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Im Kinderzimmer tobt das Leben 

Zum fünften Mal nimmt „Toy Story“ Anlauf auf die Kinokassen: Der Erfolg ist dabei fast garantiert. 
Im Kinderzimmer trifft die digitale Invasion auf analogen Widerstand: Szene aus „Toy Story 5“.
Foto: Verleih | Im Kinderzimmer trifft die digitale Invasion auf analogen Widerstand: Szene aus „Toy Story 5“.

Die Macher hinter „Toy Story“ lassen sich mit neuen Fortsetzungen stets reichlich Zeit. Ein neuer Film entsteht erst dann, wenn die Geschichte es wert ist, weitererzählt zu werden. 1995 begann alles mit dem ersten „Toy Story“-Film, der als erster vollständig computeranimierter Kinofilm die Welt des Animationsfilms revolutionierte. Nach den Fortsetzungen von 1999, 2010 und 2019 liegt nun mit „Toy Story 5“ bereits der fünfte Teil der Spielzeug-Saga vor, die weltweit bislang fast vier Milliarden US-Dollar eingespielt hat. Und weil jeder neue Film seine Vorgänger an den Kinokassen übertraf, könnte „Toy Story 5“ sogar der erfolgreichste Teil der gesamten Pentalogie werden. 

Abhängen am Device 

Cowboy Woody hatte die vertraute Spielzeugtruppe am Ende des vierten Teils verlassen, um sich Porzellinchen anzuschließen. Der neue Film konzentriert sich deshalb auf Cowgirl Jessie sowie auf Space Ranger Buzz Lightyear und ihre gemeinsamen Spielzeugfreunde. Die inzwischen achtjährige Bonnie bemerkt mit ihrer Puppenwelt zunehmend, dass klassisches Spielen unter Gleichaltrigen kaum noch stattfindet. Sie fühlt sich ausgeschlossen und allein. Die anderen Kinder kommunizieren über ihre Tablets und verbringen ihre Freizeit fast ausschließlich mit digitalen Geräten. Niemand möchte mehr draußen spielen. Auch Bonnies Eltern stehen der digitalen Welt skeptisch gegenüber, kaufen ihrer einsamen Tochter schließlich aber doch ein froschartiges Tablet namens „Lilypad“, damit sie leichter Anschluss an andere Kinder findet. 

Es dauert nicht lange, bis der Plan aufgeht, denn neue Freundschaften werden am schnellsten über Apps geschlossen. Bonnie wird zu einer Übernachtungsparty eingeladen und freut sich darauf, endlich neue Freundinnen zu finden. Doch schon bald merkt sie, dass die Mädchen zwar gemeinsam in einem Raum sind, aber dennoch fast ausschließlich über ihre Tablets miteinander kommunizieren. Die Aufregung bei Jessie, Buzz und den anderen Spielzeugen ist deshalb groß. Trotz aller Versuche gelingt es ihnen nicht mehr, Bonnies Aufmerksamkeit zurückzugewinnen. Sie verbringt ihre gesamte Zeit mit ihrem Tablet, kommuniziert darüber mit ihren neuen Freundinnen und spielt digital. Lilypad, das ebenso wie die übrigen Spielzeuge erst dann lebendig wird, wenn keine Menschen anwesend sind, ist von seiner technischen Überlegenheit überzeugt und sieht in den alten Spielzeugen keinen Nutzen mehr für Bonnie. 

Hoheitskampf im Kinderzimmer 

Fortan entbrennt zwischen analogem und digitalem Spielzeug ein Konkurrenzkampf um Bonnies Fantasie und die Vorherrschaft im Kinderzimmer. Über ein Walkie-Talkie wird Cowboy Woody kontaktiert, der prompt zur Hilfe eilt. Der Plan, für Bonnie eine Freundin zu finden, die noch analog spielt, führt die alten Spielzeuge zurück auf den Bauernhof von Jessies früherer Besitzerin Emily. Doch nicht nur Jessie und ihre Freunde greifen in das Geschehen ein. Auch eine durch ein Transportunglück aktivierte Armee von Buzz-Lightyear-Figuren mischt kräftig mit. Bei „Toy Story 5“ führte erstmals Pixar-Legende Andrew Stanton Regie, der bereits die Klassiker „Findet Nemo“ (2003) und „WALL·E“ (2008) oscarprämiert inszenierte und zuvor an den Drehbüchern der ersten drei „Toy Story“-Filme beteiligt war. Die Geschichte für den fünften Teil entwickelte er gemeinsam mit Kenna Harris. 

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Mit der Digitalisierung greifen beide ein hochaktuelles Thema auf und weisen auf die Gefahren hin, die entstehen können, wenn kindliche Fantasie vollständig in den virtuellen Raum ausgelagert wird. Ohne erhobenen Zeigefinger, sondern sensibel, verbindend und versöhnlich nähert sich der Film dieser komplexen Thematik. Obacht, Kinder – und vor allem Eltern: Der richtige und verantwortungsvolle Umgang mit der digitalen Welt wird hier eindringlich angemahnt. 

Musik von Randy Newman – und Taylor Swift 

All das wird wie gewohnt emotional, humorvoll, warmherzig, kreativ und äußerst unterhaltsam erzählt und spricht damit Jung und Alt gleichermaßen an. Neben den bekannten Spielzeugen werden im fünften Teil einige neue Figuren eingeführt, die allerdings nicht ganz die ikonische Klasse ihrer Vorgänger erreichen. Die Animation ist erneut bis ins kleinste Detail hervorragend gelungen, auch wenn einige abstrakt verfremdete Bilderbuchsequenzen aus Bonnies Fantasiewelt etwas wie Fremdkörper wirken. Die stimmungsvolle Musik stammt erneut vom zweifachen Oscarpreisträger Randy Newman. Im liebevoll gestalteten Abspann erklingt „I Knew It, I Knew You“ von Taylor Swift

„Toy Story 5“ ist ein überzeugendes Plädoyer gegen Digitalwahn und moderne Wegwerfmentalität. Deshalb gibt es auch nach dem fünften Teil keinen Grund, die beliebte Filmreihe wie ein aussortiertes Spielzeug beiseitezulegen. Die Zeit der Spielzeuge ist noch lange nicht vorbei. Teil sechs der Qualitätsreihe darf daher gern kommen – am besten wieder mit dem wohltuenden Abstand von einigen Jahren. 

„Toy Story 5“, USA 2026, 102 Minuten, Regie: Andrew Stanton, seit dem 23. Juli im Kino. 


Der Autor ist Priester im Erzbistum Köln.

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