„Wir sind die Ersten mit Eintrittskarten?“ Ungläubig blickt das Ehepaar über den Domplatz, als es nach dem Kauf der Tickets für die Kölner Kathedrale plötzlich vom Hausherrn des Gotteshauses begrüßt wird. Dompropst Monsignore Guido Assmann freut sich über die Reaktion der Touristen aus Dänemark. „Wir kennen das nicht anders, das ist bei uns in vielen Kirchen üblich“, sagt Henrik Kryger und blickt angesichts des Interesses um ihn herum verwundert auf seine Einlasskarte. Seine Frau Henriette ergänzt: „Auf unseren Reisen haben wir das auch in anderen Ländern erlebt, zuletzt in Barcelona.“ Weil es für die Dänen am Tag nach ihrem Köln-Aufenthalt gleich nach Belgien weitergehen sollte, hatten sie sich schon eine Viertelstunde vor Öffnung vor dem Gebäude eingefunden, in dem die Karten verkauft werden. Der Normalpreis: zwölf Euro – etwa so viel wie eine Kinokarte.
Ralf S. (63) aus Rostock findet das Eintrittsgeld „völlig in Ordnung“. In anderen Ländern würden deutlich höhere Eintrittspreise verlangt; das habe er dieser Tage beim Besuch der Kathedrale in Antwerpen gemerkt. „Es geht einfach nicht anders, um dieses wunderbare Gebäude zu erhalten.“ Ein 78-jähriger Mann aus Bad Godesberg pflichtet ihm bei: „Die Kirche kann nicht alles umsonst anbieten.“ Sein 23-jähriger Enkel widerspricht indes: „Ich komme gerade aus Rom, und da kann ich jederzeit kostenfrei in den Petersdom gehen.“
Konzentration auf das Eigentliche
Gabriele Göddertz hat für solche Reaktionen durchaus Verständnis. „Es ist ja ein Gotteshaus und kein Museum.“ Außerdem sei es für sie als Kölnerin emotional schwierig, „dass ich nicht mehr so spontan in meinen Dom gehen kann“. Andererseits verstehe sie, dass mit dem seit dem 1. Juli geltenden neuen Besichtigungskonzept ein Beitrag zur Bauunterhaltung geleistet werde. Noch wichtiger ist ihr etwas anderes: „Vielleicht trägt das ja auch zur Beruhigung gerade während der Heiligen Messen bei.“ Seit vielen Jahren stört sie das mitunter lautstarke und würdelose Auftreten der Touristen.
Wie berechtigt diese Hoffnung ist, ließ sich noch am Tag vor der Einführung des Ticketings erleben: Bis kurz vor Beginn der Abendmesse schlenderten zahlreiche Touristen lautstark, gestikulierend und manchmal mit dem Mobiltelefon am Ohr durch die Kathedrale. Immer wieder mussten Domschweizer Besucher bitten, die Würde des Ortes zu respektieren – und sei es nur mit der dezenten Aufforderung, die Baseballkappe abzunehmen. Keine 24 Stunden später bot sich ein anderes Bild: „Es ist eine Atmosphäre, die einem Gotteshaus gebührt“, beschreibt es ein älteres Ehepaar (65, 74). Die beiden, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchten, haben den Eindruck, dass die Besucher mit Eintrittskarte „viel bewusster den Dom aufsuchen und sich dementsprechend verhalten“.
Die beiden Kölner engagieren sich seit vielen Jahren im Zentral-Dombau-Verein (ZDV), der sich seit 1842 um die Bauerhaltung kümmert und jährlich etwa 60 Prozent der laufenden Kosten trägt. Seine Mitglieder sind – ebenso wie Kinder und Jugendliche bis 13 Jahre sowie Menschen mit Behinderung samt Begleitperson – von der Besichtigungsgebühr ausgenommen. Generell kostet die Besichtigung des Innenraums nun zwölf Euro. Schüler mit Begleitperson, Studenten, Auszubildende sowie Inhaber eines nordrhein-westfälischen Sozialpasses zahlen sechs Euro. Von Dreikönig (6. Januar) bis zum darauffolgenden Sonntag – im kommenden Jahr wären das beispielsweise fünf Tage – werden keine Gebühren erhoben. Kostenfrei zugänglich bleibt der Dom außerdem am 1. Mai, am Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober), an den Tagen der Dreikönigswallfahrt im September sowie bei der „Nacht der offenen Kirchen“ im März.
Reichlich Diskussionsbedarf
„Aufgrund der zahlreichen Ausnahmen und Ermäßigungen rechnen wir mit geringeren Durchschnittseinnahmen pro Besucher“, sagt Domrendant Clemens van de Ven. Er verteidigt das seit Monaten weit über Köln hinaus diskutierte Besichtigungskonzept für Deutschlands meistbesuchtes Bauwerk: „Wir stehen vor der Aufgabe, nicht nur die laufenden Kosten für Erhalt und Betrieb der Kathedrale zu decken, sondern auch Vorsorge für künftige Anforderungen zu treffen und notwendige Rücklagen aufzubauen.“ Am 1. Juli wurden 2.900 Besucher gezählt – signifikant weniger als der bisherige Tagesdurchschnitt von rund 16.000. Pro Jahr besuchen rund sechs Millionen Menschen das Gotteshaus. 500 Tickets wurden über das Internet, circa 2.400 an der neuen Kasse vor Ort erworben. Damit habe der Dom am Premierentag sein Ziel erreicht, „rund die Hälfte der 44.000 Euro, die täglich für den Erhalt und Unterhalt der Kathedrale benötigt werden, durch Eintrittspreise zu erwirtschaften“. Eine erste Analyse ist für Anfang Januar 2027 angekündigt.

