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Glück des Staunens – Licht des Glaubens    

Die Grenzen des Unverfügbaren sollen in unserer Gesellschaft immer weiter hinausgeschoben werden. Das kann nicht gut gehen.
Staunen schützt vor Hybris: Es macht spürbar, dass uns manche Dinge unverfügbar sind.
Foto: Copyright: xcivic_dm@hotmail.com (www.imago-images.de) | Staunen schützt vor Hybris: Es macht spürbar, dass uns manche Dinge unverfügbar sind.

Wer kennt nicht die kindliche Entdeckerfreude aus jener Zeit im eigenen Leben, als alles noch neu war? Stück für Stück lernte man die Welt in ihrem unermesslichen Reichtum an Formen, Farben, Pflanzen, Tieren, Landschaften kennen. Ich war immer begierig, Neues kennenzulernen – wenn nicht im Original, dann aus Büchern. Diese halfen mir, die ganze Welt zu bereisen und in die Tiefen des Kosmos vorzustoßen. 

Solche Entdeckerfreude ist dem Geschöpf vorbehalten. Gott ist sie verwehrt. Er kennt ja schon alles. Er staunt nicht. Als Kind kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Geistig jung bleibt, wer sich die Fähigkeit des Staunens bewahrt. Im Staunen steckt die Anerkennung, dass das Entdeckte schön und wertvoll ist. „Je größer ein Mensch ist, desto mehr neigt er dazu, vor einer Blume niederzuknien“ (Chesterton). Diese Neigung bedeutet die Bereitschaft, die Werte überall, wo sie begegnen, anzuerkennen, und wenn es auch nur die Schönheit einer Blume ist. Über diese Schönheit kann der Mensch nicht verfügen. Er kann sie, wenn er die Blume manipuliert, nur zerstören. Er ist nicht Herr über die Werte. Das Niederknien bedeutet das demütige Eingeständnis dieser Wahrheit und die Ehrfurcht vor dem Anspruch, unter den mich die echten Werte stellen. Darin besteht die moralische Größe des Menschen. 

Anmaßung, so sein zu wollen wie Gott

Das Gegenteil davon ist die Anmaßung, sein zu wollen wie Gott. Von ihr zeugen die Worte Nietzsches: „Wenn es Götter gäbe, wie hielte ich’s aus, kein Gott zu sein!“ Deshalb ist bei ihm Erkenntnis nicht mehr das demütige Anerkennen dessen, was mir begegnet, sondern Machtdemonstration: „Auch im Erkennen fühle ich nur meines Willens Zeuge- und Werde-Lust.“ Heute zeigt sich diese Anmaßung im Exzess eines Autonomiestrebens, das die Grenze zum Unverfügbaren immer weiter hinausschieben will. In einer solchen Gesellschaft ist selbst die Ehrfurcht vor dem Kind im Mutterleib zu einem Fremdkörper geworden. „Und, bam!, ihr seid den Braten los!“ So hat kürzlich eine Influencerin die erfolgreiche Abtreibung ihres Kindes beschrieben. Was für eine Menschenverachtung! Das entlarvt auch Nietzsches Euphemismus: Die angebliche Werde-Lust des anmaßenden Willens reicht in Wirklichkeit oft nur hin zur Zerstörung. Ein anderes Beispiel: Eine Frau, die sich die Brüste amputieren lässt, wird nicht zum Mann, sondern verstümmelt ihren Körper. Das Leid derer, die dies erkennen, wenn es zu spät ist, findet in der Öffentlichkeit keinen Widerhall. 

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Der Mensch kann sich nicht selbst machen. Er kann nur wählen, ob er sich annimmt oder nicht. Deshalb ließ Papst Franziskus zu Recht verlauten, dass die Gendertheorie auf die Versuchung hinausläuft, „sich selbst zu Gott zu machen.“    

Gottes demütige Güte besteht in seinem Willen, die Herrlichkeit seiner Vollkommenheiten freigebig zu verschenken an Wesen, die er zu eben diesem Zweck erschafft. Des Menschen Demut besteht darin, Gottes Geschenke anzunehmen und über die Liebe zu staunen, die sich in ihnen offenbart. Das erste dieser Geschenke aber ist der Mensch selbst. Im Licht des Glaubens wird Selbstannahme nicht nur möglich, sondern zu einem Akt der Gottesverherrlichung, der das Glück des Staunens in sich birgt. 

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