Gegen den Wunsch und Willen ihres Intendanten, des Schweizer Regisseurs Milo Rau, haben die Wiener Festwochen beschlossen, den US-Tech-Milliardär Peter Thiel, Mitgründer von PayPal und Palantir, wieder auszuladen. Rau hatte Thiel, der als Transhumanist und Unterstützer von US-Vizepräsident JD Vance gilt, eingeladen, sich am kommenden Sonntag in Wien einer Debatte zum Thema „Armageddon und Antichrist? Von der Theologie zur Realpolitik“ mit dem Innsbrucker katholischen Theologen Wolfgang Palaver zu stellen. Die Geschäftsführung der Festwochen befand am Samstagabend nach einer intensiven öffentlichen Debatte und massiver Kritik aus Reihen von Künstlern und Intellektuellen, die Debatte mit Thiel abzusagen.
In seiner Eröffnungsrede zum sogenannten „Glaubenstribunal“ hatte Milo Rau am Freitagabend gemeint, es „wäre nicht nur dumm, diese Debatte nicht zu führen, es wäre verrückt“. Demgegenüber hatte der Leiter des Tribunals, der Menschenrechtsanwalt Wolfgang Kaleck, dafür plädiert, „diesen Menschen in Wien keine weitere Bühne zu bieten“, denn Leute wie Thiel seien „dabei, die Welt in Unheil zu stürzen“. Auch der deutsche Talkmaster, Publizist und Ex-Politiker Michel Friedman sagte: „Peter Thiel ist ein Mann, der Jagd auf Andersdenkende macht.“ Deshalb habe er „hier nichts zu suchen“. Er habe sogar selbst überlegt, seine Teilnahme wegen Thiel abzusagen, aber „ich denke nicht daran – soll denn Herr Thiel das letzte Wort haben?“
Vorwürfe gegen Intendant Milo Rau
Das wird nun jedenfalls nicht der Fall sein, denn Peter Thiel kommt bei den Wiener Festwochen gar nicht zu Wort. „Ich nehme die kritischen Stimmen sehr ernst“, so Intendant Rau in seiner Begründung der Absage. Aus seiner Verantwortung für das Gesamtprogramm müsse er sich „leider gegen die geplante Veranstaltung mit Peter Thiel entscheiden, obwohl ich diese extrem spannend“ gefunden hätte. Rau selbst sah sich im Vorfeld mit Vorwürfen konfrontiert, er nehme mit Thiel die Aufmerksamkeit von anderen Kunstschaffenden, ziehe berufliche Vorteile aus der Einladung und biete einem faschistoiden Machtdespoten eine Bühne. Ausschlaggebend für die Absage soll gewesen sein, dass immer mehr Beteiligte des künstlerischen Programms absagten.
Der Innsbrucker Theologe Wolfgang Palaver, der am 7. Juni mit Thiel hätte debattieren sollen, kritisierte die Absage gegenüber der kirchlichen Nachrichtenagentur „Kathpress“: Er habe den Eindruck, dass viele Medien und Menschen nicht „kapieren“ würden, was Thiel überhaupt mache. „Es ist wichtig zu verstehen, wie Menschen, die so große Macht haben, ticken, denn guten Widerstand und alternative Modelle kann man nur dann fördern, wenn man sich nicht mit groben Etiketten zufriedengibt“, so Palaver.
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