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Zurück zu den Graswurzeln 

  Die Kirche täte gut daran, sich in ihrer eigenen Organisationsstruktur auf ein Grundprinzip der katholischen Soziallehre zu besinnen, meint Tobias Klein. 
In den neuen Großpfarreien gerät das kleine ehrenamtliche Engagement schnell aus dem Blick - der Wurzel christlichen Gemeindelebens.
Foto: shamils via imago-images.de (www.imago-images.de) | In den neuen Großpfarreien gerät das kleine ehrenamtliche Engagement schnell aus dem Blick - der Wurzel christlichen Gemeindelebens.

Neujahrsempfänge sind ihrer Natur nach vor allem repräsentative Anlässe, werden jedoch gerade im kirchlichen Bereich gern auch genutzt, um das ehrenamtliche Engagement von Gemeindemitgliedern zu würdigen. Umso mehr sorgte es jüngst für Unmut, dass in einer Berliner Großpfarrei, die hier ungenannt bleiben mag, ehrenamtliche Mitarbeiter keine Einladung zu einem solchen Neujahrsempfang erhielten. Teilweise wurde dies darauf zurückgeführt, dass sich seit dem Zusammenschluss dreier Gemeinden zu einer Großpfarrei der Fokus dieser Veranstaltung verschoben habe und nun eher die Vernetzung mit Vertretern aus Politik und Zivilgesellschaft im Vordergrund stehe. Zum Teil hieß es aber auch, man wisse im Zentralbüro der Großpfarrei schlicht nicht, wer an den einzelnen Gemeindestandorten ehrenamtlich tätig sei. Andernorts, so hört man, führen Pfarreifusionen dazu, dass lokale Handwerksbetriebe, die jahrelang verlässlich Arbeiten an einzelnen Kirchenstandorten ausgeführt haben, keine Aufträge mehr erhalten, weil die neuen Verwaltungsleitungen der Großpfarreien es für effizienter halten, nur noch eine einzige Firma mit sämtlichen Arbeiten an allen Standorten zu beauftragen. 

Zu viel Ordnung, zu viel Regelung

Der Trend zur Verwaltungszentralisation in der Kirche zeigt sich jedoch nicht nur in der Bildung von Großpfarreien (zuweilen in eigentümlich leninistischer Diktion als „Pfarreien neuen Typs“ bezeichnet), sondern auch darin, dass bestimmte Aufgaben den Pfarreien vollständig entzogen und an neu gegründete Zweckverbände delegiert werden. Man könnte den Eindruck gewinnen, die Kirche missachte in ihrer eigenen Organisationsstruktur ein Grundprinzip der katholischen Soziallehre – nämlich das der Subsidiarität. Über dieses heißt es in der Enzyklika Quadragesimo anno von Papst Pius XI. (1931), „das, was die kleineren und untergeordneten Gemeinwesen leisten und zum guten Ende führen können“, solle diesen überlassen bleiben und nicht an übergeordnete Strukturen delegiert werden. 

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Gewiss ließe sich hier einwenden, die Verwaltungszentralisation in der Kirche diene gerade dem Subsidiaritätsprinzip, indem sie die einzelnen Gemeinden von Aufgaben entlaste, die ihre Kräfte überstiegen. Die Folge ist jedoch vielfach ein aufgeblähter Verwaltungsapparat, der sowohl von den praktischen Erfordernissen der Arbeit an der Basis als auch vom geistlichen Auftrag der Kirche weitgehend entkoppelt ist, zunehmend Ressourcen für sich selbst bindet – und zugleich eine Ressource nachhaltig schädigt, die die Kirche dringend benötigt: die Motivation und Eigeninitiative, die Kreativität und Kompetenz der ehrenamtlich engagierten Gemeindemitglieder. In diesem Sinne diagnostizierte die Religionssoziologin Maren Lehmann bereits 2008, „Reformversuche der Kirche als Organisation“ kränkten häufig daran, „nach zu viel Ordnung und zu viel Regelung“ zu streben, und regte an, die Kirche sei womöglich besser beraten, nach „brauchbarer Unordnung“ zu suchen. 


Der Autor lebt und arbeitet als freier Autor und Übersetzer, Ehemann und Vater von zwei Kindern in Berlin. 

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Tobias Klein Katholische Soziallehre Pius XI. Päpste

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