Wummernde Bass-Lautsprecher, unbarmherzige Projektionsscheinwerfer, digitale Bildwände im Public-Viewing-Format und schmerzende Stroboskopeffekte: Seit einigen Jahren scheint kaum eine Theaterinszenierung mehr ohne elektronische Hilfsmittel auszukommen. Eine Produktion von Kleists Amphitryon wird ins Gangstermilieu der Siebzigerjahre verlegt, begleitet von einschlägigen Filmmusiken aus dem Lautsprecher; Tennessee Williams’ The Glass Menagerie flankiert von ohrenbetäubenden Geräuschkulissen, die wohl das Seelenleben der Protagonisten ausdeuten sollen. Und in Wagners Der fliegende Holländer sieht man auf einer Leinwand das sturmgetriebene Meer, späterhin auch die schemenhaften Gesichter von Seeleuten.
Die perfekte Bühne – oder digitaler Horror?
Der Einzug technischer Mittel in das Bühnengeschehen von Schauspiel und Oper: Das Live-Erlebnis im Theater wird geschmälert.
