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„Michael“ – ein verzichtbarer Erzengel 

In einer problematischen Verfilmung wird Michael Jackson verherrlicht – die dunklen Flecken bleiben ausgespart.
So ist der „King of Pop“ vielen in Erinnerung: Michael Jackson 1997.
Foto: IMAGO/Henrik Hildebrandt (www.imago-images.de) | So ist der „King of Pop“ vielen in Erinnerung: Michael Jackson 1997.

Der König ist tot, lang lebe der König! Was für Elvis Presley, den „King of Rock’n’Roll“, gilt, trifft natürlich auch auf den „King of Pop“, Michael Jackson, zu. Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis nach dem großen Erfolg von „Elvis“ (2022) und einer Flut an weiteren Musikerbiografien auch Michael Jackson posthum ein filmisches Denkmal b

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ekommen würde. Nun hat Hollywood mit „Michael“ endlich die Geschichte des größten Popstars aller Zeiten verfilmt. Antoine Fuqua, der als Regisseur vor allem für Actionfilme bekannt ist, beschert mit seinem Biopic Michael Jackson ein großes Comeback aus dem Jenseits. Aber wie schon zu Lebzeiten scheiden sich auch 17 Jahre nach seinem tragischen Tod die Geister um Michael. Der Film zeigt uns chronologisch seinen unaufhaltsamen Weg vom traumatisierten Kinderstar bis zum globalen Megastar. Er konzentriert sich dabei ausschließlich auf die ersten 30 Jahre seines Lebens, von der Entdeckung seines außergewöhnlichen Talents als Frontsänger der „Jackson 5“ Mitte der 1960er-Jahre bis hin zu dem visionären Künstler, dessen kreativer Ehrgeiz ihn unermüdlich antrieb, der größte Popstar der Welt zu werden. Und so bekommt der Zuschauer kurze Einblicke in einige legendäre Auftritte aus Michaels früher Karriere bis hin zu seinem skurrilen Leben als Musikikone abseits der Bühne. 

 

Ein Kind auf Erfolg getrimmt 

Wir sehen, wie Michael bereits als achtjähriges Kind darauf getrimmt wurde, stets unter dem strengen Blick seines Vaters und Managers Joseph Jackson (Colman Domingo) eine perfekte Show abzuliefern. Widerworte wurden mit einem Gürtel beantwortet. Als Michael älter wurde, feierte er auch als Solokünstler große Erfolge und wollte sich von seinem Vater und seiner Band emanzipieren. Mit dem Hit-Produzenten Quincy Jones realisierte er schließlich 1978 das Album „Off the Wall“, das für den 20-jährigen Michael zu einem kreativen Befreiungsschlag wurde. 1982 folgte schließlich das Meisterwerk „Thriller“, das zum erfolgreichsten Album aller Zeiten wurde. Michael hatte es geschafft und wurde in den 80er-Jahren zum größten Popstar des Planeten. Doch gegen seinen übermächtigen Vater tat er sich weiterhin schwer. Er flüchtete sich am liebsten, umgeben von exotischen Tieren, in die fantastische Märchenwelt von Peter Pan und inszenierte sich selbst immer wieder gerne als ein mystisches Wesen. Mit den Jahren wurde sein Auftreten jedoch immer bizarrer. Ab 1993 kamen Anschuldigungen wegen Kindesmissbrauchs dazu. Im „Michael“-Film werden sämtliche Vorwürfe, genauso wie andere problematische Themen wie seine Medikamentenabhängigkeit oder die vielen Schönheitsoperationen, entweder komplett ignoriert oder nur kurz angedeutet. Besonders kontroverse Kapitel werden schlicht ganz ausgeklammert. Ursprünglich sollte das Biopic im Jahr 1993 mit dem Beginn der ersten Anklage gegen Michael enden.

