Katholische Hollywoodgröße

Vierzig Jahre ohne Grace Kelly

Sie wirkte zwar in nur elf Filmen mit, aber Grace Kelly arbeitete mit den wichtigsten Regisseuren der 1950er Jahre, insbesondere mit dem Meister des „Suspense“ Alfred Hitchcock
Grace Kelly, Garry Cooper
Foto: United Archives / kpa Publicity | Grace Kelly in „Zwölf Uhr mittags“ (High Noon) gemeinsam mit ihrem „Mann“ Garry Cooper – ein Film, der zu Beginn ihrer Karriere stand und durch sein dramatisches, zeitloses Thema und die exzellente Vertonung ...

Im Jahre 1952 kam in die Kinos ein Film, der zu den Klassikern des Western-Genres gehören sollte: „Zwölf Uhr Mittags“ („High Noon“), der insbesondere sowohl durch die Inszenierung in Echtzeit als auch durch die Filmmusik formal besticht. Den mit vier Oscars ausgezeichneten Film verstand Regisseur Fred Zinnemann selbst als eine Studie über das Gewissen, weil sich der Sheriff allen Vernunftgründen zum Trotz aus Pflichtgefühl den Gesetzlosen allein stellt. Interessant am Film ist aber auch, dass sich der Protagonist zwischen zwei völlig unterschiedlichen Frauentypen entscheiden muss: Auf der einen Seite die von der damals bereits bekannten Katy Jurado dargestellte, heißblütige Mexikanerin, auf der anderen Seite die naive, unterkühlte Gewalt verabscheuende Quäkerin Amy aus der Ostküste.

„Meine Arbeit mit Grace Kelly bestand darin,
ihr von ,Bei Anruf Mord‘ bis ,Über den Dächern von Nizza‘
von Film zu Film immer interessantere Rollen zu geben.“

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Da für die Rolle der Frau, für die sich Marshall Will Kane letztlich entscheidet, im nicht gerade üppigen Budget nicht allzu viel Geld zur Verfügung stand, sollte sie mit einer kaum bekannten Schauspielerin besetzt werden. Die Wahl fiel auf Grace Kelly, die zwar seit Ende der vierziger Jahre erfolgreich als Broadway- und Fernseh-Schauspielerin aufgetreten war – zwischen 1948 und 1954 wirkte sie in mehr als 40 Fernsehproduktionen mit –, aber noch nie für eine Hollywood-Produktion gearbeitet hatte. Zu ihr sagte Regisseur Fred Zinnemann: „Sie sah sehr schön aus, als sie ankam, war aber auch sehr zurückhaltend. Eigentlich war sie noch nicht reif für die Rolle, aber glücklicherweise entsprach ihr der Charakter von Amy.“

An der Seite des auf dem Höhepunkt seiner Karriere stehenden Gary Cooper wurde die 23-jährige Grace Kelly zur Entdeckung des Kinojahres. Die Schauspielerin stammte tatsächlich aus der Ostküste der Vereinigten Staaten; sie wurde am 12. November 1929 in Philadelphia, Pennsylvania geboren. Mit „Zwölf Uhr mittags“ und erst recht, nachdem Grace Kelly für John Fords „Mogambo“ (1953) – in dem sie neben den beliebten Darstellern Clark Gable und Ava Gardner spielte – mit dem Golden Globe ausgezeichnet und für einen Oscar als Beste Nebendarstellerin nominiert worden war, wurde sie das, was man in Hollywood „Star“ nennt.

Ihre katholische Erziehung prägte offenbar auch ihre Rollen

 

 

Ihren einzigen Oscar gewann sie ein Jahr später für ihre Hauptrolle in „Ein Mädchen vom Lande“ (George Seaton, 1954), einem nach dem gleichnamigen Theaterstück von Clifford Odets entstandenen Ehe- und Theaterdrama, in dem Kelly neben Bing Crosby und William Holden spielte. So unterschiedlich Fords „Mogambo“ und Seatons „Ein Mädchen vom Lande“ sein mögen, eins haben sie gemeinsam: In den zwei Filmen spielt eine Dreiecksbeziehung eine zentrale Rolle. Und in den beiden Filmen entscheidet sich die jeweils von Grace Kelly dargestellte Frau letztlich für die Treue zu ihrem Ehemann. Dies hat zweifelsohne mit den Werten, die in den 1950er Jahren in Hollywood herrschten, aber wohl auch damit zu tun, dass die Tochter eines amerikanisch-irischen Unternehmers und der aus Deutschland stammenden Margaret Katherine Majer katholisch getauft und erzogen wurde.

Bereits vor dem Film „Ein Mädchen vom Lande“ hatte Grace Kelly ihre Zusammenarbeit mit einem der bedeutendsten Regisseure der Filmgeschichte begonnen, dem ebenfalls Katholiken Alfred Hitchcock. Von den elf Spielfilmen, in denen sie von 1950 bis 1956 mitwirkte, entstanden drei unter der Regie des Meisters des „Suspense“: „Bei Anruf Mord“ („Dial M for Murder“, 1954), „Das Fenster zum Hof“ („Rear Window“, 1954) sowie „Über den Dächern von Nizza“ („To Catch a Thief“, 1956), wobei „Das Fenster zum Hof“ zu den bedeutendsten Werken der Filmgeschichte zählt. Dadurch, dass die von James Stewart verkörperte Hauptfigur die ganze Filmzeit im Rollstuhl sitzt und durch ein Teleobjektiv das Geschehen in den gegenüberliegenden Wohnungen beobachtet, steht er stellvertretend für den Regisseur, aber auch für den Zuschauer – eine meisterhafte Art und Weise, den voyeuristischen Aspekt des Filmemachens darzustellen.

Immer interessantere Rollen?

Zu der Arbeit mit Grace Kelly erörterte Hitchcock in seinen Gesprächen mit dem französischen Filmkritiker und -regisseur François Truffaut: „Meine Arbeit mit Grace Kelly bestand darin, ihr von ,Bei Anruf Mord‘ bis ,Über den Dächern von Nizza‘ von Film zu Film immer interessantere Rollen zu geben.“
Ob die Rolle der reichen Erbin Frances Stevens in „Über den Dächern von Nizza“ interessanter als etwa Grace Kellys Rollen in „Bei Anruf Mord“ oder „Das Fenster zum Hof“ ist, sei dahin gestellt. Neben den herrlichen Dialogen mit Cary Grant sticht in dem Film insbesondere die Kameraarbeit von Robert Burks im sogenannten VistaVision-Format heraus, die nicht nur die betörende Landschaft der Côte d'Azur einfängt, sondern auch das Gesicht von Grace Kelly in Nahaufnahmen betont.

Bereits im Mai 1955 hatte die amerikanisch-irische Schauspielerin bei den Filmfestspielen von Cannes Fürst Rainier von Monaco kennengelernt. Am 5. Januar 1956 wurde die Verlobung offiziell bekannt gegeben. Die Hochzeit fand am 19. April 1956 statt. Aus Grace Kelly wurde Fürstin Gracia Patricia von Monaco.
Nach einem Verkehrsunfall, dessen Umstände nie ganz geklärt wurden, starb Grace Kelly am 14. September 1982. Sie wurde 52 Jahre alt.

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