Herr Sarasin, durch Michel Foucaults Werk scheint sich eine Frage zu ziehen: Wer bestimmt darüber, wie der Einzelne zu leben hat? Ja, die tiefste Kontinuität ist im Grunde seine persönliche Frage: Wie kann ein Arzt, ein Priester, ein Richter, ein Polizist, ein Gefängnisaufseher – oder wer es auch sein mag, der Macht ausübt – mir sagen, wie ich zu leben habe? Was ist das für ein „Gesetz“, das angeblich mein Leben organisieren soll? Im Gefängnisbuch von 1975 untersucht er daher, welche disziplinierenden Kräfte auf das Subjekt einwirken, um es überhaupt als solches hervorzubringen. Und im Spätwerk fragt er, schon deutlich anders gewendet: Welche Techniken gibt es, um mich in den Freiräumen oder Lücken der Macht ein ...
Michel Foucalt – Godfather of woke?
Am 15. Oktober wäre Michel Foucault 100 Jahre alt geworden. Der Foucault-Forscher Philipp Sarasin über den liberalen Grundimpuls des französischen Denkers und die falsche Vereinnahmung durch linke Identitätspolitiker.
