Blasphemiegesetze müssen abgeschafft werden. Nein, nicht etwa in Pakistan, wo sie zur Verhaftung und Ermordung von Christen dienen, sondern in Deutschland und Österreich. Diese Forderung zog sich wie ein roter Faden durch das „Glaubenstribunal“ der Wiener Festwochen, wo die Religion chancenlos auf der Anklagebank saß. Die Jury entschied, was die Tribunal-Leitung von Anfang an forderte: Kunstfreiheit kann und soll die Gefühle von Gläubigen verletzen dürfen. Blasphemieparagrafen würden nur die Gefühle von Gläubigen privilegieren, also weg damit!
Warum es den Spitzen der Wiener Festwochen so wichtig ist, Gott und die Religion beleidigen und damit gottgläubige Menschen emotional verletzen zu dürfen, wirft mehr als nur psychologische Fragen auf. Zumal in einer Zeit weltweiter Christenverfolgung, in der Christen in vielen islamischen und totalitär-atheistischen Staaten um ihres Glaubens willen verhaftet, gefoltert und ermordet werden – eine Tatsache, die beim „Glaubenstribunal“ keinerlei Erwähnung fand.
Wer heute Bücher verbrennt, schreckt morgen vor Gewalt gegen Menschen nicht zurück
Der ägyptische Islamkritiker Hamed Abdel-Samad beschrieb sein Freiheitsverständnis so: „Man muss in Deutschland für die Scharia werben dürfen, aber man muss auch den Koran verbrennen dürfen.“ Das Gegenteil ergibt Sinn: Wer Freiheit und Rechtsstaatlichkeit in Europa bewahren will, muss gegen die salafistischen Scharia-Werber auf Youtube und TikTok vorgehen, denn genau hier geschieht heute jene Radikalisierung, die zu Terror und Gewalt führt und Integration untergräbt. Wer aber Lust und Befriedigung dabei verspürt, demonstrativ mit Füßen zu treten, was anderen Menschen heilig ist, kann sich kaum auf seine schlechte Erziehung herausreden.
Wer heute Bücher verbrennt, schreckt morgen auch vor Gewalt gegen Menschen nicht zurück. Nicht der Respekt vor dem Koran, sondern vor der Würde jener Menschen, die in ihm ein Symbol ihres Glaubens sehen, verbietet das Verbrennen. In der Nachfolge Jesu haben Christen selbst viel Erfahrung mit Erniedrigung, Verfolgung und Diskriminierung, und sie können sie spirituell besser einordnen. Dennoch sollten sie Widerstand wagen, wenn im Rechtsstaat, der seine Entstehung der christlichen Idee der Menschenwürde verdankt, die Beleidigung ihres Glaubens gefordert wird.
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