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Späte Reife, leises Ringen und mörderische Komik

Die fünfte Staffel von „Only Murders in the Building“ schwankt bei schauspielerischem Glanz zwischen warmherzigen Figurenmomenten und erzählerischer Routine.
Das Ermittler-Trio Charles (Steve Martin, links), Mabel (Selena Gomez) und Oliver (Martin Short, von links) muss erneut einen Mord aufklären. Im Fokus steht die Dynamik zwischen den Hauptfiguren.
Foto: Patrick Harbron (Disney) | Das Ermittler-Trio Charles (Steve Martin, links), Mabel (Selena Gomez) und Oliver (Martin Short, von links) muss erneut einen Mord aufklären. Im Fokus steht die Dynamik zwischen den Hauptfiguren.

Seit 2021 begeistert die Disney-Serie „Only Murders in the Building“ mit ihrer Mischung aus Humor und Krimi. In Staffel fünf kehren Charles (Steve Martin), Oliver (Martin Short) und Mabel (Selena Gomez) an ihren zentralen Ort zurück: das Arconia, ein Wohnhaus voller Geschichten. Dort wird der langjährige Portier Lester tot in der Brunnenanlage gefunden – ein Mann, dessen stille Loyalität das Gebäude zusammenhielt, was der Staffel emotionale Erdung verleiht.

Das Trio nimmt die Ermittlungen gewohnt energiegeladen auf. Die Chemie zwischen den Dreien, mal ironisch, mal zärtlich, bleibt eine der größten Stärken. Wo die Geschichte ins Routinehafte gleitet, entstehen Momente echter Nähe: Charles’ Einsamkeit, Olivers späte Reife, Mabels leises Ringen zeigen, dass die Serie mehr ist als eine Krimikomödie. Nach dem Abstecher nach Hollywood führt die Handlung zurück zum Ursprung. Neue Räume und geheime Gänge des Arconia eröffnen eine tiefere Erkundung des Gebäudes.

Strukturell bleibt alles vertraut: Mord, Verdächtige, falsche Fährten, ein kurzes Ermatten, dann ein neuer Schub. Ein zweiter Mord innerhalb von 24 Stunden erhöht zwar die Spannung, echte Überraschungen sind jedoch selten. Viele neue Figuren – von Mafiafamilien bis zu einem Tech-Magnaten – verbreitern die Handlung, lassen sie aber manchmal zerfasern.

Trotzdem bewahrt die Serie ihren Charme. Gaststars wie Dianne Wiest, Renée Zellweger und Christoph Waltz setzen Glanzpunkte, ohne das Ensemble zu überstrahlen. Die feinen Nuancen ihres Spiels unterstreichen die Souveränität einer Serie, die ihre Figuren ernst nimmt.

Am Ende geht es weniger um das „Wer war’s?“ als um das Zusammenspiel der Menschen, um ihr Sich-Ergänzen und Verändern. Die Aufklärung des Falls wird zur Reise ins Innere – eine Qualität, die die Serie trotz erzählerischer Müdigkeit trägt. Das Finale deutet eine mögliche Reise des Trios nach London an. Ob die Serie sich neu erfindet, bleibt offen. „Only Murders in the Building – 5. Staffel“.


Zehnteilige Fernsehserie à 30–40 Minuten. Entwickelt von John Hoffman und Steve Martin, auf Disney TV+.

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José García

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