Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar

Wal am Kreuz

In der Urlaubssaison gilt es auch, den Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung wahrzunehmen. Der beginnt schon im Vorgarten – und endet nicht nach dem Urlaub im Naturschutzgebiet.
Wal vor der Küste Argentiniens
Foto: IMAGO / Anadolu Agency | Wildlife-Tourismus, wie etwa Whale-Watching, hat Hochkunjunktur. Dabei gilt es aber, den christlichen Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung wahrzunehmen.
Die Urlaubssaison hat begonnen – und übertrifft laut Prognosen den Vor-Corona-Stand von 2019 deutlich. Einer der wichtigsten Wachstumsmärkte: der Wildlife-Tourismus. Weltweit wurde im letzten Jahr dafür die unvorstellbare Summe von 195 Milliarden US-Dollar ausgegeben. Elefanten in Kenia, Büffel in Kanada, Wale vor Island: Hauptsache exotisch. Die großen Tiere wärmen unser Herz. Und alles mit dem Öko-Siegel für nachhaltigen Fremdenverkehr.
 
Mit der eigenen Fauna gehen wir oft weniger respektvoll um als mit den Tieren ganz weit weg. Hiking und Biking in Gebirgswäldern vertreiben das scheue Wild, rücksichtslose Gewässernutzung an Seen und Flüssen auch in empfindlichen Uferbereichen gefährdet Laichgebiete und seltene Vogelvorkommen. Neunauge und Fischreiher, Bitterling und Bachstelze sind nun mal für viele weniger aufregend als Buckelwale.

Deutliche Anleihen am katholischen Ritus

Apropos Wale: Am Ernst Deutsch-Theater in Hamburg wurde gerade im zeitgenössischen Stück „Timmy – Die Hope stirbt zuletzt“ ein Wal ans Kreuz genagelt, begleitet von einem Requiem auf der Bühne mit deutlichen Anleihen an den katholischen Ritus. In der vermeintlichen Rettungsaktion für „Timmy“ verbanden sich an der deutschen Ostseeküste Kitsch und Dekadenz mit bodenloser Ignoranz. Das verdient zu Recht harte Kritik, gern auch von der Bühne. Dass dabei auch die Kirche angeklagt wird als scheinbar beteiligter Akteur an zweifelhaften Tierschutzaktionen, ist barer Unsinn.
 
Das Gegenteil ist richtig: Immer schon und besonders im laufenden Franziskus-Jahr 2026 ist es die Kirche, die auf vielerlei Art darauf hinweist, dass der Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung eine Aufgabe insbesondere für Christen darstellt. Mit konsumistischem Tourismus in Wildreservate und einem pathetischen Krankentransport für Meeressäuger hat das wenig zu tun. Respekt vor der Schöpfung beginnt schon im Vorgarten – und endet nicht nach dem Urlaub im Naturschutzgebiet.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Henry C. Brinker

Kirche

Thommy Schott ist mehr als ein Anwalt. Der fünffache Familienvater setzt sich mit seinem Verein Pro Fide Ecclesiae auch für seinen Glauben ein.
24.07.2026, 09 Uhr
Regina Einig
Tech-Milliardär Peter Thiel ist fasziniert vom Antichristen und sieht in Papst Benedikt XVI. einen zögerlichen Verbündeten. Was dabei völlig fehlt, ist ein Blick in den Spiegel.
24.07.2026, 13 Uhr
Sebastian Ostritsch
Die Bischöfe stecken in einer lähmenden Doppelbindungssituation zwischen Vorgaben Roms und synodalen Erwartungen in Deutschland. Marx gibt diesen Konflikt an seine Seelsorger weiter.
23.07.2026, 07 Uhr
Benjamin Leven
Sie haben Fragen, er hat es nicht eilig: Nach der Empfehlung des Münchner Erzbischofs zugunsten von Segensfeiern für irreguläre Beziehungen regt sich erstmals Unmut im Klerus.
23.07.2026, 07 Uhr
Jakob Ranke
Die Ruhr-Universität Bochum und die Universität Duisburg-Essen wollen eine gemeinsame Katholisch-Theologische Fakultät gründen. Dabei hat der Vatikan ein Wort mitzureden.
23.07.2026, 15 Uhr
Benjamin Leven