Pop und christlicher Glaube

Justin Bieber: Auferstehung eines Popstars

Justin Bieber hat neben seinen musikalischen Rekorden auch immer wieder mit Skandalen auf sich aufmerksam gemacht. Inzwischen ist er bekannt dafür, über den christlichen Glauben zu sprechen. Von der Gottessuche eines Popstars.
Justin Bieber: Meister der religiösen Gesten auf  Instagram
Foto: Instagram | Meister der religiösen Gesten: Justin Bieber steht zu seinen Tatoos und zeigt offen seinen Glauben an Jesus Christus.

Man sagt bekanntlich, die Augen sind der Spiegel der Seele – bei Superstar Justin Bieber sind es wohl eher die Tattoos, die einen Einblick in sein Inneres gewähren. Über 60 Motive überziehen seinen ganzen Oberkörper und zeichnen ein Bild seines Lebens: sie erzählen von seinen Erfolgen, von den Menschen, die ihm am Herzen liegen, aber auch von seinen Überzeugungen.

Auf der linken Brust prangt ein brüllender Bär, der für Ruhe stehen soll, auf der rechten Brust ein Löwe, der Mut und Stärke symbolisieren soll. Und im Zentrum seines Oberkörpers zwischen den trainierten Brustmuskeln ein großes Kreuz. Nicht nur eine schmucke Körperverzierung, wie der Sänger gegenüber der Modezeitschrift „Vogue“ erklärt: „Das Kreuz in der Mitte meiner Brust ist ein Symbol für meinen Glauben und eine Erinnerung daran, was Jesus ertragen hat, um alles wiedergutzumachen, was zerbrochen war.“ Zerbrochen – der Begriff, der den Zustand des „Prince of Pop“ in den letzten Jahren wohl am besten beschreibt.

„Doch der Glaube, so zeigt sich das Supermodel überzeugt,
habe die Ehe zusammengehalten,als sie auseinanderzubrechen drohte:
‚Unsere Beziehung hat sich auf eine Weise entwickelt, wie es nur möglich war,
weil Jesus im Zentrum davon ist.‘“

Schon früh galt Justin Bieber als Hoffnungsträger der Pop-Szene. Mit nur 14 Jahren wurde Bieber, der sich selbst Schlagzeug-, Piano-, Gitarre- und Trompetespielen beibrachte, von Talentsucher Scooter Braun auf Youtube entdeckt. Zufällig stieß sein heutiger Manager auf Videos, die Justin Biebers Mutter auf die Videoplattform geladen hatte, um Verwandte an seinen Auftritten bei einem Musikwettbewerb teilhaben zu lassen. Prompt wurde aus dem Milchbubi mit Mädchenstimme ein gefeierter Popstar. Sein Debütalbum „My World 2.0“ stürmte die Charts in den USA und Kanada, seine ersten Musikvideos erreichten Millionen von Klicks auf Youtube, wodurch das „Bieber-Fever“, das tausende Teenie-Mädchenherzen zum Schmelzen brachte, erst richtig angeheizt wurde. Eine neue Ära der Popkultur war mit der Geburt des Stars Justin Bieber angebrochen: Die in der Internetplattformen den Ton für den musikalischen Erfolg junger Künstler angaben.

Aus dem Kinderstar entwickelte sich ein Teenager, der sich auf der Suche nach sich selbst geblendet vom großen Rampenlicht in der Selbstverherrlichung verlor. Grenzen gab es für den jungen Künstler keine mehr. Zunehmend füllte er die Schlagzeilen nicht mehr nur mit seinen Rekorden, sondern auch mit Skandalen: Zu den kleineren Verfehlungen gehörte noch, dass Bieber Konzerte immer wieder zu spät begann oder gar ganz abbrach, seine Nachbarn sich über wilden Partys beschwerten und einmal gar, weil der Sänger ein Haus mit Eiern beworfen hatte. Für mehr Aufsehen sorgte allerdings, dass der junge Künstler während einer Welttournee ein Bordell besuchte, illegale Autorennen veranstaltete und unter Drogeneinfluss beim Autofahren erwischt wurde, weshalb er letztlich auch verhaftet wurde.

