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Fasten meint Körper und Seele

Vom biblischen Wüstenfasten bis zum klösterlichen Starkbier: Warum der freiwillige Verzicht seit Jahrtausenden als Weg zur inneren Freiheit gilt – und Menschen über Religionen hinweg verbindet.
Mönche in der Fastenzeit
Foto: ChatGPT | Weniger essen, weniger reden, weniger Ablenkung. Der heilige Benedikt von Nursia empfiehlt seinen Mönchen, immer ein Leben wie in der Fastenzeit zu führen.

Verzicht macht frei, Fasten öffnet den Geist für die Erfahrung des Heiligen: Was der „Einstein der Religionsgeschichte“ Mircea Eliade in seinem Werk „Das Heilige und das Profane“ konstatiert, findet sich als quasi spirituelle Übung in allen Weltreligionen. Für Eliade ist Fasten sogar eine anthropologische Konstante, eine Praxis ökonomischer Notwendigkeit und spiritueller Bedürftigkeit. Die Bibel legt dafür an vielen Stellen Zeugnis ab. Jesus selbst fastete 40 Tage in der Wüste, 40 Jahre dauerte der beschwerliche, entbehrungsreiche Auszug aus Ägypten, 40 Tage lang erfuhr Mose die Einsamkeit mit Gott auf dem Berg Sinai, in dieser Zeit aß er kein Brot und trank kein Wasser, was als Zeichen der intensiven Gottesbegegnung und Vorbereitung gilt. 40 Tage dauerte die sicher wenig komfortable Wüstenwanderung des Elija, nach seiner Flucht vor Isebel hatte ihn ein Engel zweimal mit Wasser und Gebäck versorgt: göttliche Kraft für die lange Reise zum Berg Horeb.

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Die 40-tägige Fastenzeit der Christen bis Ostern, sie ist eine Zeit der Klärung und Ausrichtung auf Gott. Ziel ist „die Bekehrung des Herzens, die innere Buße. Ohne sie bleiben Bußwerke unfruchtbar und unehrlich“, heißt es dazu im Katechismus der Katholischen Kirche. Das Fastenprogramm der spirituell ausgerichteten Initiative „Exodus90“, die sich an Männer richtet, beschreibt es so: „Asketische Disziplinen helfen, sich von den Dingen der Welt zu lösen und frei zu werden, um Christus nachzufolgen und Christus und den Menschen immer besser zu dienen.“ Fastenzeiten schaffen eine „heilige Zeit“, in der andere Regeln gelten. Weniger essen, weniger reden, weniger Ablenkung. Der heilige Benedikt von Nursia empfiehlt seinen Mönchen, immer ein Leben wie in der Fastenzeit zu führen. Darunter will er nicht eine radikale Bußzeit verstanden wissen, sondern eine Zeit des freudigen Sehnens nach der Begegnung mit dem verherrlichten Herrn.

Die Klöster und das Fasten

Der Advent und die 40 Tage vor Ostern mit der Passionszeit sind im Christentum die großen Fastenzeiten, zusätzlich wurde früher auch vor wichtigen Heiligenfesten auf Nahrung verzichtet. Im Mittelalter sahen nicht nur irische Wandermönche für Verfehlungen das Fasten vor. Alkohol und Fleisch, aber auch Tätigkeiten wie Feldarbeit und Reiten, zählten zum Fastenverzicht. Der Verzehr von Fleisch warmblütiger Tiere (Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen, Hühner, Gänse, Enten und Wildfleisch) geht auf das sechste Jahrhundert und Papst Gregor I. zurück. Erst 900 Jahre später erlaubte Papst Julius III., wenigstens Butter, Milch, Käse und Eier während der Fastenzeit zu konsumieren, auch Gemüse und Fisch waren zulässig. Viele Fastenspeisen aus Klöstern, die darauf zurückgehen, haben inzwischen den Weg in die bodenständige Gastronomie gefunden.

Zu weitverbreiteter Berühmtheit gelangten Rezepte wie Mehlklöße, Fastensuppe oder Maultaschen. Das Starkbier als klösterliches Fastengetränk gab den Mönchen Energie für körperliche Arbeit. Mittelalterliche Klöster entwickelten die strengen Regeln klassischer Braukunst, die noch heute weithin gültig sind. Die ältesten erhaltenen Zeichnungen einer modernen Brauereianlage stammen aus der Schweizer Fürstabtei St. Gallen aus dem Jahr 820. Bischof Arnulf von Soissons aus dem elften Jahrhundert wird zusammen mit seinem wesentlich älteren Namensvetter Arnulf von Metz aus dem sechsten Jahrhundert als Schutzpatron der Bierbrauer verehrt. Heute ist aus dem klösterlichen Starkbier ein Kultobjekt geworden. Der Salvator-Anstich in München ist ein gesellschaftliches Ereignis, und keine Brauerei verzichtet auf ein Bier mit reichlich Stammwürze und erhöhtem Alkoholgehalt. Vom Fasten ist bei dem historisch aufgeladenen Trunk aus Fass und Flasche allerdings nicht mehr viel zu spüren.

Paul VI. regelt das Fasten neu

1966 regelte Papst Paul VI. mit der Apostolischen Konstitution „Paenitemini“ das Fasten und die Abstinenz von Fleischspeisen neu. Die strengen Fastentage in der Fastenzeit vor Ostern reduzierte er auf den Aschermittwoch und den Karfreitag. An diesen Tagen gelten folgende Regeln: Man darf eine sättigende Mahlzeit und zwei kleine Zwischenmahlzeiten zu sich nehmen. Fleisch und Alkohol sind verboten.

Ob christliche Fastenzeiten, der muslimische Ramadan oder das Fasten im Buddhismus und Hinduismus: Der Wille zum bewussten Verzicht verbindet Menschen über Kulturen und Religionen hinweg. Mehr als der Konsum scheint es das Fasten zu sein, das uns eint, weil es den ganzen Menschen meint.

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