Vor über 30 Jahren machte „Akte X“-Agent Fox Mulder den Slogan „Die Wahrheit ist da draußen!“ zu einem beliebten Credo für alle UFO-Gläubigen. Nun hat sich auch Meisterregisseur Steven Spielberg dieses Credos angenommen und macht mit seinem neuesten Science-Fiction-Film „Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit“ deutlich, dass die Wahrheit nicht nur irgendwo da draußen ist, sondern bereits seit Jahrzehnten mitten unter uns – die Wahrheit darüber, dass wir nicht allein im Universum sind.
Spielberg löste 1977 mit seinem Sci-Fi-Blockbuster „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ und danach mit „E.T. – Der Außerirdische“ 1982 einen wahren Ufo- und Alien-Hype aus. Dabei stellte er Außerirdische nicht als Bedrohung, sondern als Freunde der Menschheit dar. Keine brutalen Waffen, keine globale Zerstörung, keine dystopischen Endzeit-Katastrophen; Spielbergs Sci-Fi-Filme hatten vielmehr meistens etwas Friedliches, Versöhnliches und Empathisches an sich. Nun widmet sich der 79-jährige Regie-Gigant mit „Disclosure Day“ nach vielen Jahren erneut einem seiner Lieblingsthemen: Es geht wieder um Außerirdische, um das Staunen über unser Universum, um die Angst vor dem Unbekannten, um die menschliche Fähigkeit zur Empathie und die Frage, was wäre, wenn es wirklich Beweise dafür gäbe, dass wir nicht allein sind?
Ein Leben außerhalb
Was würde passieren, wenn die gesamte Menschheit plötzlich erfahren würde, dass es auch außerhalb unserer Erde intelligentes Leben gibt? Müsste sich dann die Frage nach unserem Platz im Universum verändern? Wie würden sich unsere Konzepte von Gott in dieses Szenario einordnen? Religionen, Machtverhältnisse, unser Selbstverständnis als Krönung der Schöpfung, alles könnte auf den Prüfstand kommen! Damit tut der Film interessante Fragen auf, die in großen Hollywoodfilmen viel zu selten behandelt werden. Im Vorfeld wurde bereits viel spekuliert, ob der Film als späte Fortsetzung zu Spielbergs Klassiker „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ verstanden werden könnte. Ob sich diese Vermutungen bewahrheiten, können die Zuschauer nun selbst sehen, denn die Geheimhaltung um den Film ist vorbei und der Tag der Wahrheit ist da! Die Welt in „Disclosure Day“ befindet sich am Rand eines Dritten Weltkriegs und gleichzeitig am Beginn einer neuen Offenbarung, die den Verlauf der Weltgeschichte für immer verändern könnte.
Im Mittelpunkt der Handlung stehen der von Josh O’Connor („Wake Up Dead Man“) gespielte IT-Sicherheitsexperte und Whistleblower Daniel Kellner und die Wettermoderatorin Margaret Fairchild, dargestellt von Emily Blunt („Der Teufel trägt Prada 1 & 2“). Während Daniel ein außerirdisches Artefakt sowie jede Menge digitale Beweisdokumente von Wardex, einer geheimen UFO-Behörde der US-Regierung, gestohlen hat und sich nun auf der Flucht vor den Wardex-Agenten in einem abgelegenen katholischen Kloster wiederfindet, bereitet sich die TV-Meteorologin Margaret in ihrem Haus auf ihren Arbeitstag vor. Plötzlich fliegt ein kleiner Vogel in ihre Wohnung, beobachtet sie und verschwindet dann wieder. Fortan kann sie intuitiv die Gedanken und Gefühle anderer Menschen lesen. Zu den telepathischen Fähigkeiten kommt noch die Gabe hinzu, sich perfekt in fremden Sprachen unterhalten zu können. So kann sie wie aus heiterem Himmel Russisch sprechen.
Während einer Live-Wettersendung beginnt sie zudem, in einer nicht menschlichen Sprache zu reden. Die Aufnahme davon geht im Netz viral und zieht die Aufmerksamkeit von Wardex auf sich, die hinter Margarets komischen Klicklauten einen außerirdischen Ursprung vermuten. Daraufhin muss auch sie fliehen, um nicht in die Hände von Noah Scanlon, gespielt von Colin Firth („The King’s Speech“), zu geraten. Dieser ist der Chef von Wardex und als solcher zu allem bereit, um eine Enthüllung der Wahrheit über die Existenz von Außerirdischen zu verhindern. Bei ihrer Flucht treffen Daniel und Margaret schließlich aufeinander und schließen sich zusammen, um der Weltöffentlichkeit die von der US-Regierung über Jahrzehnte vertuschte Wahrheit zu offenbaren. Ihnen zur Seite stehen dabei Eve Hewson („Bad Sisters“) als Daniels Freundin und ehemalige Novizin Jane Blankenship und Colman Domingo („Sing Sing“) als Hugo Wakefield, ein Ex-Mitarbeiter von Wardex.
