Höhepunkte der Filmgeschichte

Korczak: Hingabe bis in den Tod

„Korczak“ (1990) von Andrzej Wajda – Teil 8 der Serie Höhepunkte der Filmgeschichte. Von José García
Filmszene aus "Korczak"
Foto: A. Waijda | Der Spielfilm „Korczak“ berührt durch seine Schwarz-Weiß-Aufnahmen des Warschauer Ghettos.

Der 1878 als Henryk Goldszmit in Warschau geborene Janusz Korczak ist als Schriftsteller, vor allem aber als Pädagoge bekannt. Sein Prinzip der Kinder-Selbstverwaltung äußert sich sowohl in seinem bekanntesten Kinderbuch „Der kleine König Macius“ als auch in der Gründung eines Kinderparlaments in seinem 1911 eingerichteten Waisenhaus.

Mit 200 Waisen ins Warschauer Ghetto

Nach dem Drehbuch von Agnieszka Holland erzählt der Spielfilm von Andrzej Wajda von den letzten Wochen in Korczaks Leben: Nach der Errichtung des Warschauer Ghettos zieht er mit „seinen“ 200 Waisenkindern dorthin. Korczak geht für seine Kinder betteln, sammelt Holz und Nahrungsmittel. Trotz der Umstände versucht er, den Kindern ein Gefühl für Gerechtigkeit und Toleranz zu vermitteln. Am 6. August 1942 wird das Ghetto geräumt. Korczak schlägt alle Möglichkeiten zur Flucht aus, und führt „seine“ Kinder zum Zug in das Vernichtungslager Treblinka. Verkörpert Wojtek Pszoniak den Waisenhausgründer zugleich zurückgenommen und mit großer Intensität, so verleihen die Schwarzweiß-Bilder dem Drama dokumentarischen Charakter. Der Film berührt durch seine Darstellung des Lebens im Ghetto, die mit Original-Filmbeiträgen etwa der damaligen Wochenschau unterlegt werden.

Die Filmbiografie zeichnet Korczak als einen Menschen, der sich für seine Schutzbefohlenen opfert. Zutiefst von seiner katholischen Erziehung geprägt, beschreibt Andrzey Wajda den Opfergang des Warschauer Reformpädagogen als Martyrium im christlichen Sinne. Die Idealisierung Korczaks, das Erhobenwerden seines Opferganges in eine „Heiligenlegende“ wird insbesondere in der letzten Szene deutlich, die als Traumbild oder eben als Wunder dargestellt wird: Die mit einer sakral-ähnlichen Musik unterlegten, durch Überbelichtung in ein unwirklich helles Licht getauchten und in Zeitlupe wiedergegebenen Bilder der aus dem Viehwaggon springenden, dann in eine vom Nebel umgebene Landschaft verschwindenden Kinder deuten auf eine Überhöhung, auf eine Vision hin – aber auch auf die Erfüllung im jenseitigen Leben. Die transzendente Sicht dieses Leidensweges verdeutlicht die christliche Deutung der Tat von Janusz Korczak, die Andrzej Wajda in seinem Film anbietet. Eine 59-minütige Dokumentation über Andrzej Wajda (1926–2016) aus dem Jahre 1989 ergänzt die DVD.

Korczak“. Polen. Großbritannien, Deutschland 1990, Regie: Andrzej Wajda, 113 Min., ASIN: 3848870304, EUR 13,14

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