Film & Kino

Julius Cäsar entwirft einen perfiden Plan

Gelungene Übertragung der klassischen Figuren und Abenteuer auf einen Animationsfilm: „Asterix im Land der Götter“. Von José García
Filmszene aus  „Asterix im Land der Götter“
Foto: universum

Seit mehr als fünfzig Jahren gehört Asterix zu den meistgelesenen Comics, nicht nur in Frankreich. Die Geschichten des einzigen gallischen Dorfes, das nach der in den Asterix-Heften völlig tabuisierten Schlacht bei Alesia im Jahre 52 vor Christus den Römern im Allgemeinen und Julius Cäsar im Besonderen Widerstand leistet, wurden bereits in 107 Sprachen und Dialekten gedruckt. Nach Frankreich, wo 130 Millionen Exemplare über den Ladentisch gingen, ist Deutschland das Land mit den meisten Asterix-Anhängern. Einschließlich des letzten, im Oktober 2013 erschienenen Hefts „Asterix bei den Pikten“, wurden in Deutschland 120 Millionen Asterix-Alben verkauft. Ganz gleich, ob sich die Handlung eines bestimmten Bandes im namenlosen gallischen Dorf oder in der Ferne (etwa „bei den Briten“, „bei den Belgiern“ oder „bei den Schweizern“) abspielt, kehren einige Ereignisse und Kommentare immer wieder, beispielsweise Obelix' Beteuerung, er sei nicht dick. Solche „Running Gags“ tragen wesentlich zum Erfolg der „Asterix“-Reihe bei.

Bereits in den sechziger Jahren wurden einige Asterix-Alben als Zeichentrickfilm adaptiert. Seit 1999 gab es vier Verfilmungen als Realfilm, immer mit Gérard Depardieu als Obelix. Trotz der Beteiligung berühmter Schauspieler, etwa Monica Bellucci, Alain Delon oder zuletzt Catherine Deneuve, hielt sich der Erfolg der vier Asterix-Realverfilmungen – zuletzt „Asterix und Obelix – Im Auftrag ihrer Majestät“ (2012) – in Grenzen. Nun startet im regulären Kinoprogramm der erste Asterix-Animationsfilm „Asterix im Land der Götter“, der auf dem 1971 erschienenen Band „Le Domaine des Dieux“ (deutsch „Die Trabantenstadt“, 1974) basiert.

Die Filmemacher Louis Clichy und Alexandre Astier nutzen die Möglichkeiten der computererzeugten Bilder bereits zu Beginn, als Julius Cäsar seinen Beratern sein neuestes Vorhaben vorführt, um die unerschrockenen Gallier doch noch zu besiegen: Anhand eines täuschend echten Modells erläutert Cäsar seinen Plan. Wenn die Gallier nicht auf dem Schlachtfeld zu besiegen sind, dann probiert es der römische Feldherr mit einer neuen Taktik: Direkt vor dem Tor des gallischen Dorfes soll eine römische Siedlung mit allen Finessen entstehen, die die ungehobelten Gallier durch die verfeinerte Lebensführung zähmen und in die römische Zivilisation integrieren soll.

Zum Bau der Trabantenstadt entsendet Cäsar seinen Baumeister Quadratus nach Gallien. Dieser hat allerdings nicht mit den besonders schwierigen Bedingungen gerechnet. Denn die Liebe zu den Bäumen von Obelix' kleinem Hund Idefix – ein immer wiederkehrendes Motiv in den Asterix-Alben – lässt den Druiden Miraculix einen Zaubertrank besonderer Art entwickeln: Wo ein Baum gefällt wird, wachsen über Nacht zwei neue. Bald verlangen darüber hinaus die als Bauarbeiter eingesetzten Sklaven eine Anpassung des Tarifvertrags. Weil diese aber ein versorgtes Leben bei den Römern der Freiheit vorziehen, entsteht doch noch die Trabantenstadt. Das gallische Dorf wird zur Touristenattraktion, wo römische Neureiche allerlei „Antiquitäten“ zu exorbitanten Preisen kaufen. Langsam lassen sich die einst wilden Gallier vom Reichtum bestechen. Irgendwann einmal ziehen sie sogar in die römische Stadt, um ein Leben im Luxus genießen zu können. Cäsars Plan scheint aufzugehen, wären da nicht die unbestechlichen Asterix und Obelix, die im ehemaligen Wald gar keine Wildschweine mehr finden.

Der Vorspann von „Asterix im Land der Götter“ stellt mit seinen Cartoon-mäßig gezeichneten Figuren eine Hommage an die Asterix-Bände dar. Wenn auch sie dann im Film vollplastisch wirken, verlieren sie jedoch nicht die Anmutung der gezeichneten Charaktere. Dennoch besitzen beispielsweise Helme, Schwerter, Panzerungen eine echt metallische Wirkung. Die 3D-Effekte überzeugen hingegen kaum. Obwohl sie naturgemäß den Bildern etwas mehr Tiefe verleihen, scheint der 3D-Einsatz kaum gerechtfertigt.

Zwar kann „Asterix im Land der Götter“ als eigenständiger Animationsfilm auch von Zuschauern verstanden werden, die Asterix nicht kennen. Der Film enthält aber eine ganze Reihe Motive aus den Asterix-Bänden, von der Wildschweinjagd über die Versuche des Obelix, zusammen mit allen anderen Dorfbewohnern vom Zaubertrank zu trinken, bis zu den Schlägereien zwischen dem Schmied Automatix und dem Fischhändler Verleihnix sowie natürlich die Jagd auf die römischen Soldaten. Wie bereits häufig in den Asterix-Bänden gibt es auch Zitate, so etwa in dem Satz „Hier kommt keiner vorbei“, der sich als eine Anspielung auf Gandalf im ersten „Der Herr der Ringe“-Film ausnimmt. Die hervorragende Figurenzeichnung wird von der gelungenen Synchronisation (Milan Peschel als Asterix, Charlie Hübner als Obelix) sowie von der spaßigen Filmmusik (etwa „Sara perché ti amo“ von Ricchi e Poveri) bestens unterstützt.

Zwar kann der Film von Astier und Clichy gesellschaftskritisch als Widerstand gegen die Übernahme durch eine fremde Kultur beziehungsweise als Kritik gegen die Verweichlichung durch Wohlstand verstanden werden. In erster Linie ist „Asterix im Land der Götter“ jedoch eine gelungene Übertragung der Figuren und Abenteuer, die seit mehr als einem halben Jahrhundert sowohl ein junges als auch ein erwachsenes Publikum begeistern, auf die große Leinwand.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Weitere Artikel
Themen & Autoren
Das Römische Reich Gérard Depardieu Jesus Christus Julius Caesar

Kirche

Karl-Heinz Menke analysiert den „Orientierungstext“ des Synodalen Wegs. Dieser sei „durchzogen von nicht nur tendenziösen sondern auch falschen Behauptungen“.
26.09.2022, 14 Uhr
Vorabmeldung
Wie ich beim Sommerfest der KISI — God? singing Kids – im österreichischen Altmünster Christus begegnete
26.09.2022, 11 Uhr
Dorothea Schmidt