Ratlos auf der Erde
Die Handlung des Films basiert auf einer Originalgeschichte von Steven Spielberg, während das Drehbuch von David Koepp verfasst wurde, der bereits für mehrere Spielberg-Blockbuster die Drehbücher schrieb. Leider ist sein Skript der große Schwachpunkt eines zu Beginn noch spannenden Verfolgungsfilms, der jedoch zum Schluss mit einem großen Cliffhanger endet und den Zuschauer ratlos zurücklässt. Die Geschichte endet ausgerechnet dann, wenn sie eigentlich erst beginnt, interessant zu werden. Zudem wirkt Spielbergs neuer Film leider wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten, wie etwas, das er sich vor Jahrzehnten ausgedacht und seitdem nie mehr angepasst hat, beziehungsweise wie alter Kaffee, der neu aufgekocht wurde und etwas fade schmeckt.
Spielbergs Interesse, an den großen Fragen bezüglich der Existenz von Außerirdischen zu arbeiten, zeigt sich im Film letztlich wenig. Seine 145 Minuten lange Laufzeit widmet er lieber einigen langgezogenen Verfolgungsjagden mit ein paar spannenden Actionszenen. Dazu hört man einen routinierten Soundtrack von Spielbergs legendärem Hofkomponisten John Williams. Obwohl erneut Spielbergs Stamm-Kameramann Janusz Kaminski am Werk war, hat der Film visuell nicht viel zu bieten und sieht lediglich solide aus, was man hingegen von den schlecht animierten CGI-Tieren nicht behaupten kann. Alles in allem serviert Spielberg in „Disclosure Day“ statt neuer Ideen nur verkitscht romantisierte Alien-Klischees – das jedoch nicht ansatzweise so emotional und liebevoll gestaltet und atemberaubend magisch präsentiert, wie noch in seinen früheren Sci-Fi-Werken. Der Film ist zwar kein absolutes Desaster geworden, aber leider auch kein neues Meisterwerk. Für WM-Flüchtige dennoch ein cineastisches Ereignis, das mit der Regie des alten Spielberg ein Stück Filmgeschichte markiert.
„Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit“, USA 2026, 145 Minuten, Regie: Steven Spielberg, seit dem 11. Juni im Kino.
Genre: Science-Fiction-Drama
Bewertung: 3 von 5 Sternen
Kino aus der Spielzeugkiste
Nach dem Milliardenerfolg des „Barbie“-Films vor drei Jahren setzt der US-amerikanische Spielzeugkonzern Mattel, der nach dem Lego-Konzern der zweitgrößte Spielzeughersteller der Welt ist, nun erneut auf eine seiner beliebten Spielzeugmarken und bringt eine neue Live-Action-Adaption auf die große Leinwand. Die Rede ist von „He-Man“, dem blonden Muskelberg aus dem „Masters of the Universe“-Franchise. Unter der Regie von Travis Knight („Kubo – Der tapfere Samurai“, „Bumblebee“) erwecken Newcomer Nicholas Galitzine als Adam/He-Man und Hollywoods Enfant terrible Jared Leto als Skeletor nach fast vierzig Jahren die ikonischen Mattel-Spielzeug-Actionfiguren der frühen 1980er-Jahre wieder zu neuem Leben. Figuren, mit denen eine ganze Generation von Kindern aufgewachsen ist.
Dabei wählt „Masters of the Universe“ als Neuverfilmung im Vergleich zu der beliebten Animationsserie aus den 1980er-Jahren und der erfolglosen ersten Kinoadaption von 1987 mit Dolph Lundgren als He-Man mit seiner Origin-Story einen interessanten dramaturgischen Ansatz: Der junge und schwächliche Prinz Adam (Artie Wilkinson-Hunt) wird als Kind bei einem verheerenden Angriff des teuflischen Skeletors auf die Hauptstadt Eternos von seinem fantastischen Heimatplaneten Eternia getrennt. Er flieht durch ein magisches Portal und strandet auf unserer Erde. Dabei verliert er jedoch sein legendäres Zauberschwert und damit auch seine einzige Möglichkeit, nach Hause zurückzukehren.
Das magische Schwert
Fünfzehn Jahre später arbeitet Adam (nunmehr gespielt von Nicholas Galitzine) unglücklich als HR-Manager in einer Agentur, bis er eines Tages durch Zufall sein magisches Schwert wiederfindet, nach Eternia zurückkehrt und schließlich als mächtiger He-Man, ausgestattet mit der „Macht von Grayskull“, den Kampf gegen den Tyrannen Skeletor aufnimmt. Unterstützt wird er dabei von der mutigen Kriegerin Teela (Camila Mendes) und ihrem Vater Duncan (Idris Elba), auch bekannt als Man-At-Arms.
