Ukrainekrieg

Wie ein Krieg das Genderprojekt entlarvt

Was gestern aus ideologischen Gründen als intellektuell anschlussfähig galt, kann sich über Nacht als Luxusproblem entpuppen. Was ist nach der Invasion Russland in die Ukraine noch dran an der Geschlechtergerechtigkeit?
Gendersternchen mit Schriftzug *Innen und Duden
Foto: Christian Ohde via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Irgendwann musste der hochideologisierte Versuch scheitern, den Menschen von seiner Biologie und seiner Evolutions-DNA zu emanzipieren, meint Josef Kraus.

In einer Zeit, in der Putin einen Vernichtungskrieg gegen die Ukraine durchzieht, entpuppen sich manche Ideologieprojekte des Westens, gerade auch Deutschlands, als Luxusprobleme, die wie Seifenblasen zerplatzen. Denn wie man an den dramatischen Bildern aus der Ukraine erkennt, brechen im Kampf ums Überleben umgehend archaische Muster durch: Männer greifen zu den Waffen und verteidigen ihr Land. Mütter tun alles, um ihre Kinder zu retten.

Man kann den Menschen nicht von seiner Biologie trennen

"Geschlechtergerecht" ist diese Rollenverteilung nach Lesart der Staats-, Medien- und Kirchen-Genderisten nicht. Aber irgendwann musste der hochideologisierte und mit mehr als 200 "Gender"-Professuren hochdotierte Versuch scheitern, den Menschen von seiner Biologie und seiner Evolutions-DNA zu emanzipieren. Dass es dazu eines grausamen Krieges bedurfte, hat sich außerhalb von Moskau und Minsk niemand gewünscht. Aber wenn dieser Vernichtungskrieg Putins bei allem menschlichen Leid und bei allen katastrophalen Folgen doch noch einen klitzekleinen positiven Effekt haben soll, dann den, dass der Westen und im besonderen Deutschland, aus einer "woken" Verblendung aufwacht.

Lesen Sie auch:

Auf die Gefahr hin, eines Biologismus geziehen zu werden, sei festgehalten: Die Biologie lässt sich nicht betrügen. Männer sind - siehe Sport - kräftiger, ausdauernder, schneller. Sie sind aufgrund ihrer hormonellen Ausstattung aggressiver und risikofreudiger. Das hilft ihnen dabei, sich und vor allem ihre Familien, ihre Frauen, ihre Kinder und ihr Land gegen Aggressoren zu verteidigen. Klar, das sei nicht vergessen, Männer sind auch diejenigen, die Kriege anzetteln: Um sich zu beweisen, um ihre Gene zu verbreiten, um reich zu werden, um sich in die Geschichtsbücher einzutragen. Aber gegen solche Aggressionen hilft wiederum nur ein männlich-wehrhafter Widerpart. Da kann man noch so viel von "feministischer Außenpolitik" schwadronieren, wie es die "Ampel" im Koalitionsvertrag vom 7. Dezember 2021 festschrieb: "Gemeinsam mit unseren Partnern wollen wir im Sinne einer Feminist Foreign Policy Rechte, Ressourcen und Repräsentanz von Frauen und Mädchen weltweit stärken und gesellschaftliche Diversität fördern." Putin und seinem Verbrecherclub kann man damit nicht beikommen. Es wäre   gehen wir in die Geschichte   kein Napoleon, kein Hitler, kein Stalin, kein Mao, kein Pol Pot mit "feministischer" Politik zu stoppen gewesen.

Können Frauen einen Krieg stoppen?

Können Frauen einen Krieg dennoch stoppen? Laut Aristophanes (ca. 450 bis ca. 380 vor Christus) ja, wenn sie nämlich die "Lysistrata" geben. So der Titel einer Komödie aus dem Jahr 411 vor Christus. Hintergrund: Der endlos lange Peloponnesische Krieg zwischen Athen und Sparta (431 404 vor Christus) wurde in der Aristophanischen Komödie durch die Auflösung des Heers beendet. Die Frauen haben sich den kriegstreibenden Männern nämlich sexuell verweigert und mit Liebesentzug Frieden geschaffen.

Zurück zur "Natur" der Männer: Wenn es nach den Säulenheiligen des Genderismus geht, zum Beispiel der amerikanischen Gendertheoretikerin Judith Butler (*1956), gibt es überhaupt kein biologisches Geschlecht. Denn "Geschlecht" sei durch Sprache und Erziehung erzeugt, nicht durch die Natur. Das Geschlecht werde auch nicht durch ein X- oder Y-Chromosom erzeugt, schon gar nicht durch einen Schöpfergott. Sich selbst widersprechend, ist Butlers Männerbild dann aber doch biologistisch geprägt: Männer hätten einfach ein falsches Chromosom, das für die Produktion von Testosteron verantwortlich sei. An nordamerikanischen Universitäten ist denn auch ein Kampf gegen vermeintlich toxische Männlichkeit angesagt. "Gender" hat dort und mittlerweile auch in Deutschland den Charakter einer säkularen Religion angenommen. Es geht um Mythen von Gleichheit in Diversität.

Offenbar ist auch die Bundeswehr von solcher Ideologie infiziert. Implantiert hat dieses "Denken" die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die 67 Ministermonate lang nichts unversucht ließ, eine "gendergerechte" Bundeswehr zu schaffen, ehe sie zur EU-Kommissionspräsidentin befördert wurde. Stichworte: Die Einführung von Schwangerenuniformen und Kitas. Die Tauglichmachung von Panzern für Schwangere. Oder: Wenn sie wie 2014 ein Schiff der Bundesmarine im Hafen von Beirut besuchte, dann mussten für ein Pressefotos erst einige Frauen ins Bild gebracht werden.