In den vergangenen Jahren musste das Domkapitel immer wieder auf Rücklagen zurückgreifen, um Erhalt und Betrieb der gotischen Kathedrale zu finanzieren. Beispiel 2024: In jenem Jahr betrugen die Kosten insgesamt 14,2 Millionen Euro. Zur Deckung kamen 200.000 Euro von der Stadt Köln, 2,7 Millionen Euro vom Erzbistum Köln, 1,3 Millionen Euro aus Kollekten, 2,6 Millionen Euro aus den Eintrittskarten für Turmbesteigung und Schatzkammer sowie 4,3 Millionen Euro vom ZDV. Unter dem Strich blieb ein Minus von gut drei Millionen Euro. Dompropst Guido Assmann unterstreicht: „Die neue Besichtigungsgebühr dient nicht dem Profit, sondern dem existenziellen Erhalt der Kathedrale.“
Viel Zeit hatte sich der Geistliche in den ersten Tagen genommen, um bei seinen Rundgängen zwischen Ticketshop, Nord- und Hauptportal das Aufsichtspersonal zu unterstützen und mit Besuchern ins Gespräch zu kommen. Als sich ein junger Mann mit riesigem Rucksack suchend in der Nähe des Hauptportals aufhält, geht Assmann direkt auf ihn zu: „Kann ich Ihnen behilflich sein? Darf ich fragen, woher Sie kommen?“ – „Aus Südkorea“, antwortet der Reisende und lässt sich erklären, wie er in die Kathedrale hineinkommt. So genau habe er das nämlich noch nicht verstanden. Das findet das erwähnte Kölner Ehepaar nachvollziehbar: „Manches ist noch nicht zu Ende gedacht, und insbesondere die Hinweisschilder zum Ticketladen sind für Ortsunkundige eher irreführend denn richtungsweisend.“ Diese Beobachtung wollten die Eheleute später auch an Dombaumeister Peter Füssenich weitergeben. „Wir sind froh und dankbar für solche Hinweise, denn sie können uns nur helfen, das Konzept frühzeitig anzupassen“, sagt der Leiter der Dombauhütte und bittet um Verständnis: „In den ersten Wochen müssen sich die Abläufe einspielen.“
Wer zum Gebet in den Dom möchte, etwa um eine Kerze vor der berühmten Schmuckmantelmadonna zu entzünden oder eine liturgische Feier zu besuchen, erhält über den Nordeingang weiterhin kostenlos Einlass. „Der kostenfreie Zugang zum Gebet ist ein wesentlicher Bestandteil des Besuchskonzepts, denn: Der Dom ist und bleibt ein Gotteshaus“, stellt der Medienreferent des Domkapitels, Markus Frädrich, unmissverständlich klar. Es werde freilich viel Fingerspitzengefühl bei Domschweizern und Aufsichtspersonal nötig sein, um zwischen Touristen – etwa 99 Prozent der Besucher – und Betern zu unterscheiden.
Kritische Stimmen
Ob das klappt? Der Prior des Zisterzienserklosters Langwaden, Pater Bruno Robeck, gibt sich in einem „spirituellen Zwischenruf“ für die „Rheinische Post“ skeptisch. Eintrittsgeld für eine Kirche zu verlangen, sei unpassend: „Man müsste sich doch freuen, wenn möglichst viele Leute kommen – auch und gerade als Touristen. Die Kirche wirkt auf alle, und jeder geht mit neuen Erfahrungen aus dem Gotteshaus hinaus.“
Auch die frühere Dombaumeisterin und amtierende Präsidentin des ZDV, Professorin Barbara Schock-Werner, sieht das Eintrittsgeld kritisch: „Ich finde es generell sehr, sehr bedauerlich, dass man überhaupt Eintritt für den Dom nimmt. Erstens war ich immer der Meinung: Es muss auch nicht-kommerzielle Räume geben. Man sollte nicht für alles bezahlen müssen – am wenigsten für den Besuch in der Kirche“, schreibt sie auf der Internetseite des Vereins. Seit bekannt wurde, dass der Dom zur Besichtigung nur noch gegen eine Gebühr zugänglich sein wird, verzeichnet der 1842 gegründete Verein Mitgliedsanträge im vierstelligen Bereich.
Im Gespräch mit der DT zog Monsignore Assmann drei Tage nach dem Start des neuen Besichtigungskonzepts gleichwohl „eine sehr positive Bilanz“. Befürchtungen, es könne zu chaotischen Situationen kommen, hätten sich nicht bewahrheitet. „Besonders erfreulich waren die zahlreichen Rückmeldungen von Besuchern, die die Atmosphäre im Innenraum des Kölner Domes als spürbar ruhiger und würdevoller beschrieben haben. Einige kamen nach ihrem Rundgang sogar noch einmal zur Kasse zurück, um unseren Mitarbeitenden persönlich zu erzählen, dass sie den Dom auf eine neue und besonders intensive Weise erlebt hätten.“
Das Autorenehepaar publiziert zu Kunst und Kultur im Rheinland.
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