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Wir feiern Gottes Macht 

Der Sieg des Auferstandenen: Christen sollen sich der Ungeheuerlichkeit eines allmächtigen Gottes bewusst sein. 
Nicht nur Bräutigam, sondern auch König mit göttlicher Autorität: Gott ist die Liebe - und er ist allmächtig. Tschenstochau, Polen 19. Juli 2023: Schwarze Christusstatue mit dreifacher goldener Krone.
Foto: IMAGO/imageBROKER/Hilda Weges (www.imago-images.de) | Nicht nur Bräutigam, sondern auch König mit göttlicher Autorität: Gott ist die Liebe - und er ist allmächtig. Tschenstochau, Polen 19. Juli 2023: Schwarze Christusstatue mit dreifacher goldener Krone.

Vor kurzem machte ich unter einigen Gottesdienstbesuchern eine Umfrage: Welche der Eigenschaften Gottes halten Sie für die wichtigste? Die meisten nannten die Liebe. Das ist tatsächlich die zentrale Aussage des Neuen Testaments über Gott: „Gott ist die Liebe“ (1 Joh 4,8). Ich bin froh, dass diese Botschaft bei unseren Gläubigen angekommen ist! Umso mehr könnte man sich wundern, dass sie im Credo fehlt. Weder im Apostolischen noch im Nizänisch-Konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis kommt das Wort „Liebe“ vor. Die einzige Eigenschaft Gottes, die erwähnt wird, ist seine Allmacht: „Credo in Deum, Patrem omnipotentem …“ Doch der dadurch entstehende Eindruck, dass Gottes Liebe unter den Tisch falle, täuscht. In Wirklichkeit ist von ihr auf Schritt und Tritt die Rede, nämlich in der Schilderung dessen, was Gott für uns getan hat: Um unseretwillen ist Er Mensch geworden und hat für uns gelitten. Das sind Taten der Liebe! Aber auch die Allmacht offenbart sich in Taten, nämlich in der Auferstehung. Jesus selbst bekennt: Ich habe Macht, mein Leben hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen (Joh 10,18). 

Allmacht im Dienst der Liebe

Liebe und Macht gehören zusammen. In einer Zeit, die misstrauisch auf extreme Machtgefälle reagiert, wird die Rede von Gottes Allmacht als bedrohlich empfunden. Doch der Liebe erweist man dadurch einen Bärendienst, denn nur dank der Allmacht wird sie zu einer siegreichen Liebe. Liebe bedeutet: Gott will uns retten; Allmacht bedeutet: Gott kann uns retten. Ohne Liebe ist Macht grausam, ohne Macht ist Liebe hilflos. Deshalb ist die Auferstehung des Herrn die notwendige Vollendung seines Erlösungswerks. Sie zeigt, dass sein Tod keine Niederlage, sondern ein Sieg war. Seine Macht bewirkt, dass seine Liebe für uns ein Grund zur Freude wird. Ohne Macht würde sie uns nichts nützen. Aber es geht noch weiter: Wenn seine Macht seinen Tod in einen Sieg verwandelt, dann ist es wiederum seine Liebe, die diesen Sieg zu einem Geschenk an uns macht. Die Liebe ist die Königin, die Macht ihr Diener. Die Liebe bestimmt, zu welchem Zweck die Macht eingesetzt wird. Allmacht im Dienst der Liebe: Das ist Gottes Wesen, wie es sich im Wirken Jesu offenbart. 

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Jesu Sieg wird zu unserem Sieg, seine Auferstehung zum Unterpfand unserer Auferstehung. Sie schenkt uns eine freudige Siegesgewissheit – auch in Situationen äußerster Ohnmacht. Das zeigen uns die Märtyrer, etwa die heilige Blandina, die im zweiten Jahrhundert den wilden Tieren vorgeworfen wurde. Über sie berichtet Eusebius, dass sie „freudig, ja jubelnd“ ihrem Martyrium entgegeneilte. „Man hätte meinen können, sie gehe nicht zum Kampf mit Bestien, sondern sei eingeladen zu einem Hochzeitsmahl.“ Deshalb wurde die Auferstehung des Herrn zum wichtigsten Gegenstand der frühchristlichen Verkündigung. Augustinus hat recht, wenn er schreibt: „Darin liegt nichts Besonderes, zu glauben, dass Jesus gestorben ist; das glauben auch die Heiden (…) Der Glaube der Christen ist: die Auferstehung Christi. Das halten wir für das Entscheidende: dass wir an Seine Auferstehung glauben!“ 


Der Autor ist Ordensgeistlicher und gehört der Priesterbruderschaft St. Petrus an.  

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