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Die Wiederkehr des Zauberers

Das Filmpublikum erwartet gespannt den vielleicht letzten Film von Steven Spielberg als Regisseur – Rückblick und Ausblick.
Vor 50 Jahren kam „Der weiße Hai“ in die Kinos und begründete Steven Spielbergs Weltruhm.
Foto: IMAGO/CAP/NFS (www.imago-images.de) | Vor 50 Jahren kam „Der weiße Hai“ in die Kinos und begründete Steven Spielbergs Weltruhm.

Seit über fünf Jahrzehnten prägt der Filmemacher, der am 18. Dezember dieses Jahres 80 Jahre alt wird, das kollektive Bildgedächtnis der Menschheit: Steven Spielberg gilt als der erfolgreichste Regisseur der Filmgeschichte und als Miterfinder des modernen Blockbuster-Kinos. Als Regisseur mit den höchsten Einspielergebnissen aller Zeiten wurde er in seiner Karriere bereits 22-fach für den Oscar nominiert und ist der bisher erste und einzige Regisseur, der in sechs Jahrzehnten (1970er- bis 2020er-Jahre) jeweils für den Oscar nominiert wurde. Gewonnen hat er den begehrten Filmpreis dreimal. Seine Filme sind keine bloßen Unterhaltungsmedien; sie sind moderne Mythen, die universelle menschliche Ängste, Sehnsüchte und Hoffnungen widerspiegeln und stark autobiografisch geprägt sind. Das Genie Spielbergs liegt in seiner einzigartigen Fähigkeit, als Regisseur, Produzent und Drehbuchautor technische Innovation, kommerzielles Gespür, Historie und tief empfundene Humanität miteinander zu verknüpfen. Er steht wie kaum ein anderer Filmemacher für ein Kino des Staunens und der Magie. Dabei begann Spielbergs Karriere zu Beginn der 1970er-Jahre in einer Ära des Umbruchs in Hollywood. Mit „Duell“ (1972) und „Sugarland Express“ (1974) erzielte er bereits erste Achtungserfolge. Doch erst mit „Der weiße Hai“ (1975) schuf er nicht nur einen nervenzerreißenden Tierhorror-Klassiker, der Zuschauer bis heute das Fürchten lehrt, sondern revolutionierte gleichzeitig die Marketingstrategien Hollywoods und erfand durch den großen kommerziellen Erfolg des Films den Sommerblockbuster. Kurz darauf definierte er mit „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ (1977) und „E.T. – Der Außerirdische“ (1982) das Sci-Fi-Genre neu. Während das Genre zuvor oft von dystopischen Zukunftsängsten und dem Umgang mit dem Kalten Krieg geprägt war, wurde die Begegnung mit UFOs und Aliens bei Spielberg nicht von Zerstörungswut begleitet, sondern von kindlicher Neugier und Staunen, von dem Wunsch nach Verständigung zwischen allen Wesen und der Faszination für das Einbrechen des Wunderbaren in unsere triste Welt.

Ganz normale Helden

Denn hinter den spektakulären Spezialeffekten und dem Überwältigungskino verbarg sich bei Spielberg stets auch ein intimes, oft autobiografisch gefärbtes Familiendrama über ängstliche Kinder und abwesende Väter. Seine Filmhelden waren keine unfehlbaren Muskelmänner; es waren Schullehrer, Archäologen mit Bindungsängsten oder Kinder aus zerrütteten Verhältnissen. Die US-amerikanische Vorstadt diente ihm dabei als immer wiederkehrende Kulisse. Sie war ein Ort der vermeintlichen Sicherheit, der jedoch durch das Einbrechen des Fantastischen oder des Horrors erschüttert wird. Ein zentrales Leitmotiv seines Schaffens war und ist auch die Abwesenheit oder Entfremdung des Vaters, eine direkte Reflexion der traumatischen Scheidung seiner Eltern. In „E.T.“ sucht der junge Elliott in dem Außerirdischen einen Ersatz für den fortgezogenen Vater. In „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ (1989) treibt die Aussöhnung zwischen Vater und Sohn die gesamte Handlung voran. In seinem Spätwerk, im autobiografischen Drama „Die Fabelmans“ (2022), blickt Spielberg schließlich mit der Milde des Alters auf diese familiären Wunden zurück und seziert die schmerzhafte Geburt des Künstlers aus dem Zerfall seines Elternhauses.

