Film & Christentum

Auch Superheldenfilme können christlich sein

Die biblischen Motive in „Black Adam“ und „Black Panther: Wakanda Forever“ sind unübersehbar, sagt unser Autor Norbert Fink.
"Black Panther"
Foto: Marvel Studios | Das Warten auf den Nachfolger von König T'Challa (Chadwick Boseman) nimmt in „Black Panther: Wakanda Forever“ adventliche Züge an.

Während Christen im Advent noch auf ihren Retter warten, geben sich die Retter dieser Welt im Kino gerade die Klinke in die Hand. Dabei sehen die Lichtspielhäuser schwarz – aber nicht vor lauter schwarzer Zahlen (das ist seit Beginn der Corona-Pandemie längst nicht mehr der Fall), sondern vor lauter Kinohelden-Figuren, die zeigen: „Black Titles matter“.

„Dennoch bleiben alle Helden, trotz dieser Erkenntnis,
weiterhin zwiespältige Figuren, die nicht frei sind von Eigeninteressen
und falschen Entscheidungen“

Ob „Black Adam“ oder auch „Black Panther“ – diese dunklen Helden der Leinwand sind auch ihre Lichtbringer, nicht nur kommerziell. Denn sie sind durchaus so etwas wie Trostspender beziehungsweise Seismographen für die Erlösungsbedürftigkeit unserer Welt, die sich nach Helden sehnt, die stellvertretend für uns die Kämpfe um Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden ausfechten und unsere Welt immer wieder vor der totalen Zerstörung retten. Wer sind diese beiden Helden und was macht sie aus?

Am Anfang von „Black Adam“ steht zwar nicht die Geschichte von Adam und Eva, aber er beginnt immerhin mit einem ähnlich lange zurückliegenden Rückblick: Etwa 5 000 Jahre vor unserer Zeit ist Kahndaq ein Land, in dem Frieden und Wohlstand herrschen. Doch dann reißt ein neuer König die Macht an sich und zwingt seine Untertanen in die Sklaverei, bis ihm ein mächtiger Gegner namens Teth-Adam, gespielt von US-Superstar Dwayne Johnson, entgegentritt und der Unterdrückung zunächst ein Ende setzt. Anleihen an die Figur von Moses und den Exodus der Israeliten aus Ägypten, sind hier überdeutlich.

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5 000 Jahre später in unserer Gegenwart wird Kahndaq von einer internationalen Söldnertruppe kontrolliert. Als eine Wissenschaftlerin mit den Söldnern aneinandergerät und notgedrungen Teth-Adam aus seinem Schlaf erweckt, in den er von anderen mächtigen Wesen versetzt wurde, ruft sie die „Justice Society Of America“ (JSA) auf den Plan, die in Black Adam eine Bedrohung für den Frieden in der Welt sieht. Aber auch die JSA muss im Laufe des Films dazulernen, denn Black Adam ist zwar zunächst ein Anti-Held, aber seine Figur macht aufgrund verschiedener Erfahrungen eine tiefgreifende Wandlung durch. Am Ende zeigt Black Adam auf, dass nicht Rache und Vergeltung, sondern nur der Weg der Nächstenliebe, der Vergebung und der selbstlosen Hingabe die Welt zum Besseren verändern können.

Die gleiche Erkenntnis steht im Grunde auch am Ende des Marvel-Films „Black Panther: Wakanda Forever“. Nachdem der erste „Black Panther“-Film 2018 zu einem sensationellen Erfolg für die Marvel Studios und für Hauptdarsteller Chadwick Boseman als Black Panther wurde, war schnell klar, dass ein zweiter Teil kommen musste. Was jedoch niemand kommen sah, war, dass Chadwick Boseman vor Beginn der Dreharbeiten sterben würde: Er erlag im August 2020 im Alter von 43 Jahren einer langjährigen Krebserkrankung, die er vor der Weltöffentlichkeit bis zum Schluss geheim hielt. Darauf musste das komplette Drehbuch umgeschrieben werden und die Öffentlichkeit fragte sich, wie man wohl den Tod Bosemans in die neue Story integrieren würde und wer wohl dann der neue Black Panther sein könnte.

 

 

Ein Schauspieler stirbt. Wie wird das im Film umgesetzt?

