Friedensstifter und Kirchenreformer

Vor tausend Jahren wurde Kaiser Heinrich III. geboren – Seine Regierungszeit stellte einen Höhepunkt kaiserlicher Machtenfaltung dar. Von Hans Ammerich
Salier Ausstellung in Historischen Museum der Pfalz in Speyer
Foto: dpa | Der Reichsapfel von Heinrich III. aus dem Jahr 1056, aufgenommen während einer Ausstellung Im Historischen Museum der Pfalz in Speyer.
Salier Ausstellung in Historischen Museum der Pfalz in Speyer
Foto: dpa | Der Reichsapfel von Heinrich III. aus dem Jahr 1056, aufgenommen während einer Ausstellung Im Historischen Museum der Pfalz in Speyer.

Kaiser, Friedensstifter, Kirchenreformer: Heute vor 1000 Jahren wurde Heinrich III. geboren, einer der großen Herrscher aus dem Geschlecht der Salier. Schon als zehnjähriges Kind wurde er 1028 zum Mitkönig gesalbt. Als Achtzehnjähriger heiratete er, nachdem byzantinische Vermählungspläne gescheitert waren, die dänische Königstochter Gunhild, wurde aber schon im Alter von zwanzig Jahren Witwer. In den Quellen wird Heinrich als gut aussehend beschrieben, schwarzhaarig und hochgewachsen, den Bart geschoren und kostbar gekleidet. Noch vor seinem eigentlichen Herrschaftsantritt war er von seinem Vater mit mehreren Herzogtümern belehnt worden. Gut vorbereitet auf seine Aufgabe, übernahm Heinrich mit 22 Jahren 1039 die Nachfolge seines verstorbenen Vaters Konrad.

Fünf Jahre nach Gunhilds Tod, am 30. November 1043, heiratete er in Ingelheim Agnes von Poitou, die Tochter des Herzogs von Aquitanien. Ein Heiratsangebot aus Kiew mit einer Tochter König Jaroslaws des Weisen hatte er ausgeschlagen. Die junge Königin Agnes war vom Reformgeist des Klosters Cluny geprägt und machte den König mit dieser Reform vertraut. 1046 begleitete sie Heinrich III. nach Rom. Am Weihnachtstag wurden beide von Papst Clemens II. (zuvor Bischof Suidger von Bamberg) zur Kaiserin und zum Kaiser gekrönt.

In seinem Herrschafts- und Selbstverständnis und in seiner Kirchenpolitik hatte Heinrich III. eine klarere Linie als sein Vater Konrad II. Er war von Bischof Bruno von Augsburg, dem Bruder Heinrichs II., und von Bischof Egilbert von Freising erzogen worden. Sicher haben auch seine Mutter Gisela und der Hofkaplan Wipo Einfluss auf ihn ausgeübt. Die Verpflichtung zur Friedensstiftung in seinem fehdegeplagten Reich nahm Heinrich sehr ernst. Für sein Herrschaftsverständnis kennzeichnend war, dass er sich nicht an der in Frankreich und Burgund vertretenen Idee des Gottesfriedens orientierte, sondern 1043 auf der Synode von Konstanz einen auf seiner Person beruhenden Königsfrieden im Reich ausrief.

Die Politik seines Vaters zur Stärkung der Zentralgewalt gegenüber der Partikulargewalt der Herzöge setzte er fort. Die süddeutschen Herzogtümer besetzte Heinrich längere Zeit nicht, was seinen Machtanspruch gegenüber den Fürsten dokumentierte. Bayern vergab er an Heinrich VII. aus dem Hause Luxemburg, nach dessen Tod an Konrad aus der Familie der Ezzonen, Schwaben an Otto II. und danach an den Schweinfurter Otto III. im Tausch gegen Kaiserswerth und Duisburg; Kärnten erhielt Welf III. Da die neuen Landesherren nicht aus ihren Herzogtümern stammten, waren sie umso mehr vom König abhängig. Doch bis er den Widerstand des Herzogtums Lothringen gegen seine Ansprüche gebrochen hatte, bedurfte es jahrelanger Kämpfe.