Es grenzt beinahe an ein Wunder, dass der Film nun endlich das Licht der Leinwand erblickt hat. Studios wechselten, Drehbücher wurden verworfen, Regisseure kamen und gingen. Zeitweise lag das Filmprojekt bei Netflix, bevor schließlich Amazon MGM und Mattel die Produktion übernahmen. Nun können wir das Endprodukt nach fast zwanzigjähriger Entwicklungshölle im Kino bewundern. Doch ist das Ergebnis auch bewundernswert? Der neue Realfilm sieht zwar ziemlich künstlich aus und kann mit seinen CGI-Effekten nicht immer überzeugen, und dennoch ist er ein visuell kreatives und detailverliebtes Fantasy-Abenteuer geworden, das den Geist der Cartoon-Vorlage gut einfängt und kurzweilige Blockbuster-Unterhaltung liefert. Anders als beim vielfach kritisierten Realfilm von 1987 spielt zur Freude der alten Fans der Großteil des neuen Films nicht auf der Erde, sondern auf dem Planeten Eternia. Darsteller Nicholas Galitzine überzeugt als He-Man durch seine physische Präsenz, eine enorme Spielfreude und viel Charme. Jared Leto liefert als Skeletor eine seiner besten Leistungen der letzten Jahre ab.
Bewährte Marvel-Pfade
Auch einige Cameo-Auftritte von Fanlieblingen und das Retro-Design von Bösewichten wie Trap-Jaw versprühen pure Nostalgie. Jedoch werden zu viele Szenen des mit 142 Minuten reichlich langen Films mit permanenter Eigenparodie und Meta-Humor gewürzt. Der Film setzt mit seiner Selbstironie erzählerisch zu stark auf bewährte Marvel-Pfade und moderne Superhelden-Formeln, statt auf die eigene popkulturelle Identität zu vertrauen. Die mangelhafte Eigenständigkeit und der Umstand, dass der Film stellenweise nicht wie ein neues Filmabenteuer von He-Man, sondern wie eine Selbstsabotage und Parodie auf das ganze „Masters of the Universe“-Franchise wirkt, dürfte Hardcore-Fans reichlich polarisieren. Die Charaktere ziehen Figurennamen wie „He-Man“ oder „Fisto“ gern ins Lächerliche, was emotionale Momente im Keim erstickt und ideologische Untertöne zum Vorschein bringt, gerade dann, wenn es um martialische Vorstellungen von kriegerischer Männlichkeit geht und um Figuren, die ursprünglich aus einer Zeit stammen, in der Helden vor allem über ihre Muskeln definiert wurden und ihre Stärke durch die Anwendung von Gewalt zeigten. Der neue He-Man ist von daher empathisch und versucht sich zuerst in der Kunst der Diplomatie, bevor er notgedrungen mit seinem Schwert zuschlägt. Auch die Musikauswahl dürfte die Fans spalten, denn obwohl der Film mit einigen Gitarrenriffs von Queen-Gitarrist Brian May aufwarten kann und musikalisch wie optisch an 1980er-Jahre-Filme wie „Highlander“ und „Flash Gordon“ erinnert, vermisst man eine ähnlich epische Filmmusik, wie sie „Rocky“-Komponist Bill Conti für den 1987er-Film kreierte.
Der neue „Masters of the Universe“-Film hat sich eine schier unmögliche Herausforderung angenommen: Mission impossible. Denn er muss einerseits Fanservice betreiben und die 1980er-Nostalgie bedienen, um die alten Cartoon- und Actionfigurenfans abzuholen, dann aber auch He-Man in die heutige Zeit übertragen, um neue Fans zu erreichen und bei all dem trotzdem nicht unfreiwillig albern wirken. Diese Aufgabe ist ihm leider nicht vollends gelungen. Anstatt einer originellen und emotionalen Heldengeschichte fühlt sich die Neuverfilmung lediglich wie der Startschuss für ein neues Franchise an, was auch schon die beiden kurzen Szenen im Abspann andeuten. An den Kinokassen wird sich nun zeigen, ob die „Macht von Grayskull“ mit der 170 Millionen teuren Kinoproduktion ist und ob wir noch mehr von den Abenteuern von He-Man und seinen Freunden zu sehen bekommen oder ob es wieder einige Jahrzehnte dauern wird, bis He-Man zurückkehren darf. Die ersten Einspielergebnisse verheißen zumindest keine strahlende Zukunft für Eternia, zumal auf der Erde gleichzeitig eine Fußball-WM mit 48 teilnehmenden Ländern läuft.
„Masters of the Universe“, USA 2026, 142 Minuten, Regie: Travis Knight, seit dem 4. Juni im Kino.
Genre: Fantasy-Film/Action-Film/Komödie
Bewertung: 3 von 5 Sternen
Der Autor ist Priester im Erzbistum Köln.
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