Die Urlaubssaison hat begonnen – und übertrifft laut Prognosen den Vor-Corona-Stand von 2019 deutlich. Einer der wichtigsten Wachstumsmärkte: der Wildlife-Tourismus. Weltweit wurde im letzten Jahr dafür die unvorstellbare Summe von 195 Milliarden US-Dollar ausgegeben. Elefanten in Kenia, Büffel in Kanada, Wale vor Island: Hauptsache exotisch. Die großen Tiere wärmen unser Herz. Und alles mit dem Öko-Siegel für nachhaltigen Fremdenverkehr.
Mit der eigenen Fauna gehen wir oft weniger respektvoll um als mit den Tieren ganz weit weg. Hiking und Biking in Gebirgswäldern vertreiben das scheue Wild, rücksichtslose Gewässernutzung an Seen und Flüssen auch in empfindlichen Uferbereichen gefährdet Laichgebiete und seltene Vogelvorkommen. Neunauge und Fischreiher, Bitterling und Bachstelze sind nun mal für viele weniger aufregend als Buckelwale.
Deutliche Anleihen am katholischen Ritus
Apropos Wale: Am Ernst Deutsch-Theater in Hamburg wurde gerade im zeitgenössischen Stück „Timmy – Die Hope stirbt zuletzt“ ein Wal ans Kreuz genagelt, begleitet von einem Requiem auf der Bühne mit deutlichen Anleihen an den katholischen Ritus. In der vermeintlichen Rettungsaktion für „Timmy“ verbanden sich an der deutschen Ostseeküste Kitsch und Dekadenz mit bodenloser Ignoranz. Das verdient zu Recht harte Kritik, gern auch von der Bühne. Dass dabei auch die Kirche angeklagt wird als scheinbar beteiligter Akteur an zweifelhaften Tierschutzaktionen, ist barer Unsinn.
Das Gegenteil ist richtig: Immer schon und besonders im laufenden Franziskus-Jahr 2026 ist es die Kirche, die auf vielerlei Art darauf hinweist, dass der Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung eine Aufgabe insbesondere für Christen darstellt. Mit konsumistischem Tourismus in Wildreservate und einem pathetischen Krankentransport für Meeressäuger hat das wenig zu tun. Respekt vor der Schöpfung beginnt schon im Vorgarten – und endet nicht nach dem Urlaub im Naturschutzgebiet.
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