Emeryville

Pixar beugt sich der LGBT-Lobby

Dammbruch beim Animationsstudio Pixar: Erstmals in einem Pixar-Film sind die Protagonisten ein Homosexuellen-Paar – ein Meilenstein für die LGTBQ-Lobby.
Pixar-Kurzfilm "Out"
Foto: Disney + | Im Pixar-Kurzfilm "Out" steht Greg vor einer schwierigen Entscheidung: seinen Eltern zu erklären, dass er homosexuell ist. Erstmals in einem Pixar-Film sind die Protagonisten ein Homosexuellen-Paar.

Das Animationsstudio „Pixar“ galt bisher als besonders familienfreundliches Unternehmen. So nannte der Abspann eines jeden Pixar-Filmes die „Production babies“, die während der Produktion eines Filmes geborenen Kinder der am Film Beteiligten. Der Disney-Konzern selbst, zu dem Pixar seit 2006 gehört, bezeichnet es als „eine Art liebenswürdige Widmung, auf die die Familien später zurückblicken können“.

Die Bemühungen der LGTBQ-Lobby, für mehr „Sichtbarkeit“ zu sorgen, machen jedoch vor Pixar nicht Halt. Es ist ja ihr erklärtes Ziel, auch in der Fiktion positiv dargestellt zu werden: „Wenn die Menschen dich im Fernsehen sehen, betrachten sie dich als Teil unserer Kultur“, heißt es in der Apple TV+-Dokumentarserie „Visible. LGBTQ on Television“ (DT vom 22. März). In ihrem Bericht „Where We Standing on TV“ stellte vergangenes Jahr die „Gay and Lesbian Alliance Against Defamation“ („Schwul-Lesbisches Anti-Diffamierungs-Bündnis“) GLAAD die Forderung auf, dass bis 2025 zwanzig Prozent aller Fernsehcharaktere LGTBQ-Figuren sein sollen. GLAAD-Präsidentin Sarah Kate Ellis: „Weniger als ein Viertel der Amerikaner haben einen engen Freund oder ein Familienmitglied, der/die transgender ist“. Was die meisten Amerikaner über „Menschen mit Transhintergrund“ wüssten, erführen sie aus dem Fernsehen, aus Filmen und aus Nachrichten.

Mit Emotionen Weltanschauungen verändern

Fiktionale Werke sind wegen ihrer emotionalen Kraft besonders werbewirksam für Weltanschauungen. Dies stellt beispielsweise die paradoxe Tatsache unter Beweis, dass viele Menschen eher dem Theaterstück des kürzlich verstorbenen Rolf Hochhuth Glauben schenken, als seriösen wissenschaftlichen Studien über Pius XII. Daher das besondere Interesse der LGTBQ-Lobby, in Spielfilmen und Serien „sichtbar“ zu sein. Dass dies weitestgehend gelungen ist, beweist die enorme Verbreitung von gleichgeschlechtlichen Liebespaaren in Spielfilmen und Serien in den letzten Jahren. Ob Netflix, Amazon Prime Video oder Apple TV+: Die Streaming-Plattformen haben darüber hinaus die Strategie der LGTBQ-Community übernommen.

Nach mehreren Versuchen, nach und nach LGBTQ-Personen in Disney-Filme einzuführen, findet der Dammbruch ausgerechnet bei Pixar statt. Denn erstmals in einem Pixar-Film sind die Protagonisten ein Homosexuellen-Paar. Bereits der Titel des kürzlich auf die Streaming-Plattform „Disney+“ eingestellten neuneinhalbminütigen Kurzfilms „Out“ spielt darauf an: Er bezieht sich einerseits auf den Aus- beziehungsweise Umzug von Greg und Manuel in eine weit entfernte Stadt, andererseits aber auf das „coming out“, Neudeutsch „sich outen“, Gregs gegenüber seinen Eltern.

„Sag es ihnen“, fordert Manuel den vom Besuch seiner Eltern überraschten Greg auf. Dass sich Gregs Besorgnis über die Reaktion seiner Eltern als unbegründet erweist – die Mutter vor dem Outing: „ich hoffe, dass du jemand findest, der dich so sehr liebt wie wir, und dass ER dich glücklich macht“; der Vater schließt ihn nach dem Outing einfach in seine Arme –, gehört zum Subtext von „Out“ genauso wie die Tränen der Rührung in den Augen eines beobachtenden Hunds.

Auch „Die Eiskönigin“ sollte eine Lesbe werden

Zwar handelt es sich bei „Out“ nicht um einen „offiziellen“ Pixar-Film, sondern um ein Produkt des von Studioboss Jim Morris und Produzentin Lindsey Collins für Nachwuchstalente ins Leben gerufenen „Sparkshorts Pixar Artists' Projects“, was sich etwa in der flächigen Zeichnung im Gegensatz zur Plastizität der Figuren in den eigentlichen Pixar-Filmen äußert. Zwar wird „Out“ nicht in Kinos, sondern „nur“ auf der Plattform „Disney+“ mit immerhin mehr als 54 Millionen Abonnenten veröffentlicht. Aber der Kurzfilm stellt einen regelrechten Dammbruch dar, der sich seit einiger Zeit angekündigt hatte.

So hatte das bereits erwähnte Schwul-Lesbische Bündnis GLAAD mit dem Hashtag #GiveElsaAGirlFriend eine Kampagne in den sozialen Netzwerken gestartet, damit sich die Protagonistin des Disney-Animationsfilms „Die Eiskönigin – völlig unverfroren“ (OT: „Frozen“) als Lesbe outen sollte, zumal die LGTBQ-Community im Titellied des Filmes „Let it Go“, der von der Entdeckung des wahren Ichs und der damit verbundenen Freiheit erzählt, einen solchen Subtext gefunden zu haben glaubte.

Die „identitäre Vielfalt“ wächst

Zwar erfüllte sich der GLAAD-Wunsch in „Die Eiskönigin 2“ nicht, aber in letzter Zeit sind etwa in den ebenfalls zu Disney gehörenden Sparten „Star Wars“ und „Marvel“ eine größere Diversität und sogenannte „identitäre Vielfalt“ zu verzeichnen, die gewisse Ambivalenzen zulassen, so etwa im letzten Star Wars-Film „Der Aufstieg Skywalkers“ in der besonderen Beziehung zwischen Poe und Finn oder in der flüchtigen Kussszene zwischen zwei lesbischen Widerstandskämpferinnen.

Eine lesbische Figur tauchte zum ersten Mal in einem Pixar-Film in „Onward: Keine halben Sachen“ (DT vom 5. März)auf, wenn auch nur in einer kurze Szene gleichsam nebenbei. Die Zyklop-Polizistin Specter sagt zu ihrem Kollegen: „Die Tochter meiner Freundin reißt mir die Haare aus“. Das führte jedoch dazu, dass einige islamische Länder und auch Russland den Film verboten. Ob Pixar und Disney nach dem „Versuchsballon“, dem Kurzfilm „Out“, weitere LGTBQ-Figuren einführen, bleibt also abzuwarten.

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