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Die Schwester hinter der Burka 

Lieber Burka als Synodalversammlung? In Afghanistan müssen Christen ihren Glauben verstecken - in Deutschland müssen sie ihn erst wiederfinden. Eine aufschlussreiche Busbegegnung.
Buchstäblich "undercover": Eine Ordensschwester erzählt von ihrer Mission in Afghanistan, bei der sie den Habit gegen die Burka tauschen musste. Doch die Mission in Deutschland schätzt sie als schwieriger ein.
Foto: IMAGO/Haroon Sabawoon (www.imago-images.de) | Buchstäblich "undercover": Eine Ordensschwester erzählt von ihrer Mission in Afghanistan, bei der sie den Habit gegen die Burka tauschen musste. Doch die Mission in Deutschland schätzt sie als schwieriger ein.

Kürzlich unternahm die Universität eine kleine Studienreise nach Orvieto; das liegt etwa zwei Stunden nördlich von Rom. Auf der Rückfahrt im vollgestopften Bus saß ich neben einer freundlichen Ordensschwester aus Pakistan, die bis zum Einfall der Taliban Missionarin in Afghanistan gewesen ist; dort unterrichtete sie Kinder mit Down-Syndrom, die nicht zu den öffentlichen Schulen zugelassen wurden. Auf meine Frage, was ihr an Rom am besten gefalle, antwortete sie freudestrahlend: „Dass ich wieder meinen Habit tragen darf!“

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Etwas verwundert erkundigte ich mich, ob das für Schwestern denn nicht selbstverständlich sei. „Auf keinen Fall!“, kam die Antwort, „In Afghanistan sind christliche Symbole streng verboten. Unseren Habit haben wir versteckt und unsere Kreuze in weicherem Metall eingeschmolzen; im Haus trugen wir Zivilkleidung und auf der Straße Burka – aber da mussten wir auch immer von einem Mann begleitet werden. Frauen werden dort wie Gegenstände behandelt, nicht wie Menschen.“ Die absurde Vorstellung von katholischen Ordensschwestern in Burka verbildlichte sich in meinem Kopf und ich traute mich nicht zu fragen, wie erst die afghanischen Bedingungen heute aussehen mögen, wenn das schon vor den Taliban der Zustand gewesen ist. 

Deutschland ist von der Weltkirche isoliert

Als sie mich fragte, was ich in Rom studiere, erklärte ich: Moraltheologie – gerade Lizenz, danach Doktorat, danach zurück nach Deutschland. „Oh! Moraltheologie ist sehr wichtig für Deutschland.“ – „Ach so?“ – „Stimmt es eigentlich, dass in Deutschland sogar außereheliche Partnerschaften gesegnet werden können? Ich habe neulich etwas davon gelesen.“ – „Das stimmt und ist seit Jahren gängige Praxis.“ – „Dann ist deine Aufgabe schwieriger als meine …“ Ich musste entgeistert schmunzeln, da ich es mir nicht vorstellen konnte, dass man es in der deutschen Kirche schwieriger habe als in Afghanistan. „Doch, doch! In Kabul hatten wir kein Geld und keine Freiheit, aber wir hatten den Glauben – darum waren wir reich. Bei euch habt ihr zu viel Geld und zu viel Freiheit. Vielleicht ist es deswegen so schwierig für euch, zu glauben.“ Ich gab mich geschlagen.

Aber tatsächlich spricht das Christentum außerhalb von Deutschland eine ganz andere Sprache, die mit den Forderungen des Zeitgeistes wenig zu tun hat. In Italien ist die Kirche ärmer als in Deutschland, aber auch deutlich reicher als in Afghanistan. Dennoch wird katholische Lehre hier nicht verhandelt, sondern verkündet: Erst vor zwei Wochen forderte Bischof Suetta seine Gläubigen in einem Hirtenbrief auf, Migranten aus islamischen Ländern aktiv zu missionieren, weil dies der größte Akt der Liebe sei. Provokant fragt er: „Wie viele Muslime werden uns beim Jüngsten Gericht fragen: Warum habt ihr uns kein Rettungsseil zugeworfen und uns die Wahrheit nicht verkündet?“ Ich frage mich derweil, was wohl in Deutschland los wäre, wenn pakistanische Schwestern oder norditalienische Bischöfe für die Verkündigung zuständig wären …


Der Autor studiert an der Päpstlichen Universität Angelicum in Rom.

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Maximilian Welticke Bischöfe Christliche Symbole Moraltheologie Muslime Weltkirche

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