Deutliche Überzeichnung eines Politikers

Mit seinem Film „Vice – Der zweite Mann“ macht Adam McKay kein Hehl daraus, dass er Dick Cheney für eine beispiellos skrupellosen Politiker hält. Von José García
Garcías Filmtipp: "Vice"
Foto: universum | Der 11. September 2001 verändert die Politik des Vizepräsidenten Dick Cheney (Christian Bale). Wie an anderen Wendepunkten seines Lebens spielt auch hier seine Frau Lynne (Amy Adams) eine entscheidende Rolle.

„Woran glauben wir?“ fragt Dick Cheney (Christian Bale), frischgebackener Praktikant im Weißen Haus, seinen Mentor Donald Rumsfeld (Steve Carell), woraufhin dieser einfach in Gelächter ausbricht. Mit dieser plakativen Szene zeichnet Drehbuchautor und Regisseur Adam McKay in seinem Spielfilm „Vice – Der zweite Mann“ nicht nur seine Hauptfigur, den späteren Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten, sondern auch den nachmaligen Verteidigungsminister als skrupellose Politiker, für die nur die Macht zählt.

Regisseur McKay hält mit seiner Meinung nie hinterm Berg

Adam McKay hält in keinem Augenblick mit seiner Meinung hinterm Berg. Eine kurze Szene im Jahre 1963, die später als Rückblende etwas erweitert wird, zeigt Dick Cheney als „Taugenichts“ oder „faule Sau“. Erst der Ehrgeiz seiner Frau Lynne (Amy Adams) macht aus ihm einen Politiker, der „das Leben von Millionen Menschen veränderte.“

Sehen Sie hier den Trailer zum Film.

Drehbuchautor und Regisseur Adam McKay setzt alle möglichen visuellen und erzählerischen Mittel ein – von Dokumentaraufnahmen über Split Screen (Leinwandaufteilung), Shakespeare-Zitate und einen Off-Erzähler, dessen Zusammenhang mit Cheney sich erst gegen Ende des Filmes erschließt, bis zu einem „Fake“-Ende mitten im Film.

Die Überzeichnung von Präsident Bush kippt ins Karikaturhafte

Allerdings schlägt McKay mehrfach über die Stränge: Manch ein Einfall wirkt einfach albern, die Überzeichnung etwa des Präsidenten George W. Bush (Sam Rockwell) kippt ins Karikaturhafte um. An manchen Stellen konterkariert die triumphalistische Musik die Aussage des Filmes, die sich in einem Satz zusammenfassen lässt: Mit Hilfe seiner Rechtsberater habe es Dick Cheney geschafft, die US-Verfassung so zu interpretieren, dass die Exekutive und damit auch er eine beinahe diktatorische Macht erlangt habe.

In „Vice – Der zweite Mann“ überzeugen vor allem die Darsteller: Nicht nur Christian Bale, der für die Rolle einen Golden Globe gewann und für die Oscars nominiert ist, sondern etwa auch Amy Adams und Steve Carell verschmelzen in erstaunlicher Weise mit ihrer jeweiligen Rolle.

DT

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