Wäre die gegenderte Form "Hauptmännin"?

Oder nehmen wir den Versuch von der Leyens, Texte partout geschlechtergerecht abzufassen. Daraus sind - entgegen dem Gebot klarer und knapper militärischer Ansagen - Satzungetüme wie die folgenden im Erlass "Traditionspflege" vom 28. März 2018 geworden: "Traditionspflege und historische Bildung sind Führungsaufgaben. Sie liegen in der Verantwortung der Inspekteure beziehungsweise Inspekteurinnen und Leiter beziehungsweise Leiterinnen der Organisationsbereiche der Bundeswehr sowie insbesondere der Kommandeure beziehungsweise Kommandeurinnen, Dienststellenleiter beziehungsweise Dienststellenleiterinnen und Einheitsführer beziehungsweise Einheitsführerinnen." Von der Leyens Nachfolgerin Kramp-Karrenbauer wollte offenbar daran anknüpfen: Es gab Versuche, die Dienstgrade zu "gendern": Generalin, Leutnantin   Gescheitert ist die Sache an "Hauptmann". Wäre die gegenderte Form "Hauptmännin" oder gar eine muslimisch-kultursensible "Hauptfrau" geworden"? Übrigens: Die Nordamerikaner sind da schon weiter: Dort gibt es als Helden nicht nur den "hero" - da steckt ja angeblich das maskuline Personalpronomen "he" drin -, sondern man hat gegen jede Sprachlogik auch eine "shero".

Josef Kraus

Zurück zur Bundeswehr: Die Gender-Verirrungen setzten sich nach der Amtszeit von der Leyens fort. In Stellenausschreibungen wurde aus "Panzerkommandant" angeblich geschlechtergerecht "Teamleitung Panzertruppe": Zwischenzeitlich wurde die "Einmannpackung" (EPA als Verpflegungspackung draußen im Feld) umbenannt in "Einpersonenpackung". Der neue Name soll   so die offizielle Version - der sprachlichen Gleichstellung von Soldatinnen und Soldaten dienen. Apropos "Diversität": Mittlerweile hat die Bundeswehr als politisch gewollt "diverse" Truppe bereits eine Trans-Frau als Oberstleutnant, der/die sich auf Youtube mit folgender Aussage inszenierte: "Ich lasse mich gern v**eln in Darkrooms." "Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes" will sich die Spitze des Bendlerblocks nicht dazu äußern.

Frauen dürfen nur freiwillig Dienst an der Waffe tun

Aufschlussreich ist die Geschichte der "Soldatinnen" und der Bundeswehr: Im Jahr 1956 wurde eine Wehrpflicht eingeführt, gekoppelt mit der Möglichkeit, den Kriegsdienst aus Gewissensgründen zu verweigern. Frauen durften nicht zu einer Dienstleistung in den Streitkräften verpflichtet werden. Im Jahr 1968 kam als Regelung hinzu: Kann im Verteidigungsfalle der Bedarf an zivilen Dienstleistungen im zivilen Sanitäts- und Heilwesen sowie in der ortsfesten militärischen Lazarettorganisation nicht auf freiwilliger Grundlage gedeckt werden, so können Frauen durch Gesetz zu derartigen Dienstleistungen herangezogen werden. Sie dürfen auf keinen Fall Dienst mit der Waffe leisten. Letztere Regelung wurde 2000 aufgrund eines Urteils des Europäischen Gerichtshofes zur Gleichberechtigung von Frauen im Grundgesetz modifiziert: Frauen dürfen in der Bundeswehr nicht nur in den medizinischen Dienst oder in den Musikdienst; sie dürfen aber auf keinen Fall zum Dienst mit der Waffe verpflichtet werden. Das heißt: Freiwillig dürfen sie Dienst an der Waffe tun.

Ergebnis: Aus 4.564 weiblichen Bundeswehrangehörigen im Jahr 2000 (damals entsprechend 1,43 Prozent der Gesamtstärke) wurden bis zum Jahr 2020 konkret 23 066 weibliche Angehörige (entsprechend 12,5 Prozent der Gesamtstärke). Und auch wenn es mittlerweile die eine oder andere Kampfpilotin in einem Jet oder einem Hubschrauber gibt: Militär ist und bleibt eine Männerdomäne "Geschlechtergerechtigkeit" und Sprachverrenkungen hin oder her.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Polens Präsident Duda spricht im ukrainischen Parlament. Was sich zwischen den Nachbarländern derzeit abspielt mutet an wie eine Liebesgeschichte, die in Europa ihresgleichen sucht.
23.05.2022, 11  Uhr
Stefan Meetschen
Themen & Autoren
Josef Kraus Russlands Krieg gegen die Ukraine

Kirche

Weil der deutsche Katholizismus trotz Auflösungserscheinungen Wortführer in der Gesellschaft bleiben will, wird der Glaube beschwiegen. Der Missionsauftrag bleibt auf der Strecke.
25.05.2022, 19 Uhr
Christoph Böhr
Der Moskauer Patriarch beschädigt mit seiner Kriegstreiberei nicht nur sein eigenes Image, sondern die Glaubwürdigkeit der christlichen Verkündigung.
25.05.2022, 11 Uhr
Stephan Baier
Am Samstag können Sie sich zusammen mit der Tagespost-Volontärin Emanuela Sutter über Ihre Erfahrungen mit dem Katholikentag und über Themen rund um die Tagespost unterhalten.
25.05.2022, 12 Uhr
Redaktion
Religionsunterricht weiter gut besucht. Kirchensteuer wird kritisch gesehen. Für katholische Schulen wäre eine zweckgebundene Spende eine gute Alternative.
25.05.2022, 08 Uhr
Vorabmeldung