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George Lucas: Imperator der Träume

Der „Star Wars“- und „Indiana Jones“-Erfinder feiert seinen 80. Geburtstag.
George Lucas, „Star Wars“- und „Indiana Jones“-Erfinder
Foto: Jordan Strauss (AP) | George Lucas, Regisseur und Produzent aus den USA. Am 14. Mai wird er 80 Jahre alt.

In den mittleren 1960er-Jahren steckte das klassische Hollywood-Kino nach der sogenannten „Goldenen Ära“ des Studiosystems in einer seiner größten Krisen. Aus dieser Zeit des Umbruchs erhoben sich eine Reihe von „Autorenfilmern“, die sich vor allem an François Truffaut und Ingmar Bergman orientierten und unter dem Sammelbegriff „New Hollywood“ bekannt wurden: Von Peter Bogdanovich bis Woody Allen, von John Cassavetes bis Roman Polański und Miloš Forman, von Arthur Penn bis Sam Peckinpah und Michael Cimino, von Terrence Malick bis Sidney Lumet und Sydney Pollack – diese (und andere) Namen prägten eine neue Ära des Filmschaffens.

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Natürlich gehören auch Francis Ford Coppola, Martin Scorsese und George Lucas dazu, dessen von Coppola produzierter zweiter Spielfilm „American Graffiti“ (1973) ein großer Erfolg wurde. Die Geschichte, die Lucas im Anschluss an seinen ersten Ausflug ins Science-Fiction-Genre, „THX 1138“ (1971), erzählte, spielt sich in einer einzigen Nacht im Sommer 1962 ab und folgt vier Freunden, die ihren College-Abschluss feiern und über ihre Zukunft nachdenken müssen. Doch mehr als die Handlung überzeugte die Charakterzeichnung – sowie der für Nostalgie sorgende Rock-and-Roll-Soundtrack, der vorzugsweise aus im Film vorbeifahrenden Autoradios erklang.

Mit „Star Wars“ veränderte sich das Kinoerlebnis

Noch größer war der Erfolg für den am 14. Mai 1944 in Modesto, Kalifornien geborenen George Walton Lucas Jr. mit seinem nächsten Film, der sowohl kommerziell als auch technisch neue Maßstäbe setzte: „Krieg der Sterne“ (1977, später in „Star Wars – Episode IV: Eine neue Hoffnung“ umbenannt) stieß in ganz neue Dimensionen vor. Er wurde nicht nur zum ersten „Blockbuster“ in der Kinogeschichte, sondern schuf auch ein wegweisendes Vermarktungskonzept: Neben dem Spielfilm gibt es eine stetig wachsende Produktpalette von der Filmmusik über Bilderbücher und Romane bis hin zu Merchandising-Produkten, Video- und DVD-Formaten sowie PC-Spielen.

Der Film machte George Lucas zu einem der einflussreichsten Filmschaffenden der Gegenwart. Denn „Krieg der Sterne“ wurde nicht nur zu einem Filmereignis, sondern auch zu einem „Teil der amerikanischen Mythologie“ („Süddeutsche Zeitung“). Visuell übertraf er alles bisher im Kino Gesehene um Lichtjahre, und schuf eine neue Bildersprache für die Darstellung des Weltalls im Film, die bis dahin mit Stanley Kubricks „2001 – Odyssee im Weltraum“ verbunden war. Bereits der rollende Textteppich, der in den Film ein- und tief, tief ins Weltall hinausführte, erntete Bewunderung.

Schaffung völlig neuartiger Spezialeffekte

Für die Schaffung völlig neuartiger Spezialeffekte gründete Lucas die Firma „Industrial Light & Magic“, deren Innovationen aus dem heutigen Hollywood-Kino nicht mehr wegzudenken sind. Der Film machte auch das Dolby-System berühmt und ebnete den Weg für das THX-System und die digitale Tontechnik.

Rückblickend kann festgestellt werden: Kaum ein Film hat im vergangenen halben Jahrhundert die Sehgewohnheiten der Zuschauer und die Kinowelt so nachhaltig beeinflusst wie „Krieg der Sterne“.