Aus rechtlichen Gründen durfte der Name des Betroffenen aber nicht mehr in der Verfilmung auftauchen. Die Produzenten vom „Estate of Michael Jackson“, Michaels Nachlassverwaltung, waren somit gezwungen, ein anderes Ende zu drehen. Man darf allerdings bezweifeln, dass mit dem ursprünglichen Finale überhaupt eine Aufarbeitung der Verdachtsfälle beabsichtigt war. Denn in der Welt der Jackson-Familie existiert scheinbar nur eine Sicht auf die Dinge: Alle, die sich ihnen entgegenstellen, sind entweder Lügner oder böse Erpresser, und Michael ist das unschuldige Opfer, dem immer wieder übel mitgespielt wird. Scheinbar ist es ihnen besonders wichtig, dass sich auf dem Glitzerhandschuh ihres berühmtesten Mitglieds kein Fleck verirrt. Denn Michael ist laut dem Film in Wahrheit ein von Gott gesandter Mensch mit nur einem einzigen Auftrag: die Welt durch seine Musik zu heilen und sie zu einem besseren Ort zu machen. Nun, dieses Ziel hat er eindeutig nicht erreicht, was er aber geschafft hat, ist, dass sein Name bis heute zu einer Gelddruckmaschine geworden ist. Daher muss auch die Version vom „Heiligen Michael“ in diesem Selbstbeweihräucherungsprozess mit aller Macht aufrechterhalten werden. Da stört es auch nicht, dass selbst nach Michaels Freispruch im Jahr 2005 immer noch neue Vorwürfe hinzukommen, wie es etwa die umstrittene Dokumentation „Leaving Neverland“ (2019) gezeigt hat. 

Künstliche Konflikte – schnell gelöst 

Kritiker werden auf einen möglichen zweiten Teil vertröstet, der die ambivalenten Jahre im Leben von Michael erzählen soll. Vermutlich wird sich aber auch da nichts am Narrativ ändern und Michael als Opfer einer großangelegten medialen Hetzkampagne dargestellt werden. Ansonsten erzählt „Michael“ nichts, was man nicht auch bei Wikipedia nachlesen könnte. Immerhin werden in einem technisch brillanten Look Michaels größte Hits in den dazugehörigen Settings beeindruckend nachgestellt. Damit aber zwischendurch wenigstens irgendetwas Interessantes geschieht, generiert das Drehbuch künstliche Konflikte, die innerhalb von Sekunden wieder aufgelöst werden. Nur der Streit mit seinem tyrannischen Vater zieht sich als roter Faden durch die gesamte Handlung. Man merkt sehr deutlich, dass hinter dem Filmprojekt Produzent Graham King steckt, der schon mit dem Queen-Film „Bohemian Rhapsody“ eines der generischsten Biopics aller Zeiten ablieferte und nun einen ebenso berechnenden Nachfolger gefunden hat. Dargestellt wird Michael von seinem 29-jährigen Neffen Jaafar Jackson, dem Sohn seines Bruders Jermaine. Der Newcomer überzeugt in seinem Filmdebüt auf ganzer Linie. Er passt nicht nur perfekt in Michaels schillernde Outfits, auch seine Bewegungen sind bei den ikonischen Auftritten kaum vom Original zu unterscheiden. „Michael“ liefert als Biopic einen konventionellen, oberflächlichen und glattgebügelten Film ohne jeglichen Tiefgang. Der Stoff, der sich aus dem Leben und Schaffen von Michael Jackson speist, wird schön abgebildet – aber inhaltlich kaum durchdrungen und hört ausgerechnet dort auf, wo es erst richtig interessant wird. Die Songs sind zwar alle gewohnt eingängig, die Darsteller gut und die Produktion bis ins kleinste Detail hochwertig – aber leider wurden sämtliche Irritationen oder kritischen Töne gegenüber dem gottgesandten Superstar komplett aus dem Film genommen, sodass lediglich eine Dauerhuldigung seiner unbestreitbaren Leistungen übriggeblieben ist. Auch wenn der Kinosaal kein Gerichtssaal ist: Ein bitterer Beigeschmack bleibt bei dieser Art von Glorifizierung eines Pop-Erzengels. 

„Michael“, USA 2026, 127 Minuten, Regie: Antoine Fuqua, seit dem 22. April im Kino. 


Der Autor ist Priester im Erzbistum Köln und schreibt über Kultur. 

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Norbert Fink Antoine Fuqua Erzbistum Köln

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