Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Filmrezension

Ein „Ave Maria“ für die Erde

„Der Astronaut – Project Hail Mary“: Lichtjahre entfernt will Ryan Gosling mit einem Himmelfahrtskommando den blauen Planeten retten.
Ryan Gosling und Sandra Hüller sind die Stars im Film „Der Astronaut – Project Hail Mary“. Ihr schauspielerisches Potenzial schöpfen beide nicht voll aus.
Foto: IMAGO/Amazon MGM Studios (www.imago-images.de) | Ryan Gosling und Sandra Hüller sind die Stars im Film „Der Astronaut – Project Hail Mary“. Ihr schauspielerisches Potenzial schöpfen beide nicht voll aus.

Nach Ridley Scotts preisgekröntem Film „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (2015) nimmt sich Hollywood mit „Der Astronaut – Project Hail Mary“ nun die nächste literarische Vorlage des Bestsellerautors Andy Weir vor und bringt dessen dritten Roman „Project Hail Mary“ (2021) als episches Science-Fiction-Abenteuer auf die große Leinwand. 

Im Mittelpunkt der heiß erwarteten Adaption steht der Molekularbiologe und Lehrer Dr. Ryland Grace (Ryan Gosling, „Barbie“, „Blade Runner 2049“), der ohne jegliche Erinnerung an Bord eines Raumschiffs erwacht – 11,9 Lichtjahre von der Erde entfernt. Während seine Erinnerungen nur langsam und bruchstückhaft zurückkehren, erkennt er zunehmend, dass er offenbar Teil der wohl wichtigsten Rettungsmission der Menschheitsgeschichte geworden ist. 

Die Sonne stirbt, die Erde erkaltet – und das Überleben der gesamten Menschheit steht auf dem Spiel. In den Tiefen des Alls beginnt für Grace ein Wettlauf gegen die Zeit. Mit naturwissenschaftlichen Experimenten und improvisierten Lösungen versucht er herauszufinden, was genau hinter der Bedrohung unseres Planeten steckt und wie sich die nahende Katastrophe verhindern lässt – bis eine unerwartete Entdeckung namens „Rocky“ seine Mission schließlich in ein völlig neues Licht rückt. 

Sandra Hüller erobert Hollywood 

Kann das 156-Minuten-lange Survival-Spektakel „Der Astronaut“ an die Qualität von Scotts Meisterwerk „Der Marsianer“ anknüpfen oder sogar Christopher Nolans Meilenstein „Interstellar“ (2014) das Wasser reichen? Gelingt es dem Regie-Duo Phil Lord und Christopher Miller, das zuvor unter anderem für „The Lego Movie“ (2014) und „Spider-Man: Into the Spider-Verse“ verantwortlich war, der beliebten Romanvorlage einen eigenen, unverwechselbaren Stempel aufzudrücken – zumal mit Greig Fraser ein Kameramann hinter der Linse steht, der bereits die beiden „Dune“-Filme und „The Batman“ bildgewaltig inszenierte? Oder erwartet das Publikum eher ein durchschnittlicher Science-Fiction-Blockbuster? 

Diese Fragen muss letztlich jeder Zuschauer für sich selbst beantworten – und die Antworten werden wohl unterschiedlich ausfallen. Die ambitionierte Weltraummission „Project Hail Mary“ wird von der ESA-Koordinatorin Eva Stratt geleitet (Sandra Hüller, bekannt aus „Anatomie eines Falls“ und „The Zone of Interest“, hier in ihrer ersten großen US-Rolle). Sie ist es, die Ryland Grace mit der Aufgabe betraut hat, hinter das Geheimnis der außerirdischen Astrophagen zu kommen – einer rätselhaften Substanz, die der Sonne ihre Energie entzieht und sie zunehmend verdunkelt. Der Erde droht dadurch eine tödliche Eiszeit. 

Hinter dem Namen der Mission verbirgt sich dabei mehr als nur die wörtliche Übersetzung der Worte „Hail Mary“ – also „Gegrüßet seist du, Maria“ aus dem „Ave Maria“-Gebet. Neben der religiösen Bedeutung bezeichnet der im Amerikanischen geläufige Ausdruck „Hail Mary“ im American Football auch einen verzweifelten Passversuch in letzter Sekunde – ein Spielzug mit minimalen Erfolgsaussichten. Mit dieser Bedeutung im Hinterkopf erhält „Project Hail Mary“ eine zusätzliche dramatische Dimension. Der Name ist Programm: Die Mission, zu der Ryland Grace aufbricht, ist ein letzter verzweifelter Versuch, die Menschheit zu retten – ein Himmelfahrtskommando, bei dem selbst ein Gebet nicht schaden kann. 

Eine Eva „voll der Gnade“ 

Die mehrdeutige Symbolik des Missionsnamens wird noch durch ein weiteres Detail verstärkt: die Namen der beiden zentralen Figuren. Es ist wohl kein Zufall, dass Sandra Hüllers Figur „Eva“ heißt und Ryland den Nachnamen Grace – also „Gnade“ – trägt. Damit schließt sich der Kreis zum „Ave Maria“-Gebet, das bekanntlich mit den Worten beginnt: „Hail Mary, full of grace“ – „Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade“. Trotz seines drastischen Weltuntergangsszenarios entpuppt sich „Der Astronaut“ als berührender und humorvoller Weltraumfilm – eine ansteckend optimistische Erzählung über Hoffnung, Vertrauen, Freundschaft und Solidarität. Vielleicht liegt das auch daran, dass erneut Drew Goddard das Drehbuch geschrieben hat. Für seine Adaption von Andy Weirs „Der Marsianer“ war er bereits für den Oscar als bestes adaptiertes Drehbuch nominiert worden. 

Auch seine aktuelle Bearbeitung versteht es, Weirs wissenschaftlich detailreiche Romanvorlage in fesselnde Kinobilder zu übersetzen. Allerdings macht sich die Länge von 156 Minuten mitunter bemerkbar. Zudem hat Ryan Gosling den Astronauten bereits überzeugender gespielt – etwa in seiner Darstellung von Neil Armstrong in „Aufbruch zum Mond“ (2018). Und auch Sandra Hüller kann ihre schauspielerischen Qualitäten hier nicht ganz so eindrucksvoll entfalten, wie man es von ihr gewohnt ist. 

„Der Astronaut – Project Hail Mary“, USA 2026, 156 Min., Regie: Phil Lord und Christopher Miller, ab dem 19. März im Kino. 


Der Autor ist Priester im Erzbistum Köln und schreibt zu Kino und Kultur. 

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