Außenpolitisch erwuchs Heinrich zunächst im Osten des Reiches die Aufgabe, die Lehenshoheit über Böhmen und Polen zu verteidigen, was erst 1041 nach schweren Kämpfen und einer zwischenzeitlichen Niederlage gelang. Im gleichen Jahr fielen die Ungarn, mit denen Heinrich noch als Mitkönig 1031 den Frieden geschlossen hatte, in Böhmen, Bayern und Kärnten ein. Heinrich besiegte sie in der Schlacht von Menfö an der Raab 1044. Die Konflikte mit den Ungarn waren hierdurch jedoch nicht gelöst. Dass sich Heinrich an den Slawenkämpfen nicht beteiligte, nahmen ihm die Sachsen sehr übel. Noch vor Heinrichs Tod 1056 kam es zu einer Niederlage eines sächsischen Heeres an der Havelmündung, weil es auf sich allein gestellt war. Neben der Dynamik der Kirchenreform war dies ein weiterer Teil des schweren Erbes, das Heinrich III. seinem Sohn hinterlassen sollte.

Zu den vornehmsten Aufgaben des Herrschers gehörte auch der Schutz der Kirche. Sie musste im Gegenzug auch die Rechte des Königs anerkennen. So machte Heinrich eine Abtswahl rückgängig, in die er nicht ordnungsgemäß einbezogen worden war. Heinrich III. wollte Herr des Reiches und der Kirche sein und Kirche und Staat zusammen regieren. Dabei unterschätzte er die Kraft der Ideen von der Freiheit der Kirche. Und so traten schon unter ihm die Kräfte auf den Plan, die Anstoß daran nahmen, dass Bischöfe gleichzeitig mit Reichsgut ausgestattet waren. Dies war bislang üblich gewesen und wurde von der Kirche praktisch geduldet. Heinrich III. konnte freilich nicht erahnen, dass in seinen Reformbemühungen und im Fortschreiten der Reform bereits die Auflösung der Einheit von weltlicher und geistlicher Macht notwendigerweise vorgezeichnet war. Und gerade darin liegt die Tragik dieses Herrschers! Das zu neuer Autorität gelangte Papsttum erlebte durch die Unterstützung des Kaisers einen ungeahnten, gewaltigen Aufschwung. Schon in der nächsten Generation fand im Rahmen des Investiturstreits die große Auseinandersetzung mit dem Kaisertum statt.

Heinrich III. förderte die Reichskirche auf vielfältige Weise, am meisten die Bistümer Halberstadt, Hildesheim und Speyer. Mit den vielen Konfiszierungen von Adelsbesitz und den Schenkungen an die Kirche folgte er der Reichskirchenpolitik seines Vaters und den sächsischen Vorgängern. Er schuf sich damit Feinde im Adel, aber verlässliche Freunde unter den Bischöfen. So gewann die Rolle der Bischöfe in Reichsangelegenheiten an Bedeutung, woraus sich ein erhebliches Spannungspotenzial entwickelte: Einerseits besaß Heinrich III. ein sensibles Rechtsbewusstsein und Respekt vor dem priesterlichen Amt, andererseits leitete er aus seinem theokratischen Herrschaftsverständnis das Recht ab, Bischöfe durch die Verleihung von Stab und Ring einzusetzen, was einer Weihe nahekam.

Heinrich war ein entschlossener Befürworter der Kirchenreform des 11. Jahrhunderts, der sein Vater Konrad noch relativ gleichgültig gegenübergestanden hatte. Die vom Mönchtum ausgehende Erneuerung der Kirche dehnte Heinrich auf die Bischöfe aus, indem er sich vor allem gegen die Simonie, also den Kauf oder Verkauf von kirchlichen Ämtern und sakramentalen Handlungen, wandte. In diesem Missstand sah Heinrich, wie die führenden Theologen seiner Zeit, nicht nur ein Laster, sondern eine Glaubensverletzung, die das allgemeine Heil ernsthaft bedrohte. Heinrich nahm auch selbst für die Einsetzung von Bischöfen keine Gegenleistung an.

Seinem Herrschaftsverständnis entsprechend, förderte Heinrich die Mutterkirche seines Heimatbistums, den Speyerer Dom, nach Kräften. Nach dem Tod seines Vaters Konrad war der Ostteil des salischen Doms noch unvollendet. Unter Heinrich wurden nun die Osttürme und die Vierungskuppel errichtet, sowie Mittelschiff und Seitenschiffe eingewölbt. Damit wurde eine in der europäischen Baugeschichte außergewöhnliche Leistung erbracht. Allerdings konnte Heinrich die Vollendung des Doms (1061) nicht mehr erleben. Unter ihm war jedoch ein maßgeblicher Bauabschnitt erreicht, was die Weihe des Hochaltars im Juni 1046 zeigt. Aus diesem Anlass machte das Kaiserpaar dem Dom ein kostbares Geschenk: Es legte ein prachtvolles Evangelienbuch auf den konsekrierten Altar. Dieses ganz in Purpur und Gold geschriebene, mit Miniaturen versehene liturgische Buch, der berühmte Codex aureus Spirensis, befindet sich heute im Escorial in Madrid.