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Weit über die Grenzen gegangen, Zusammenbruch im Drogensumpf

Wie weit der Teenie-Star über seine Grenzen hinausgegangen war, wurde aber erst später so richtig klar, als er in einem Dokumentar-Film zugab, ab 19 Jahren regelmäßig Drogen genommen zu haben, um dem Druck in der Musikmaschinerie zu entfliehen: „Mein Sicherheitsteam kam nachts in mein Zimmer, um meinen Puls zu prüfen und zu sehen, ob ich noch lebe. Die Leute wissen nicht, wie ernst es um mich stand. Es gab eine Zeit, in der ich extrem suizidal war.“ Auf der Höhe seiner Karriere war der Star am Tiefpunkt seines Lebens angekommen.

Doch mit der Veröffentlichung seines vierten Studioalbums „Purpose“ (zu Deutsch: „Sinn“) wagte Bieber, der vielen noch als der „Baby“-Interpret mit Zahnpastalächeln bekannt sein dürfte, einen Neuanfang. Auf dem Album zeigte sich der Künstler nicht nur oberkörperfrei auf dem Cover, sondern auch in erstaunlicher emotionaler Blöße. Statt der ihm vorgegeben abstrakten Liebeslieder sang Bieber nun über seine eigenen Gefühle – über ungesunde Beziehungen, über das Gefühl des ewigen Allein-Seins obwohl immer von jubelnden Fans umgeben und über die ehrliche Suche nach Gott. Das gesamte Album gibt Einblick in die innere Zerrissenheit des Künstlers – und den Versuch umzukehren. Das Cover zeigt ihn in demütiger Haltung mit gefalteten Händen und gesenktem Kopf, als würde er vor Gott selbst um Verzeihung bitten. Im Titelsong „Purpose“ singt er:

„I put my heart into your hands
Here´s my soul to keep
I let you in with all that I can
You´re not hard to reach
And you bless me with the best gift
That I´ve ever known
You give me purpose
Oh, you are my everything“
… Ask you to forgive me for my sins,
oh would you please?“

Album zu christlich: im Mittleren  Osten und Indonesien verboten

Die eindeutige christliche Botschaft des Albums kam nicht überall gut an: „Purpose“ wurde in mehreren Staaten im Mittleren Osten, sowie in Indonesien zunächst verboten, bis ein alternatives Cover auf dem Markt war, das den Künstler an einer Klippe zeigt.

Doch ansonsten gab der Erfolg dem Künstler mit seiner neuen Authentizität recht. „USA-Today“ applaudierte dem Popstar verbal: „Mit ‚Purpose‘ beweist Justin Bieber, dass er einer der am meisten vorausschauend denkenden Musiker unserer Zeit ist und deswegen sind wir frisch bekehrte Beliebers.“ Die Lieder „What Do You Mean?“, „Sorry“ – inzwischen sein meistgesehenes Musikvideo mit 3,5 Milliarden Klicks auf Youtube – und „Love Yourself“ gehören zu seinen erfolgreichsten Titeln. „Purpose“ war das innerhalb einer Woche am öftesten verkaufte Album seiner Karriere und brachte ihm zwei Grammy-Nominierungen ein.

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Interviews wie Predigten

Mit dem Album schien das erste Mal der Künstler Justin Bieber überhaupt in Erscheinung getreten zu sein: Stilistisch entwickelte er einen eigenen Sound: In die popigen Songs mischten sich nun R&B und Synth-Pop, die Melodien mit Wiedererkennungswert hervorbrachten und wieder einen Trend zumindest mitbedingten: die Neuentdeckung der 80er und 90er Jahre. Musikalisch scheint sich der Künstler selbst gefunden zu haben.

