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Quo vadis, humanitas?

Auch im Vatikan tut man sich schwer, über Fragen zu technischen Entwicklungen letztgültig zu entscheiden. Mittelpunkt bleibt der Mensch.
David Engels
Foto: privat | Der Althistoriker und "Tagespost"-Kolumnist David Engels sieht ein Zeitalter des Cäsarismus heraufziehen.

Die rasante Entwicklung von künstlicher Intelligenz, Biotechnologie und digitalen Netzwerken hat eine Frage neu aufgeworfen, die in einer vom Fortschrittsoptimismus geprägten westlichen Öffentlichkeit lange als erledigt galt: Was ist eigentlich der Mensch? Trans- und posthumanistische Denkrichtungen verstehen technologische Innovation nicht mehr nur als Werkzeug zur Verbesserung menschlicher Lebensbedingungen, sondern als Mittel zur grundlegenden Umgestaltung der menschlichen Natur selbst. Während der Transhumanismus eine technische Erweiterung menschlicher Fähigkeiten verspricht, entwirft der Posthumanismus eine Zukunft, in der die Grenze zwischen Mensch und Maschine zunehmend verschwimmt. Sobald jedoch der menschliche Körper zum Objekt technischer Optimierung wird und Intelligenz wie Bewusstsein als algorithmisch reproduzierbare Prozesse erscheinen, geraten jene anthropologischen und geistigen Grundlagen ins Wanken, auf denen die abendländische Kultur seit Jahrhunderten ruht. 

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Vor diesem Hintergrund hat die Internationale Theologenkommission des Vatikans mit dem Dokument „Quo vadis, humanitas?“ endlich eine langerwartete erste Stellungnahme der Kirche vorgelegt. Ausgangspunkt ist eine einfache, aber grundlegende Einsicht: Technologische Machbarkeit kann nicht der letzte Maßstab für die Zukunft des Menschen sein. Die christliche Anthropologie versteht den Menschen als Einheit von Leib und Seele, eingebettet in Natur, Gesellschaft, Geschichte und Transzendenz. Das Leben ist dabei kein rein mechanisches Konstrukt, sondern eine Berufung zum Göttlichen hin, und Fortschritt erhält nur Sinn, wenn er dieser umfassenderen Orientierung dient. In diesem Licht erscheinen trans- und posthumanistische Projekte als Kulmination der gefährlichen Hybris der Moderne: die menschliche Natur als technisches Problem zu behandeln statt als moralische und geistige Aufgabe. 

Wir Menschen sind gefordert 

Das Dokument entwickelt daher eine positive christliche Anthropologie, in der der Mensch als Geschöpf verstanden wird, dessen Existenz sich in einem Spannungsfeld von Freiheit, Verantwortung und Beziehung entfaltet. Der Körper mit all seinen Herausforderungen ist integraler Bestandteil der Person und kann ebenso wenig – wie in der Gnosis – auf das austauschbare Vehikel eines übergeordneten Bewusstseins reduziert werden, wie Letzteres als bloße Rechenleistung statt als göttliche Schöpfung zu betrachten ist. Menschliches Leben vollzieht sich im Raum von Gemeinschaft, Geschichte und Sinn, und seine Würde ergibt sich somit nicht aus der Fähigkeit, die eigene Natur technisch zu überwinden, sondern aus der Teilnahme an einer von Gott geschaffenen Ordnung. 

Gleichwohl bleibt die Stellungnahme bewusst zurückhaltend. Sie formuliert zwar grundlegende Prinzipien, vermeidet jedoch weitgehend, konkrete Grenzen für technologische Entwicklungen aufzuzeigen – gerade in Kernfragen wie der Genetik oder der Verschmelzung von Mensch und Maschine. Diese Vorsicht ist verständlich, lässt jedoch eine gewisse Spannung zurück: Genau zu bestimmen, wo technologische Innovation in gefährliche Hybris umschlägt, liegt letztlich an uns Menschen in dieser Zeit. 

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