Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Interview zum 100. Todestag Gaudís

„Gaudí kämpfte gegen sein Ego“

Der Architekt José Manuel Almuzara fördert die Verehrung des Ehrwürdigen Dieners Antonio Gaudí durch Vorträge und Publikationen. Ein Gespräch über die Heiligkeit Gaudís.
La Sagrada Familia Barcelona Spain
Foto: IMAGO/Jordi Boixareu (www.imago-images.de) | Antonio Gaudí, Architekt der Kathedrale Sagrada Familía, starb vor 100 Jahren, am 10. Juni 2026, nach einem Verkehrsunfall. Seine letzten Worte waren: „Mein Gott, mein Gott“.

Herr Almuzara, worin besteht die Heiligkeit Gaudís? Was macht ihn zu einem vorbildlichen Katholiken?

Gaudí war ein konsequenter Christ, er nahm seinen Glauben ernst und verantwortungsbewusst wahr und kann als Mensch ein Vorbild sein, der dies nicht nur durch seine Architektur zum Ausdruck brachte, sondern – mit den Worten von Papst Benedikt XVI. – „es nicht mit Worten, sondern mit Steinen, Strichen, Plänen und Gipfeln verwirklichte“. Denn Schönheit ist das große Bedürfnis des Menschen; sie ist die Wurzel, aus der der Stamm unseres Friedens und die Früchte unserer Hoffnung sprießen. Schönheit offenbart auch Gott, denn wie Er ist das schöne Werk reine Unentgeltlichkeit, lädt zur Freiheit ein und befreit vom Egoismus. Gaudí lebte die Tugenden in heroischem Maße, weshalb Papst Franziskus ihn für verehrungswürdig erklärte; er legte mit Worten oder Taten für Christus und seine Lehre Zeugnis ab, wobei seine Liebe zur Eucharistie, zum Kreuz und zu Maria besonders hervorsticht. 

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Sind Menschen durch Gaudí zum Glauben gekommen?

Der Verein für die Seligsprechung Gaudís hat zahlreiche Zeugnisse und Briefe erhalten. Die Verfasser berichten von Gnaden, die durch das private Gebet zu Antoni Gaudí erlangt wurden. Darunter ist die Bekehrung von Yun Young-Joo, einem leitenden Angestellten der Industrie- und Handelskammer von Pusan, Korea. Er schrieb am 19. März 1998: „Gaudís Architektur ist bekannt für ihre künstlerische Schönheit. Sie verbindet klassische und gotische Elemente und zeigt sich in fantastischen Räumen. Ich denke, dass seiner harmonischen Verbundenheit mit der Natur und der Umwelt noch mehr Bedeutung beigemessen werden sollte, da sie durch sein Werk die Existenz Gottes deutlich macht. Gaudí schuf in seinem ständigen Streben nach der Wahrheit Werke, die die Menschen den göttlichen Atem entdecken lassen, der in ihnen pulsiert. Seine Architektur verdient das Lob der Menschen, denn er schrieb mit seiner Architektur Gedichte. Ich kann die religiöse Wirkung nicht vergessen, die der Besuch in Barcelona zur Vorbereitung der Gaudí-Ausstellung auf mich hatte. Ich war in der Sagrada Familia, als Teil meiner Tour durch Gaudís Werke rund um Barcelona. Es ist mir unmöglich, den Eindruck zu beschreiben, den sie in meinem Herzen hinterlassen hat. Ich konnte nicht anders, als meinen Kopf vor der Feierlichkeit, der Heiligkeit und der Größe des Gebäudes zu neigen. Ein tiefes Gefühl erfüllte mein Herz. Durch Gaudís Bauwerke und den göttlichen Hauch, den sie in sich tragen, wurde ich von der Existenz Gottes überzeugt. Obwohl ich zuvor ein gläubiger Buddhist war, konvertierte ich nach meiner Rückkehr nach Pusan zum Katholizismus, aufgrund der intensiven Inspiration, die von Gaudís Werken ausging.“

Gaudí gilt als Genie. Hat er das Zeug dazu, ein Volksheiliger zu werden?

Gaudí starb vor 100 Jahren, am 10. Juni 2026, nach einem Verkehrsunfall. Seine letzten Worte waren: „Mein Gott, mein Gott“. Tausende Menschen begleiteten den Trauerzug durch die Straßen von Barcelona, vom Hospital de la Santa Cruz in der Nähe der Ramblas und des Liceo bis zur Krypta der Sagrada Familia in der Calle Provenza. Die Fotos vom Weg des Trauerzuges mit dem Sarg sind spektakulär: Menschen, die sich von den Balkonen lehnen, auf die Laternenpfähle geklettert sind. Eine Menschenmenge, die den geliebten und bewunderten Antoni Gaudí begleitete, mit Totenliedern, Psalmen, Responsorien, „in vorbildlicher Stille und Andacht“. Eine Menschenmenge, die die Liebe eines Volkes zu Gaudí zeigte. „Als die Spitze des Zuges den Kreuzgang der Kathedrale erreichte, verließen die letzten Teilnehmer gerade das Hospital de la Santa Cruz…“ – ein Ausdruck der Liebe eines Volkes zu dem Architekten, den es als Heiligen verehrte. 

Was beeindruckt Sie persönlich an ihm?

Ich fasse es so zusammen: Gaudí wusste, wie man mit Widrigkeiten umgeht, er hatte Freude an seiner Arbeit und stellte seine Talente in den Dienst Gottes und der Menschen; er war ein Pionier der Nachhaltigkeit und des Recyclings, ein verantwortungsbewusstes Familienoberhaupt und kämpfte mit Demut und Vertrauen in die Vorsehung  gegen sein Ego.

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Regina Einig Antoni Gaudí

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