Geht man davon aus, dass Marie-Agnes Strack-Zimmermann der FDP einen Todesstoß versetzen wollte, dann hat sie alles richtig gemacht. Ja, immer wenn man denkt, die FDP könnte nicht noch tiefer sinken als raus aus dem Bundestag hinab ins Tal der parlamentarischen Bedeutungslosigkeit, gerade dann findet sich zielsicher ein prominenter Kopf, um die Sache mit einem ordentlichen Schuss in die Beine noch einmal zu beschleunigen.
Die praktische Anwendung der Steigerungsform „Freund, Feind, Parteifreund“ kann der politische Betrachter gerade filmreif an der Person Strack-Zimmermann verfolgen – bei ihrem gescheiterten Versuch, eine Parteiführung unter Wolfgang Kubicki mit allen Mitteln zu verhindern, indem sie in letzter Sekunde auf dem Parteitag am Wochenende eine Gegenkandidatur versuchte. Zumindest die böse Überraschung war gelungen, während das Märchen, die vorgetragene halbstündige Bewerbungsrede sei das Ergebnis einer spontanen, kurzfristigen Entscheidung, nicht einmal ihre Unterstützer glauben.
Nun sollte man mit einer Frau wie Strack-Zimmermann, die sich auf ihrer eigenen Homepage damit rühmt, eine 78-jährige Rentnerin erfolgreich verklagt zu haben, die es gewagt hatte, sie als „Flintenweib“ zu bezeichnen, und über 1.800 weitere Bürger bereits wegen Meinungsäußerungen juristisch belangte, immer rechnen. Wenn man Kubicki also einen Vorwurf machen will, dann den, sie unterschätzt zu haben. Diese Frau verliert nicht gerne.
Farbloser Protegé gab auf
Ihre eigenen Ambitionen, die Parteiführung zu übernehmen, hatte sie ursprünglich erst vor Kurzem nur zähneknirschend zurückgezogen. Allein die Ankündigung, sie wolle kandidieren, hatte derart viel Spott und Widerstand in sozialen Netzwerken ausgelöst, dass man bereits mit dem Bestatter den Termin für die Beerdigung der FDP hätte festlegen können, sollte sie sich an die Spitze setzen. Frei nach dem Motto: Wenn ich es nicht werden kann, dann soll Wolfgang es gefälligst auch nicht sein – rief sie damals Kubicki auf, er solle ebenfalls auf eine Kandidatur verzichten; die grauen Köpfe der Partei sollten doch bitte Jüngeren den Vortritt lassen. Kubicki ignorierte das, und dann gab auch noch Strack-Zimmermanns farbloser Protegé Henning Höne seine Ambitionen auf. Kubicki marschierte scheinbar ohne Gegenkandidaten auf seine Krönung zu. Das galt es zu verhindern.
Das Parteitags-Scharmützel geht nun medial weiter. Auf die Frage einer Journalistin, wie er denn die 40 Prozent der Unterstützer von Strack-Zimmermann für sich gewinnen wolle, antwortet er: „Gar nicht“ – und schickt ihr stattdessen mediale Grüße: „Du hast nur 40 Prozent, und jetzt weißt du, wo der Hammer hängt.“ Sie revanchiert sich mit dem Bild eines Hammers auf Twitter; er solle sich mal nicht versehentlich damit wehtun. So klingt Humor, wenn man ihn quält. Im Ergebnis sind mindestens drei beschädigt: Wolfgang Kubicki, der mit nur 60 Prozent Zustimmung ins Amt startet; Strack-Zimmermann, die sich als reichlich hinterhältig entlarvte; und die ganze FDP als Partei – denn nun weiß endgültig kein einziger Wähler mehr, welchen Kurs er bekommen wird, sollte er liberal-leichtsinnig seine Stimme vergeben.
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