Berlin

Westernheld, König, Pharao

Zum 100. Geburtstag des russisch-amerikanischen Schauspielers Yul Brynner (1920-1985).
Yul Brynner
Foto: Fine Art America | Yul Brynner in dem Film, der ihn weltberühmt machte: Als Chris in John Sturges' Western "Die glorreichen Sieben" (1960).

Vielen ist er insbesondere für seine Rollen als Westernheld in Erinnerung geblieben. Darunter ragt besonders sein Chris in „Die glorreichen Sieben“ (John Sturges, 1960) heraus, dem auf Akira Kurosawas „Die sieben Samurais“ (1954) basierenden Western mit seiner eingängigen Filmmusik von Elmar Bernstein – die dann Henry Mancini für die Werbung „The Marlboro County“ adaptierte.

Der Revolverheld, der mit einer zusammengewürfelten Truppe die Verteidigung von wehrlosen Farmern gegen die sie regelmäßig schikanierenden Banditen übernimmt, erwies sich als Paraderolle für den am 11. Juli 1920 in Wladiwostok geborenen Juli Borissowitsch Briner, besser bekannt unter seinem Schauspielernamen Yul Brynner.

Mehrere Hauptrollen machten ihn berühmt

Bereits seine erste Hauptrolle als König von Siam in „Der König und ich“ (Walter Lang, 1956) machte ihn bekannt. Im selben Jahr verkörperte er Prinz Ramses in einem der größten Monumentalfilme aller Zeiten, „Die zehn Gebote“ von Cecil B. DeMille, womit er den Gegenpart zu Moses-Darsteller Charlton Heston übernahm.

Als Sohn eines Schweizer-Burjat-Mongolen und einer Russin war Yul Brynner sozusagen prädestiniert, etwa General Bounine in „Anastasia“ (Anatole Litvak, 1956) zu verkörpern, wobei die Rolle der Anna Anderson, die 1920 behauptete, die Zarentochter Anastasia zu sein, von Ingrid Bergman gespielt wurde. Einen großen Erfolg feierte Brynner in Richard Brooks' „Die Brüder Karamasow“ (1958) als Dimitri Karamasow. Als Kosake wurde er zwei Jahre später in J. Lee Thomsons „Taras Buba“ besetzt, der Filmadaption des gleichnamigen Romans von Nikolai Gogol. Yul Brynner übernahm die Hauptrolle.

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Ab Mitte der 1960er Jahre begann die Spätphase des russisch-amerikanischen Schauspielers. Zwar spielte er noch bis 1976 etwa im Agentenfilm „Mohn ist auch eine Blume“ (Terence Young, 1966) mit, aber eben nicht mehr die Hauptrolle. Eine solche übernahm er zwar in „Adios, Sabata“ (1970). Die Western-Parodie von Gianfranco Parolini war jedoch alles andere als ein Erfolg, eher ein „B-Movie“.

Ein ungebrochener Bekanntheitsgrad

Dass Yul Brynner dennoch lange in Erinnerung blieb, beweist etwa eine Stelle in Kazuo Ishiguros „Die Ungetrösteten“ („The Unconsoled“, 1995), in der die Hauptfigur Mr. Ryder einmal ein Kino besucht, in dem Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“ gezeigt wird. Ishiguro schreibt: „Wir befanden uns gerade in dem Mittelteil der Geschichte – Clint Eastwood und Yul Brynner flogen an Bord des Raumschiffes in Richtung Jupiter ...“ Es ist kaum davon auszugehen, dass der Literatur-Nobelpreisträger von 2017 die weniger bekannten Schauspieler Keir Dullea und William Sylvester mit Yul Brynner und Clint Eastwood verwechselte. Vielmehr handelt sich laut dem Schriftsteller Alban Nikolai Herbst (eigentlich: Alexander Michael von Ribbentrop) um „eine Mischung aus Kubriks ,2001' und Hoffrings ,Futureworld', einer berühmten low-budget-Produktion“ – in der Yul Brynner 1976 einen Revolverheld spielte –, „in die Ishiguro zu allem noch einen Clint-Eastwood-Streifen montiert“. Das postmoderne Pasticcio sei laut Herbst/von Ribbentrop „nicht nur ein locker eingestreuter Scherz für Cineasten, sondern ironische Anspielung auf die den ganzen Roman strukturierende Poetik“.

Dennoch: Dass der Literaturnobelpreisträger für seine literarische Spielerei Yul Brynner an die Seite von Clint Eastwood setzt, spricht für einen ungebrochenen Bekanntheitsgrad des russisch-amerikanischen Schauspielers noch zehn Jahre nach seinem Tod.

Yul Brynner starb am 10. Oktober 1985 in New York. Am 11. Juli wäre er 100 Jahre alt geworden.

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