Inspiriert von Akira Kurosawa und Tolkien

Obwohl die formale Umsetzung neuartig war, konnte George Lucas inhaltlich auf Vorbilder zurückgreifen. Die Inspiration für den Urkampf zwischen Gut und Böse holte er sich von Akira Kurosawas „Die verborgene Festung“ und wohl auch von J.R.R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“. Die Charaktere waren sympathisch, allen voran der Haudegen Han Solo (Harrison Ford, den diese Rolle weltberühmt machte).

Und die Bösen waren richtig böse: Einen wie Darth Vader hatte man lange nicht mehr im Kino gesehen. Er schien die „dunkle Seite der Macht“ für sich gepachtet zu haben. Einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg der Filmreihe lieferte zudem Komponist John Williams, dessen eingängige Kompositionen zum Wiedererkennungseffekt der Filmreihe beitrugen.

Von Han Solo zu Indiana Jones

Das Prinzip der Fortsetzungen erfand zwar nicht erst Lucas, aber er investierte den Gewinn aus „Krieg der Sterne“ in seine nächsten Filme „Das Imperium schlägt zurück“ („Star Wars – Episode V“, 1980) und „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ („Star Wars – Episode VI“, 1983). Später lieferte Lucas in den Jahren 1999 bis 2005 eine „Prequel-Trilogie mit den Episoden I bis III. Im Jahr 2012 verkaufte er seine Firmengruppe Lucasfilm mit den Rechten an „Star Wars“ für mehr als vier Milliarden US-Dollar an die Walt Disney Company.

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Vor den Dreharbeiten zu „Krieg der Sterne“ besprach George Lucas mit dem Drehbuchautor Philip Kaufman die Idee zu einem möglichen Film über einen abenteuerlustigen Archäologen. Nach dem Kinostart von „Krieg der Sterne“ traf George Lucas auf Steven Spielberg, der auf der Suche nach einem neuen Projekt war, worauf ihm Lucas „Jäger des verlorenen Schatzes“, das erste Indiana-Jones-Abenteuer, anbot.it vier Oscars ausgezeichnet

Spielberg sagte zu und engagierte Lawrence Kasdan, um das Drehbuch zu Ende zu schreiben. Insgesamt drei Jahre wurde am endgültigen Drehbuch gearbeitet, und Lucas konnte sich somit seinen Traum vom abenteuerlustigen Film-Archäologen erfüllen. Spielberg übernahm die Regie und Lucas fungierte als Produzent – und „Jäger des verlorenen Schatzes“ wurde 1981 zum umsatzstärksten Film des Jahres und später mit vier Oscars ausgezeichnet. Die Zusammenarbeit zwischen den „Wunderkindern“ des New Hollywood fand in Harrison Ford einen Hauptdarsteller, der die Figur des draufgängerischen Gelehrten noch in vier Fortsetzungen kongenial verkörperte.

Der reichste Mann Hollywoods

Ab 1992 arbeitete Lucas als Autor und Produzent an der Fernsehserie „Die Abenteuer des jungen Indiana Jones“, die unter anderem eine Golden-Globe-Nominierung erhielt und zwölf Emmys gewann. Für den vierten Teil der Indiana-Jones-Saga „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ (2008) schrieb George Lucas die Geschichte; er arbeitete am Drehbuch mit und ist neben Spielberg als Regisseur dessen Produzent. Besonders erwähnenswert ist auch, dass Lucas zusammen mit Coppola im Jahr 1980 „Kagemusha – Der Schatten des Kriegers“ von Akira Kurosawa produzierte. Der Film gewann die Goldene Palme der Filmfestspiele von Cannes, und wurde für zwei Oscars nominiert.

Die Filmakademie der Vereinigten Staaten zeichnete George Lucas, trotz seiner Nicht-Mitgliedschaft in der „Academy of Motion Picture Arts and Sciences“ bei der 64. Oscarverleihung am 30. März 1992 mit dem Irving G. Thalberg Memorial Award aus. Das „American Film Institute“ ehrte George Lucas für sein Lebenswerk 2005. Beim diesjährigen Filmfestival von Cannes wurde ihm der Ehrenpreis (Palme d'or d?onneur) überreicht. Zudem gilt der Produzent, Regisseur und Autor mit einem Vermögen von 5,5 Milliarden US-Dollar als reichster Mann Hollywoods.


George Lucas wird am 14. Mai 80 Jahre alt.

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