Obwohl Dinosaurier schon vor Millionen von Jahren ausgestorben sind, sind sie auf der großen Kinoleinwand noch äußerst lebendig. Neben den drei „Jurassic Park"-Filmen (1993–2001) und den vier „Jurassic World"-Ablegern (2015–2025) stampfen die Dinos aktuell auch im neuen Animationsfilm „PAW Patrol: Der Dino Film" und im Science-Fiction-Film „The End of Oak Street" über die Leinwand – zwei Familienunterhaltungsfilme, die um die Vorherrschaft an den Kinokassen kämpfen. Die Faszination für die urzeitlichen Kreaturen scheint einfach nicht abzureißen.
Mit „The End of Oak Street", bei dem David Robert Mitchell das Drehbuch geschrieben, Regie geführt und koproduziert hat, wagt sich der US-Amerikaner nach acht Jahren Kino-Abstinenz in für ihn ganz neue Blockbuster-Gefilde vor. Denn bisher war jedes seiner Projekte ganz anders als das vorangegangene. Sein erster Spielfilm „The Myth of the American Sleepover" (2010) war eine kleine Coming-of-Age-Komödie, sein zweiter der Überraschungshit „It Follows" – einer jener Filme, die 2014 die bis heute andauernde Welle des sogenannten „Elevated Horror" mitbegründet haben. Nach diesem Regie-Durchbruch kam mit „Under the Silver Lake" (2018) eine surreale, versponnene Neo-Noir-Satire über Verschwörungen in Hollywood. Nun ist er mit dem bereits 2024 abgedrehten Science-Fiction-Film am Start. Die von ihm geschriebene Geschichte könnte durchaus einem typischen Familien-Blockbuster der 80er-Jahre entsprungen sein oder auch einer Episode der beliebten „Twilight Zone".
Plötzlich um Jahrmillionen zurückgeworfen
Sein Film spielt im Jahr 1982: Eigentlich führen Denise Platt (Anne Hathaway), ihr Mann Greg (Ewan McGregor) sowie ihre beiden Kinder Audrey (Maisy Stella) und Brian (Christian Convery) nach außen hin ein perfektes US-Vorstadtleben. Greg arbeitet als Pizza-Lieferant, Denise hat gerade einen Roman geschrieben, träumt aber von einem anderen Leben. Unter der Oberfläche kriselt es beim Ehepaar.
Doch plötzlich bekommen Familie Platt und ihre Umgebung noch ganz andere Probleme. Nachdem ein merkwürdiges Licht am Nachthimmel aufgetaucht ist, gefolgt von seltsamen Geräuschen und kosmischen Ereignissen, stellen sie morgens nach dem Aufwachen fest, dass sie und ihre gesamte Nachbarschaft von der Oak Street auf unerklärliche Weise, wie ein Torfstück ausgestochen, aus der Vorstadtidylle in eine prähistorische Wildnis transportiert wurden. Darin herrschen hungrige Saurier, die schnell deutlich machen, wer in ihrer Welt an der Spitze der Nahrungskette steht. Mit wenig mehr als einer Schrotflinte, Pfeil und Bogen, einem Hammer und einem Baseballschläger bewaffnet, stellen sich die Nachbarn den gefräßigen Tieren tapfer entgegen. Es beginnt ein Kampf ums nackte Überleben, für den erst manche Familienkonflikte beigelegt werden müssen.
Nicht nur die Dinosaurier erinnern in diesem Film an Steven Spielberg und seine Amblin-Filme aus den 80ern: Auch die Mischung aus effektintensiver Action, rasantem Tempo, dichter Atmosphäre, herzerwärmenden Momenten, spannendem Abenteuer, einer Prise Humor, dem plötzlichen Einbruch des Übersinnlichen in die Welt und dem Erzählen einer emotionalen, melancholischen Familiengeschichte versprüht Spielberg-Feeling. Selbst die Filmmusik von Michael Giacchino versucht deutlich hörbar, Erinnerungen an Spielbergs Stammkomponisten John Williams zu wecken. Zudem passt der Film mit seiner 80er-Jahre-Nostalgie perfekt in unsere Zeit, die von zahlreichen Remakes, Sequels und Serien wie „Stranger Things" geprägt ist. Dazu hat sicherlich auch Spielberg-Fan J. J. Abrams als einer der Produzenten beigetragen. Er hat einst mit seiner Spielberg-Hommage „Super 8" (2011) auf sich aufmerksam gemacht und Franchises wie „Mission: Impossible", „Star Trek" oder auch „Star Wars" wiederbelebt.
Star-Kino und perfekte Saurier
Und was wäre ein Hollywood-Blockbuster ohne große Stars? Mit Anne Hathaway („The Odyssey") und Ewan McGregor („Star Wars") hat Mitchell sich gleich zwei davon an Bord geholt. Beide gehören zu jenen Schauspielern, die sowohl in Blockbustern als auch in kleinen Indie-Produktionen und in unterschiedlichen Genres überzeugen. Und beide liefern auch hier eine mitreißende Performance ab.
Man darf „The End of Oak Street" getrost mit „Jurassic Park in einer Vorstadtidylle" umschreiben und Mitchells Film dennoch als eigenständiges, kreatives Werk begrüßen. Wer allerdings eine plausible Erklärung für die mysteriöse Zeitreise erwartet, wird vielleicht enttäuscht. Denn Mitchell interessiert sich nicht für Logik und nicht dafür, warum ein Stück amerikanischer Vorstadt plötzlich Millionen Jahre in der Vergangenheit landet. Es passiert einfach, und damit müssen Figuren wie Zuschauer klarkommen. Dafür sehen die animierten Dinosaurier allesamt fantastisch aus, sodass Jurassic-Fans voll auf ihre Kosten kommen. Die Altersfreigabe ab zwölf Jahren fällt angesichts der vielen Schock-Elemente und verstörenden Grusel-Szenen allerdings zu großzügig aus; für Kinder unter 14 Jahren ist der Film definitiv nicht geeignet. Alle anderen dürfen ihn als wahrscheinlich besten Dinosaurier-Film der vergangenen zwanzig Jahre feiern.
„The End of Oak Street", USA 2026, 100 Min., Regie: David Robert Mitchell, seit dem 13. August im Kino.
Der Autor ist Priester im Erzbistum Köln.
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