Der Tod des Black Panther und die gespannte Erwartung auf einen neuen Black Panther ziehen sich von daher folgerichtig wie ein roter Faden durch die Handlung des Films. Der Film trägt aufgrund seiner schwierigen Entstehungsgeschichte eine schwere Bürde, die er aber gut meistert. Es ist ein sehr persönlicher Film geworden, der sensibel mit dem tatsächlichen Tod seiner Hauptfigur umgeht und viel spirituelle Tiefe im Umgang mit Trauer, Verlust und Abschied aufzeigt.

Und so beginnt der Film auch mit einem flehentlichen Gebet, das Shuri, die Schwester von Black Panther T´Challa, zu ihrem Gott spricht, damit er ihr hilft, ihren Bruder vor dem Tod zu retten. Doch die Rettung von oben bleibt aus und ihr Bruder stirbt an einer nicht näher genannten Krankheit. Die Todesnachricht wird ihr von ihrer Mutter, Königin Ramonda, überbracht, indem sie ihr mitteilt: „Dein Bruder ist jetzt bei unseren Vorfahren.“ Allein diese Aussage macht schon deutlich, aus welcher Hoffnung und aus welchem Glauben die Königin lebt: Für sie ist ihr Sohn nicht nur einfach tot und damit nicht mehr da, sondern er lebt jetzt bei ihren gemeinsamen Vorfahren.

„Black Panther“ plädiert für das Ewige Leben

Dieser Ahnenglaube spiegelt sich auch an vielen weiteren Stellen im Film wider und wird wunderschön in der Trauerzeremonie für König T´Challa dargestellt: Alle Beteiligten tragen bei der Prozession des königlichen Sargs weiße Gewänder, danken, tanzen und singen ihrem verstorbenen Helden. Die Trauer über den Abschied vermischt sich mit Dankbarkeit und Freude darüber, dass ihr König nun bei ihren Vorfahren ist und von da aus für sie eintritt. Am Ende der Abschiedszeremonie sieht man sogar wie der Sarg von König T´Challa, in einer Art Himmelfahrt, in den Himmel emporgehoben wird und verschwindet.

Königin Ramonda wird nicht müde immer wieder zu betonen, dass ihr Sohn zwar tot, aber nicht fort ist, weil der Tod nicht das Ende ist, sondern eine neue Verbindung zu den Liebsten schafft und ihre Präsenz fühlbar bleibt, obwohl sie physisch nicht mehr da sind. Prinzessin Shuri teilt diesen Glauben nicht: Sie ist Wissenschaftlerin und der Glaube ihrer Mutter ist für sie nur naive Vertröstung, die der Vernunft widerspricht. Sie ist in ihrem Herzen gebrochen und enttäuscht von Gott, denn er hat ihr nicht geholfen ihren Bruder zu retten. Deshalb stellt sie auch seine Existenz sowie den Glauben an ein Leben nach dem Tod in Frage. Ihre Trauer wandelt sich schließlich in Wut und die Wut in den Wunsch Rache zu nehmen und die Welt in Brand zu setzen.

Sie bleiben fehlbare Menschen - trotz Läuterung

Hier ähnelt Shuri dem Charakter des Black Adam, der ebenfalls zuerst von seinem Vergeltungswunsch geläutert werden muss, bevor aus dem Anti-Helden eine Retterfigur werden kann. Shuri wie auch Black Adam lernen, dass Vergeltung den Menschen nur von innen her zerfrisst und allein Gnade, Erbarmen und Versöhnung unsere Welt retten. Dennoch bleiben alle Helden, trotz dieser Erkenntnis, weiterhin zwiespältige Figuren, die nicht frei sind von Eigeninteressen und falschen Entscheidungen. Denn letztlich sind sie auch nur göttliche Menschen, aber eben nicht Gott.

Auch wenn einige der großen Blockbuster-Filme unserer Tage „Black“ im Titel anführen, so malen sie uns dennoch keine dunkle Zukunft aus, sondern zeigen uns Figuren, die mit inneren und äußeren Dunkelheiten ringen, um für uns zu Lichtfiguren zu werden, die uns nichts weniger lehren, als den Weg des Kampfes gegen die Versuchungen des Bösen zu gehen und an dabei an den Sieg des Guten zu glauben.


Der Autor ist Jugendpfarrer im Erzbistum Köln
und betrachtet auf seinem YouTube-Kanal „Christ in Cinema“  Film- und Serienhits aus katholischer Perspektive.

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