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Seine filmische Emanzipation begann jedoch schon über 35 Jahre vorher. Mitte der 1980er- und vor allem Anfang der 1990er-Jahre vollzog er eine große innere Wandlung vom filmischen Eskapismus zum ernsthaften Film, eine Reifung, die ihm viele Kritiker bis dahin nicht zugetraut hätten. Nach ersten erfolglosen Versuchen mit „Die Farbe Lila“ (1985) und „Das Reich der Sonne“ (1987), ins dramatische Fach zu wechseln und als ernstzunehmender Regisseur anerkannt zu werden, schuf er mit „Schindlers Liste“ (1993) ein monumentales, tief bewegendes Meisterwerk über den Holocaust. Spielberg, der selbst bekennender Jude ist, verzichtete auf seine gewohnte filmische Opulenz, wählte ein dokumentarisch anmutendes Schwarzweiß und stellte sich der moralischen Verantwortung, das Unvorstellbare darzustellen. Im selben Jahr, in dem er mit „Jurassic Park“ erneut Kinorekorde brach, bewies er, dass er sowohl der König des Unterhaltungseskapismus ist – als auch ein ernstzunehmender Chronist der Menschheitsgeschichte. Diese historische Verantwortung setzte er schließlich auch mit „Amistad“ (1997) und „Der Soldat James Ryan“ (1998) fort. Die ersten zwanzig Minuten, die die Landung der Alliierten in der Normandie zeigen, gelten als die realistischste und unbarmherzigste Darstellung des Krieges, die je auf Zelluloid gebannt wurde. Spätere Werke wie „München“ (2005), „Lincoln“ (2012) oder „Die Verlegerin“ (2017) unterstrichen zudem sein politisches und historisches Engagement sowie sein großes Interesse an moralischen Wendepunkten der Menschheitsgeschichte. Steven Spielberg ist als visueller Erzähler der ultimative Magier des Kinos, weil er die Mechanismen des Filmemachens perfekt beherrscht. Seine Zusammenarbeit mit dem legendären Filmkomponisten John Williams hat zudem Melodien hervorgebracht, die für immer unvergesslich bleiben.

Wieder ein Science-Fiction-Film

Man kann Spielberg durchaus einen Hang zum Sentimentalen vorwerfen, doch diese Sentimentalität entspringt einem tiefen und unerschütterlichen Glauben an das Gute im Menschen, selbst angesichts des größten Terrors und Horrors. Spielberg hat uns gelehrt, Angst vor dem tiefen Wasser zu haben, dem Unbekannten mit Offenheit zu begegnen, den Himmel nach Sternschnuppen abzusuchen und die Vergangenheit niemals zu vergessen.

Die heutige Filmindustrie wäre undenkbar ohne ihn. Er hat das Kino der letzten 50 Jahre nicht nur stark geprägt und für immer verändert – er hat es für Generationen von Zuschauern definiert. Nun kehrt der Magier nach vierjähriger Leinwandpause mit seinem neuesten Sci-Fi-Film „Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit“ wieder ins Kino zurück. Es ist eine Rückkehr zu seinen Wurzeln, denn in seinem neuesten Werk, das jetzt in den Kinos läuft, geht es erneut um UFOs und Außerirdische und damit um tiefsitzende Menschheitsängste und das Einbrechen des Unbekannten in unsere Welt. Diese steht plötzlich am Rand einer historischen Offenbarung, als Beweise auftauchen, die die Existenz außerirdischen Lebens zweifelsfrei belegen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt und gegen jene, die die Offenbarung der Wahrheit um jeden Preis verhindern wollen. Wird Spielberg an seine früheren Erfolge anknüpfen können und eine neue Generation zum Staunen bringen? Die Wahrheit wird sich bald zeigen!

Kritik und Bewertung folgen online.


Der Autor ist Priester im Erzbistum Köln und schreibt regelmäßig Filmkritiken.

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