren Mitglied Hendrix seit 1992 ist, bezeichnet ihn gar als den „größten Instrumentalisten der Rockgeschichte“. Der Einfluss, den der amerikanische Musiker nachweislich auf nachfolgende Musikgenerationen ausgeübt hat, kann nur mit demjenigen von Elvis Presley, dem der Beatles oder im elektromusikalischen Bereich mit dem von Kraftwerk gleichgesetzt werden.

Disziplinlosigkeit beförderte seine Karriere

Hendrix kam am 27. November 1942 in Seattle zur Welt. Nach einer schwierigen Kindheit, in der der spätere Musikgigant sich zu einem schüchternen und introvertierten jungen Mann entwickelte, ging er 1961 zur US-Army – allerdings nicht ganz freiwillig. Denn aufgrund eines misslungenen Autodiebstahls wurde er vor die Wahl gestellt, eine Gefängnisstrafe abzusitzen oder sich stattdessen bei den Streitkräften zu melden. Sein dortiger Aufenthalt währte allerdings nur wenige Monate: Denn Disziplinlosigkeit und bezeichnenderweise exzessives Gitarrenspiel, das er sich als Jugendlicher nach Gehör selbst beibrachte, sorgten dafür, dass er und seine Vorgesetzten immer wieder aneinandergerieten. Sowohl für das US-Militär als auch für die Rockmusikgeschichte waren der Rauswurf aus der Armee letztendlich eine gute Sache:

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Die Armee wurde von einem unwilligen Soldaten befreit – und die Musikerkarriere von Hendrix konnte allmählich Fahrt aufnehmen. Zunächst über mehrere Jahre hinweg als Begleitmusiker großer Stars wie Little Richard, Ike & Tina Turner, den Supremes, den Isley Brothers, King Curtis und Jackie Wilson, wobei er sich bei diesen Engagements immer wieder schnell langweilte aufgrund des aus seiner Sicht anspruchslosen Songmaterials und der eingeschränkten Möglichkeiten, sich als Musiker und Instrumentalist weiterzuentwickeln. Dies änderte sich 1966 endgültig, als Chas Chandler, der ehemalige Bassist der „Animals“, ihn in einem Café im New Yorker Greenwich Village als Bandleader seiner ein Jahr zuvor gegründeten Formation „Jimmy James and the Blue Flames“ hörte und sofort unter Vertrag nahm.

Legendär sind seine spektakulären Liveauftritte

Bereits „Hey Joe“, die erste Single von ihm und seiner neuen Band, der in Großbritannien von Chandler mit dem Bassisten Noel Redding und Schlagzeuger Mitch Mitchell zusammengestellten „Jimi Hendrix Experience“, wurde ein großer internationaler Erfolg – ebenso wie die Nachfolgesingles „Purple Haze“ und „The Wind Cries Mary“, alles Klassikersongs der Rockgeschichte. Das Debütalbum von Hendrix, Redding und Mitchell hieß „Are You Experienced?“, erschien schließlich am 12. Mai 1967 – und zählt ebenso wie das noch im selben Jahr erschienene Nachfolgealbum „Axis: Bold As Love“ sowie das ein Jahr später veröffentlichte Doppelalbum „Electric Ladyland“ zu den bedeutendsten Alben der Musikgeschichte sowie beispielhaft in ihrer Innovations- und Spielfreude, musikalischer Abenteuerlust und Klangvielfalt. Doch nicht nur die Musik selbst, sondern vor allem die für die damalige Zeit spektakulären Liveauftritte von Hendrix sowohl mit der Experience als auch mit der kurzlebigen Band Of Gipsys haben sich tief in das popmusikalische Gedächtnis eingebrannt: Unvergessen wurden vor allem seine Auftritte beim Monterey Pop Festival 1967, bei dem er während des Finalsongs „Wild Thing“ seine Gitarre in Brand steckte oder 1969 der Schlussauftritt in Woodstock, bei dem er eine unsterbliche Version der US-Nationalhymne „The Star-Sprangled Banner“ aufführte und diese regelrecht musikalisch zerlegte.

Aber auch Auftritte wie seine Konzerte zum Jahreswechsel 1969/1970 im New Yorker Fillmore East, 1970 im Berkley Community Theatre, beim Atlanta International Pop Festival beim Isle Of Wight-Festival sowie 1968 in San Franciscos Winterland Ballroom gehören laut Expertenmeinung zu den stärksten Konzerten der Rockgeschichte.

„Als ich meine Gitarre verbrannte, war das wie ein Opfer. “

An den Auftritt beim Monterey Pop Festival – und hierbei vor allem an dessen spektakuläres Ende – erinnerte er sich Jahre später folgendermaßen: „Als ich meine Gitarre verbrannte, war das wie ein Opfer. Man opfert die Dinge, die man liebt. Ich liebe meine Gitarre.“ Überhaupt erwies sich Hendrix, der in einer agnostischen Familie aufwuchs, gerade im Umgang mit seiner Musik als äußerst spirituelle Persönlichkeit. Weit davon entfernt, sich einer einzigen Religion oder Gemeinschaft verschreiben zu wollen – was nicht untypisch für den damaligen Zeitgeist gewesen ist – empfand er Musikmachen als religiösen Akt: „Ich glaube an mich selbst mehr als an alles andere. Und ich denke, dass dies auf eine gewisse Art und Weise auch eine Art Glaube an Gott ist. Denn wenn es einen Gott gibt und dieser dich tatsächlich erschaffen hat, dann glaubst du, wenn du an dich selbst glaubst, auch automatisch an ihn.“ Und er ergänzt: „Das muss nicht bedeuten, dass man deshalb an Himmel, Hölle und all das andere Zeug glauben muss. Aber es bedeutet, dass du das, was du bist und tust, als deine Religion betrachten kannst.“

Das Erschaffen von Musik als kunstreligiösen Akt zu betrachten, traf für Hendrix noch stärker für die eigenen Live-Auftritte als für seine bereits hoch experimentelle Arbeit im Studio zu: „Wenn ich auf die Bühne gehe – nun, das ist mein ganzer Lebensinhalt. Meine Musik ist elektrische Kirchenmusik („electric church music“) – und wenn mit ,Kirche‘ tatsächlich ,Religion‘ gemeint ist, nun, dann bin ich Vertreter einer ,elektrischen Religion‘.“ Für seine Anhänger und auch den Großteil der Rockkritik avancierte Jimi Hendrix – um im Bild zu bleiben – bereits zu Lebzeiten zum einzig wahren Gitarrengott. Selbst Eric Clapton, dem Fans in den 1960er Jahren immerhin den Graffiti „Clapton ist Gott“ an Londoner Hauswänden widmeten, gab unumwunden zu, dass der afroamerikanische Musiker aus Seattle im imaginären Pantheon der Gitarrenlegenden eindeutig der erste Platz gebühre. Doch „göttlich“ endete das Leben von Jimi Hendrix vor 50 Jahren bedauerlicherweise nicht: Vielmehr starb er, der exzessivem Drogenkonsum nicht abgeneigt war, an einer Überdosis Schlaftabletten und Alkohol. Doch wie das bei Rockgöttern nun einmal so ist: Der Musiker ist zwar tot, aber seine Musik bleibt unsterblich.

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