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Netflix-Serie „Wednesday“: Eine ungewöhnliche Sechzehnjährige

Frischer Wind für eine alte Fernsehserie: Das „Addams Family“-Revival in der Netflix-Erfolgsserie „Wednesday“.
Jenna Ortega als „Wednesday“
Foto: rtret | Auf der einen Seite muss sich die Protagonistin mit den typischen Pubertätsthemen – Freundschaft, Liebe, Beziehungen zu den seltsamen und vielfältigen Mitschülern – herumschlagen.

Mitte der 1960er Jahre wurde „The Addams Family“ als Fernsehserie ausgestrahlt. Wie auch die Konkurrenz-Serie „The Munsters“ handelte es sich dabei sozusagen um eine komödiantische Antwort auf die Dracula- und Frankenstein-Filme im klassischen Hollywood. Sind die „Munsters“-Protagonisten erkennbar als eine Mischung aus dem Frankenstein-Monster und Dracula-ähnlichen Gestalten, so lassen sich die Mitglieder der „Addams Family“ – deren Name sich von deren Schöpfer, dem Zeichner Charles Addams, ableitet – als „Außenseiter“-Gestalten nicht näher bestimmen. Lediglich die Mutter Morticia Addams scheint eine „vampiristische“ Gestalt zu sein.
„The Addams Family“ erlebte eine Renaissance, als Barry Sonnenfeld 1991 und 1993 jeweils einen Realfilm über sie drehte. Es folgten weitere Real- und Animationsfilme sowie ein Musical über die etwas andere Familie.

Übernatürliche Kräfte als Chiffre für die Pubertät

Nun zeigt Netflix eine achtteilige Serie, bei der die Addams-Tochter, die 16-jährige Wednesday (Jenna Ortega), im Mittelpunkt steht. Nachdem sie von der Schule verwiesen wird, kommt sie auf die sogenannte „Nevermore Academy“, wo sich ihre Eltern Gomez (Luis Guzmán) und Morticia (Catherine Zeta-Jones) als Jugendliche kennen- und lieben gelernt hatten. Es handelt sich dabei um eine Schule für besondere Kinder, an der es von „Außenseiter“-Gestalten wie Formwandlern, Sirenen, Werwölfen und Vampiren nur so wimmelt.

Aber auch unter ihnen fühlt sich Wednesday als Außenseiterin – was schon in ihrer schwarzweißen Uniform im Unterschied zu den bunten Uniformen der Mitschüler zum Ausdruck kommt. Mit Emotionen kann sie nicht umgehen. Dazu kommt es, dass sie ihre aufkeimenden übernatürlichen Kräfte in den Griff bekommen muss, was natürlich als eine Chiffre für die Pubertät eingesetzt wird.
Zu allem Überfluss hält eine monströse Mordserie die Stadt in Atem, die irgendwie auch mit ihrer Verwandtschaft zusammenhängt, die vor Jahrhunderten in derselben Gegend lebte. Darüber hinaus wird sie auch mit einem Geheimnis konfrontiert, in das ihre Eltern vor 25 Jahren verstrickt waren.

Die Netflix-Serie „Wednesday“ verläuft deshalb in zwei Parallelsträngen: Auf der einen Seite muss sich die Protagonistin mit den typischen Pubertätsthemen – Freundschaft, Liebe, Beziehungen zu den seltsamen und vielfältigen Mitschülern – herumschlagen. Auf der anderen Seite steht die Detektiv-Geschichte, die Suche nach dem Monster-Killer.

Eindeutig postmoderne Filme vermischen Genres

Die Serienentwickler Alfred Gough und Miles Millar haben sowohl die Stimmung und die Charaktere der „Addams Family“ gut getroffen, als auch der Geschichte frischen Wind eingehaucht. Für die ersten Kapitel zeichnet Tim Burton als Regisseur verantwortlich, der mit „Wednesday“ sein TV-Regiedebüt gibt und der ganzen Serie seinen Stempel aufdrückt. Der 1958 in Kalifornien geborene Regisseur hat mit „Batman“, „Edward mit den Scherenhänden“, „Ed Wood“, „Big Fish“ oder „Charlie und die Schokoladenfabrik“ große Erfolge gefeiert, die ihn zu einem der besten Regisseure seiner Generation gemacht hatten. „Wednesday“ passt deshalb zu ihm wie die Faust aufs Auge: Denn die Figuren in seinen besten Filmen sind Außenseiter, Figuren am Rande der gesellschaftlichen Normen, die sein eigenes Leben und seine Jugend widerspiegeln.
Tim Burtons eindeutig postmoderne Filme vermischen unterschiedliche Genres. In  „Wednesday“ kann er einige der zurzeit hoch im Kurs stehende Genres vereinen: Es handelt sich um eine Teenager- und Thriller-Serie, die noch mit Mystery, Horror und schwarzer Komödie angereichert wird.

Ebenso postmodern nimmt sich der Kunstgriff der Metafiktion aus: Wednesday schreibt an einer Kriminalgeschichte, die sich als diejenige erweist, die der Zuschauer sieht. Als keine Überraschung stellt sich freilich heraus, dass Netflix der LGBT-Lobby wieder Zugeständnisse macht.

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Musik von Vivaldi, Lady Gaga und Édith Piaf

Das Produktionsdesign einschließlich der Spezialeffekte und computergenerierten Figuren sticht heraus. Aber auch die Schauspieler überzeugen: Nicht nur die sensationell agierende Jenna Ortega in der Hauptrolle, sondern auch etwa Emma Myers als ihre Zimmergenossin Enid Sinclair und viele andere. Als besonderes Augenzwinkern in Richtung Barry-Sonnenfeld-Filme tritt Christina Ricci, die darin Wednesday dargestellt hatte, in einer Nebenrolle auf. Sogar „das eiskalte Händchen“ (Original: „Thing“) erweist sich als enorm ausdrucksstark.

Auch die Musik wurde sorgfältig ausgesucht und ebenfalls postmodern gemischt, so etwa Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ mit Songs von Lady Gaga oder Édith Piaf. Besonders gut angekommen in den Sozialen Medien ist Jenna Ortegas Tanzszene zum Song „Goo Goo Muck“ von The Cramps, die manche sogar mit einer der berühmtesten Film-Tanzszenen ?– Uma Thurman und John Travolta in Tarantinos „Pulp Fiction“ – in Sachen Nachahmungspotenzial vergleichen.

„Wednesday“, USA 2022, Serie mit acht Folgen von 47-52 Min. Serienentwicklung: Alfred Gough, Miles Millar. Regie: Tim Burton, James Marshall, Gandja Monteiro, auf Netflix.

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José García

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