Am 8. September 1046 brach Heinrich III. nach Italien auf, um sich in Rom zum Kaiser krönen zu lassen. In dieser Zeit stritten sich drei Päpste mit je eigener Anhängerschaft um das Amt des Bischofs von Rom: Theophylactus von Tusculum (Benedikt IX.), der inzwischen das Interesse am Amt verloren hatte, Johannes von Sabina (Silvester III.) und Benedikts Neffe Johannes Gratianus von Pierleone (Gregor VI.), der das Amt durch einen mit seinem Onkel geschlossenen Vertrag erhalten hatte. Mit Gregor traf Heinrich zunächst in Piacenza zusammen und schien mit den Verhandlungen über die bevorstehende Krönung zufrieden zu sein. Nachdem er jedoch erfahren hatte, dass auch Gregors Weg ins Papstamt nicht mit den strengen Prinzipien der Kirchenreform übereinstimmte und damit die Krönung antastbar gemacht hätte, berief Heinrich eine Synode nach Sutri in der Region Latium ein. Bei dieser Synode erklärte er alle drei Päpste für abgesetzt und erhob schließlich in Rom Bischof Suidger von Bamberg zum Papst. Suidger nahm den Namen Clemens II. an und krönte Heinrich sowie dessen Gemahlin Agnes. Heinrich III. ließ sich auch zum römischen patricius ernennen, da er damit auch das Recht erwarb, bei der Papsternennung mitzuwirken. Auf einer nach Rom einberufenen Synode im Januar 1047 wurde der Ämterkauf erneut scharf verurteilt.

Die damit eingeleitete Kirchenreform sollte das Abendland verändern. Auf Suidger folgten weitere Bischöfe aus dem deutschen Reichsepiskopat, so 1048 Damasus II. (Bf. Poppo von Brixen), 1049 Leo IX. (Bruno Graf von Egisheim-Dagsburg), 1055 Viktor II. (Gerhard von Dollnstein und Hirschberg) und 1057 Stephan IX. (Herzog Friedrich von Lothringen). Sie behielten ihr deutsches Bistum bei und stellten so eine enge Verklammerung zwischen dem Reich und der Kirche dar. Für eine Weile schien die Einheit von regnum und sacerdotium, die Einheit von Erdenstaat und Gottesstaat, erreicht. Nach Rom kamen nun Männer, die in Verbindung mit der Reformbewegung von Cluny standen.

Papst Leo IX. reiste, in seinen Bemühungen um die Kirchenreform von Kaiser Heinrich unterstützt, durch Westeuropa und hielt Synoden zur Klerusreform ab. Dass die Stärkung der Kirche durch die Kirchenreform jedoch bald auch zu Angriffen auf die kaiserliche Beteiligung bei der Bischofseinsetzung sowie auf das Eigenkirchenwesen führte, sah Heinrich nicht voraus. Heinrich ließ seinen gleichnamigen Sohn 1053 in Trebur zum Mitkönig wählen und verlobte ihn zwei Jahre später mit Bertha von Turin/Savoyen. Unerwartet starb Kaiser Heinrich III. am 5. Oktober 1056 in der Königspfalz Bodfeld im Harz im Alter von nur 38 Jahren. Am 28. Oktober wurde er im Königschor des Speyerer Doms durch Papst Viktor II. bestattet. Sein Herz und seine Eingeweide wurden in Goslar beigesetzt.

Der Tod des Kaisers, der sein großes wie gleichermaßen schweres Erbe seinem sechsjährigen Knaben hinterließ, stellt in der Geschichte des deutschen Kaisertums einen tiefen Einschnitt dar. Die Regierung für den unmündigen Heinrich IV. übte zunächst dessen Mutter Agnes aus, unterstützt von Papst Viktor II. Die Regierungszeit Heinrichs III. stellte einen Höhepunkt kaiserlicher Machtentfaltung dar. Doch wurden in diesen Jahren auch Voraussetzungen für die spätere Schwächung dieser Macht geschaffen.

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