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Serie „The Railway Men": Eisenbahner als Lebensretter

Die Netflix-Serie „The Railway Men: The Untold Story of Bhopal 1984“ rückt den heldenhaften Mut einiger Männer nach einer verheerenden Katastrophe in den Fokus.
The Railway
Foto: Netflix | Nachdem im indischen Bhopal ein hochgiftiges Gas die Stadt in einen tödlichen unsichtbaren Nebel gehüllt hat, versucht Bahnhofsvorsteher Iftekaar Siddiqui (Kay Kay Menon, links) so viele Menschenleben zu retten, wie ...

Am 2. Dezember 1984 trat in der indischen Stadt Bhopal Methylisocyanat aus einer Pestizidfabrik des US-Konzerns Union Carbide aus. Dieses hochgiftige Gas löste innerhalb weniger Stunden eine Katastrophe aus, die mancher als die schlimmste Industrie-Tragödie weltweit betrachtet. Die ausgetretene Gaswolke hüllte Bhopal ein; Schätzungen zufolge verloren etwa 15.000 Menschen ihr Leben, während rund eine halbe Million teils schwer verletzt wurden. 

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Trotz des Schreckens führte der Unfall zu einem bemerkenswerten Einsatz einiger Eisenbahnarbeiter, die ihr Bestes gaben, um Leben zu retten.

Sicherheitsprobleme

Die Netflix-Miniserie „The Railway Men: The Untold Story of Bhopal 1984“ basiert auf diesen wahren Begebenheiten. In vier etwa einstündigen Kapiteln rekonstruiert die Serie die Tragödie und die Rettungsaktion aus verschiedenen Perspektiven.

Die Inszenierung des eigentlichen Unfalls erinnert an die herausragende fünfteilige Serie „Chernobyl“ (2019), die die Ereignisse und Folgen der Katastrophe von Tschernobyl akribisch nachzeichnet – wobei sich diese 16 Monate nach dem Unfall in Bhopal, am 26. April 1986, ereignete.

Wie „Chernobyl“ beginnt auch „The Railway Men: The Untold Story of Bhopal 1984“ mit den erheblichen Sicherheitsproblemen in der Anlage, die eine solche Katastrophe erahnen lassen: Enthüllungsjournalist Rajkumar Keswani (Sunny Hinduja) sammelt seit geraumer Zeit Berichte über die mangelnde Sicherheit der Anlage. Imad Riaz (Babil Khan) berichtet von einem Kollegen, der durch das Einatmen des giftigen Gases verstorben ist. Diese Meldung führt jedoch dazu, dass Imad entlassen wird, nachdem er den Vorfall gemeldet hat.

Viele Leben retten

Keswani erhält Unterstützung bei seinen Recherchen von Kamruddin (Dibyendu Bhattacharya), einem Manager in der Anlage, der mehrmals vergeblich auf Sicherheitsverstöße hingewiesen hatte. Als das Gas ausströmt, rettet Kamruddins heldenhafter Einsatz mehrere Menschenleben, indem er sein eigenes Leben aufs Spiel setzt.

Shiv Rawail, der mit der Serie sein Regiedebüt gibt, und zusammen mit Aayush Gupta das Drehbuch verfasste, konzentriert sich jedoch nicht nur auf den vorsehbaren Verlauf der Tragödie, sondern verwebt mehrere Handlungsstränge an verschiedenen Orten miteinander. 

Video

Im Laufe der Serie rückt die Handlung am Bahnhof von Bhopal immer stärker in den Vordergrund. Insbesondere der Bahnhofsvorsteher, Iftekaar Siddiqui (Kay Kay Menon), setzt alles daran, so viele Leben zu retten, wie er nur kann. Unterstützt wird er dabei von einem neuen Mitarbeiter, dem bereits erwähnten Imad Riaz, sowie von einem Mann, der sich als Polizist (Divyendu Sharma) ausgibt, jedoch eigentlich den Safe der Bhopal Railways ausrauben wollte.

Eine bedeutende Rolle spielt auch der Chefinspektor der Eisenbahn Rati Pandey (R. Madhavan), der sich mit Hilfe der hohen Eisenbahn-Beamtin Rati Pandey (R. Madhavan) über den ausdrücklichen Befehl des Eisenbahnministers (Denzil Smith) hinwegsetzt und eine Lieferung von Natriumthiosulfat in Gang setzt. Dieses Medikament dient als wirksames Gegenmittel bei Zyanidvergiftungen.

Geschichten von Heldentum

Im Gegensatz zu „Chernobyl“ geht es den Autoren Aayush Gupta und Shiv Rawail offensichtlich nicht um die Aufarbeitung des Skandals. Bestechung, Korruption und Gier werden aber nicht verschwiegen – in der Realität hielt „Union Carbide“ nicht nur die kritischen Informationen über die Sicherheitsmängel von der Öffentlichkeit fern, sondern schob mit Hilfe ihres Einflusses die Schuld auf die Fahrlässigkeit oder Sabotage der Mitarbeiter, um sich aus den Ermittlungen herauszuwaschen.

Der Fokus liegt vielmehr auf den Geschichten von Heldentum und Menschlichkeit inmitten der Katastrophe, wobei die Serie das Melodramatische umschifft, obwohl sie voller Dramatik ist. Wie der Titel bereits sagt, liest sich „The Railway Men: The Untold Story of Bhopal 1984“ wie eine Hommage an die Männer der indischen Eisenbahn, die sich der Rettung von Leben verschrieben. Damit betont die Serie die menschliche Widerstandsfähigkeit und den Mut von Menschen in Extremsituationen, was sie zeitlos und universell macht.

Dank nicht nur der dramaturgischen Qualität eines fein ausgearbeiteten Drehbuchs und dessen Umsetzung, sondern auch dem bis in die Details hinein sorgfältigen Produktionsdesign bekommt die Filmindustrie Indiens, die seit Jahren eine wichtige Rolle bei Netflix spielt, einen Schub in Sachen internationales Ansehen.

Info: Zur Serie

„The Railway Men“.
Drehbuch: Aayush Gupta, Shiv Rawail.
Regie: Shiv Rawail. Indien 2023.
Vier Episoden à 60-75 Minuten.
Auf Netflix.

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