Und auch sonst legte der inzwischen 28-Jährige eine Wende hin: Die Zeit der ausufernden Partys ist vorbei, stattdessen ist der 28-Jährige regelmäßig auf Lobpreiskonzerten zu sehen. Er beendete seine ewige On-Off-Beziehung mit Jugendliebe Selena Gomez und heiratete das christliche Supermodel Hailey Baldwin, die ebenso wie er die freikirchliche Hillsong-Kirche besuchte, und mit der er mit dem Sex bis zur Ehe wartete, wie das Paar in einem Interview preisgab. Auf Instagram teilt der Superstar inzwischen regelmäßig, wie der Glaube sein Leben verändert hat, insbesondere zu Weihnachten und Ostern schreibt er über die christliche Frohbotschaft. Interviews mit dem Grammy-Gewinner lesen sich jetzt wie Predigten. Statt über sich selbst spricht Justin Bieber lieber über Gott: „Er ist Gnade”, erklärt er einem Journalisten des Männermagazins GQ. „Jedes Mal, wenn wir etwas vermasseln, hebt er uns wieder auf, jedes Mal.“

Christlich erzogen, Schüler einer katholischen Schule

Die Entwicklung der neu gefundenen Glaubensüberzeugung wäre aber wohl nicht real, wenn sie Justin Bieber nicht unter die Haut gegangen wäre. Über seinen ganzen Brustkorb zieht sich unter dem Kreuz-Tattoo der Schriftzug „Son of God“. Doch wie authentisch ist die Bekehrung des Superstars? An sich ist die christliche Glaubensüberzeugung für den Grammy-Gewinner nichts Neues. Seine Mutter, Pattie Malette, erzog Justin Bieber christlich: Sie besuchte mit ihm den Gottesdienst, betete mit ihm abends und schickte ihren Sohn auf eine katholische Schule.

Dass der Superstar überhaupt das Licht der Welt erblickte, verdankt er laut seiner Mutter nur ihrer Bekehrung kurz vor ihrer Schwangerschaft. Denn der damals 17-Jährigen wurde eigentlich zur Abtreibung geraten, sie entschied sich dagegen, inzwischen setzt sie sich für schwangere Frauen in Not ein. Ein Wissen, das den jungen Superstar dazu brachte, sich noch zu Beginn seiner Karriere öffentlich für den Lebensschutz auszusprechen: „Ich halte nichts von Abtreibung … das ist, als würde man ein Baby umbringen.“ Worte, die prompt einen Shitstorm nach sich zogen, der den Künstler dazu brachte, seine Linie zur Abtreibung zu ändern.

Ein Ringen mit sich selbst

Und auch sonst scheint der Sänger nach wie vor mit sich selbst zu ringen: Er kämpft immer noch gegen Depressionen an, unterbrach seine Welttournee zu seinem jüngsten Album „Justice“ zuletzt wegen gesundheitlicher Probleme zum zweiten Mal, auch in seiner Beziehung scheint nicht alles so toll zu laufen, wie es auf den Instagram-Fotos wirken mag. Die Mischung aus Depressionen und dem ewigen Gefühl der Einsamkeit scheint den Popstar an seine Frau klammern zu lassen, „Justice“ ist im Grunde eine einzige Vergötterung von ihr. Eine einengende Mischung, die Hailey bereits im ersten Ehejahr ihre Mutter verzweifelt anrufen lies, weil sie nicht wusste, ob sie die Ehe durchstehen könnte. Doch der Glaube, so zeigt sich das Supermodel überzeugt, habe die Ehe zusammengehalten, als sie auseinanderzubrechen drohte: „Unsere Beziehung hat sich auf eine Weise entwickelt, wie es nur möglich war, weil Jesus im Zentrum davon ist.“

Wie sehr der Superstar nun tatsächlich durch seine Identität als Sohn Gottes Freiheit und Heilung gefunden hat, kann letztlich nur einer beurteilen, wie Justin Bieber selbst in „Life is worth living“ singt: Gott.

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